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  • Mehr Menschlichkeit in einer Arbeitswelt mit Künstlicher Intelligenz

    von RAin Monika Hesse-Haake, Krefeld

    Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt tiefgreifender als viele technologische Entwicklungen zuvor. Erstmals geht es nicht mehr nur um die Automatisierung körperlicher oder routinemäßiger Tätigkeiten. Auch Analyse, Auswahl und Entscheidungen, die bislang stark von menschlicher Erfahrung geprägt waren, werden zunehmend digital unterstützt. Gerade deshalb braucht es aus meiner Sicht nicht weniger Menschlichkeit, sondern mehr Empathie, Wertschätzung und Verantwortung.

    Künstliche Intelligenz

     

    1. Unterstützung im Recruiting durch KI

    Als ältere Arbeitsrechtlerin, Wirtschaftsmediatorin, MHFA-Ersthelfende und zertifizierte Anwenderin der Positiven Psychologie beschäftigt mich besonders die Frage, wie wir diese Entwicklung gestalten. Wer mit KI nur bestehende Prozesse optimiert, verschenkt einen Teil ihres Potenzials. Die eigentliche Chance liegt für mich darin, Arbeit neu zu denken und gleichzeitig den Menschen stärker in den Mittelpunkt zu stellen.

     

    Das gilt insbesondere für das Recruiting. Digitale Vorauswahl und KI-gestützte Verfahren können Prozesse beschleunigen. Sie können aber auch bestehende Muster und Vorurteile fortschreiben. Altersdiskriminierung darf nicht einfach vom analogen in den digitalen Raum wandern.

     

    2. Wesentliche Anforderungen für Hochrisiko-KI im Personalbereich

    Gerade deshalb sehe ich die Verschiebung der Anwendung wesentlicher Anforderungen für bestimmte Hochrisiko-KI-Systeme im Personalbereich mit sensiblen Personaldaten vom 2.8.26 bis zum 2.12.27 (Digital Omnibus, Bias-Erkennung, Voreingenommenheit) kritisch. Die zusätzliche Zeit sollte nicht dazu führen, dass wir mit einer verantwortungsvollen Gestaltung warten. Im Gegenteil: Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Strukturen, Daten und Auswahlprozesse kritisch zu hinterfragen.

     

    Denn hinter jedem Datensatz steht ein Mensch. Hinter jedem Lebenslauf steht eine persönliche Geschichte. Und hinter jeder Bewerbung stehen Hoffnung, Erfahrung und der Wunsch, mit den eigenen Fähigkeiten etwas beitragen zu können.

     

    3. Verantwortung und Letztentscheidung müssen beim Menschen bleiben

    Deshalb braucht es bei allen technologischen Möglichkeiten einen klaren menschlichen Maßstab: KI kann unterstützen. Die Verantwortung und die Letztentscheidung müssen beim Menschen bleiben.

     

    Gerade im Recruiting bedeutet das für mich: Menschen nicht auf Alter, Lebenslauf oder algorithmisch ermittelte Merkmale reduzieren. Erfahrung, Lernfähigkeit, Neugier, Resilienz, Motivation und Entwicklungspotenzial verdienen ebenso Aufmerksamkeit.

     

    4. Blick auf den Menschen selber

    Die Positive Psychologie hat meinen Blick dafür geschärft, nicht zuerst zu fragen, was fehlt, sondern auch wahrzunehmen, was bereits vorhanden ist und welches Potenzial darin liegt. Wir sind nicht bloß die Betroffenen des technologischen Wandels. Wir sind seine Gestalter.

     

    Die entscheidende Frage ist deshalb für mich nicht nur, was KI schneller oder effizienter machen kann. Sondern: Wie können wir KI so einsetzen, dass unsere Arbeitswelt dadurch nicht kälter, sondern menschlicher wird?

     

    Mein Plädoyer lautet: Mehr Mensch. Mehr Empathie. Mehr Wertschätzung. Weniger Schubladen. Und vor allem: Den Menschen vor dem Alter sehen.

     

    Denn die Arbeitswelt der Zukunft sollte nicht nur technologisch fortschrittlicher sein. Sie sollte menschlicher, gerechter und inklusiver werden.

    Quelle: ID 50970330