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·Fachbeitrag ·Arzthaftung

Patientenwunsch rechtfertigt keine Fehlbehandlung

von Rechtsanwalt und Fachanwalt für MedR Dr. Stefan Droste, LL.M., Kanzlei am Ärztehaus, Münster, www.kanzlei-am-aerztehaus.de

| Verlangt ein Patient eine Behandlung, die gegen zahnmedizinische Grundsätze verstößt, muss der Zahnarzt diese ablehnen, selbst wenn der Patient den Zahnarzt ausdrücklich darum ersucht hat und eingehend über die Folgen aufgeklärt wurde. Dies bestätigte kürzlich das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in zweiter Instanz (Urteil vom 24.6.2016, Az. 26 U 116/14). |

 

Der Fall

Die heute 50-jährige Patientin war zu dem später von ihr beklagten Zahnarzt gewechselt, weil sie mit einer zuvor von einem anderen Zahnarzt eingegliederten Krone im Seitenzahnbereich unzufrieden war. Sie ließ sich von Ende des Jahres 2008 bis Anfang des Jahres 2010 von dem neuen Zahnarzt behandeln. Diesem gegenüber äußerte Sie ferner den Wunsch nach einer Sanierung ihrer Frontzähne. Der Zahnarzt stellte jedoch bei ihr eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) fest und wollte aufgrund dessen zunächst eine Schienentherapie einleiten, sodann die Seitenzähne stabilisieren und erst im Anschluss daran mit der Sanierung der Frontzähne beginnen.

 

Dennoch äußerte die Patientin explizit den Wunsch, die Frontzahnsanierung vorzuziehen. Diesem Wunsch entsprach der Zahnarzt schließlich. Im Laufe der Behandlung kam es aufgrund einer unzureichenden Bisshöhe bei der Patientin zu einer Kompression der Kiefergelenke. Die Patientin verklagte den Zahnarzt sodann vor dem Landgericht Bochum auf Schadenersatz sowie auf Rückzahlung des in Rechnung gestellten Zahnarzthonorars von ca. 3.750 Euro - mit Erfolg. Gegen das Urteil legte der Zahnarzt Berufung vor dem OLG ein.

 

Die Entscheidung

Das OLG Hamm wies jedoch die Berufung zurück. Der Zahnarzt habe die zahnmedizinisch zunächst erforderliche Schienentherapie nicht im notwendigen Umfang durchgeführt. Ferner führten die Richter explizit aus, dass der Zahnarzt sich nicht auf den von der Patientin geäußerten Wunsch nach einer vorzeitigen Frontzahnsanierung berufen kann. Ein solches Vorgehen würde gegen den zahnmedizinischen Standard verstoßen und könne daher auch nicht unter Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechts der Patientin durch ihren expliziten Wunsch legitimiert werden. Daher hätte der Zahnarzt die gewünschte Behandlung ablehnen müssen.

 

FAZIT | Die Entscheidung des OLG Hamm führt vor Augen, dass das Selbstbestimmungsrecht des Patienten den behandelnden Arzt oder Zahnarzt nicht dazu verleiten lassen darf, sich über medizinische Grundsätze und die Regeln der ärztlichen Kunst hinwegzusetzen. Äußert ein Patient also den Wunsch nach einer kontraindizierten Behandlung, so sollte der behandelnde Arzt dies ablehnen - und dies auch dokumentieren.

 
Quelle: Ausgabe 07 / 2016 | Seite 6 | ID 44148572