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·Fachbeitrag ·Steuergestaltung

Steuerliche (Gestaltungs-)Optionen zur Senkung der Kostenlast für ein Studium der Kinder

| Studiengebühren, Mensa und Miete - ein Studium ist teuer. Im August hatte der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass Aufwendungen für das Erststudium als vorweggenommene Werbungskosten geltend gemacht werden können (Az: VI R 7/10). Der Jubel der Studenten war jedoch noch nicht verklungen, da schob der Gesetzgeber den Urteilen bereits durch eine neue Gesetzeslage einen Riegel vor. Aus Sicht von Eltern, die das Studium fördern oder finanzieren, liegt die Überlegung nahe, wenn möglich den Fiskus trotzdem an diesen Kosten zu beteiligen. Dieser Beitrag erläutert die nach wie vor bestehenden Möglichkeiten und zeigt Gestaltungsoptionen zur Studiumsförderung und -finanzierung. |

Geringe Steuervorteile für direkte Unterstützungszahlungen

Werden Kinder jeden Monat mit einer bestimmten Geldsumme für Studiengebühren und sonstige Kosten unterstützt (sogenannter Ausbildungsunterhalt der Eltern), scheidet hierfür ein steuermindernder Abzug bei den Eltern grundsätzlich aus. Denn diese Ausgaben haben nichts mit der eigenen beruflichen Tätigkeit der Eltern zu tun, sondern finanzieren als Einkommensverwendung nur den Lebensunterhalt der Kinder. Auch eine Berücksichtigung der Studienkosten im Rahmen des sogenannten Sonderausgabenabzuges für Schulgeld nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG) (siehe hierzu ZWD Nr. 8/2011) ist nicht möglich, da hier nur die schulische, nicht jedoch die Hochschul- bzw. Fachhochschulausbildung gefördert wird.

 

Die Eltern können jedoch den Ausbildungsfreibetrag nach § 33a Abs. 2 EStG von 924 Euro ansetzen, wenn ihr volljähriges Kind am Studienort auswärtig wohnt und die Eltern für ihr Kind noch das Kindergeld bzw. den Kinderfreibetrag erhalten. Auswärtige Unterbringung ist in diesem Zusammenhang jede Unterbringung außerhalb des elterlichen Haushalts. Entscheidend ist die räumliche und hauswirtschaftliche Ausgliederung aus dem Haushalt der Eltern. Einer expliziten Ermittlung der Kosten des Studiums bedarf es nicht, da es sich um einen pauschalen Freibetrag handelt.

 

Zudem wird der Freibetrag um die eigenen Einkünfte und Bezüge des Kindes gekürzt, die zur Bestreitung seines Unterhalts oder seiner Berufsausbildung bestimmt oder geeignet sind, soweit sie 1.848 Euro im Kalenderjahr übersteigen. Gekürzt wird auch um die vom Kind als Ausbildungshilfe bezogenen Zuschüsse (zum Beispiel BAföG oder um ein Stipendium). Der Ausbildungsfreibetrag bringt aber je nach Steuersatz der Eltern nur eine Steuerersparnis von ein paar Hundert Euro.

 

Scheidet ein Ausbildungsfreibetrag aus, weil zum Beispiel die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung als Kind nicht vorliegen, also kein Kindergeld bzw. kein Kinderfreibetrag gewährt werden, da die Altersgrenze überschritten wird, können die Eltern die Aufwendungen für die Ausbildung des Kindes als „außergewöhnliche Belastung in besonderen Fällen“ nach §  33a Abs. 1 EStG im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung mit maximal 8.004 Euro geltend machen. Der Gesetzgeber will mit der steuermindernden Berücksichtigung außergewöhnlicher Belastungen unzumutbare Härten bei der Einkommensteuer vermeiden. Sobald das Kind jedoch Einkünfte und Bezüge von mehr als 624 Euro hat, reduziert sich dieser Maximalbetrag entsprechend. Ebenso wie beim Ausbildungsfreibetrag werden ggf. Ausbildungshilfen aus öffentlichen Mitteln (BAföG oder Stipendien) angerechnet. Ein Abzug scheidet ferner aus, wenn das Kind nicht nur geringes Vermögen - so genanntes Schonvermögen - besitzt.

  • Beispiel

Ein verheirateter Steuerpflichtiger hat drei auswärts studierende Kinder. Für das älteste Kind wird kein Kindergeld / Kinderfreibetrag mehr gewährt, da die Altersgrenze (25 Jahre) überschritten ist. Jedes Kind bekommt im Monat eine Unterstützung von 750 Euro. Die Kinder haben kein nennenswertes Vermögen. Die steuerlichen Folgen:

Für die beiden jüngeren Kinder wird neben dem Kindergeld / Kinderfreibetrag der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von jeweils 924 Euro gewährt. Ein weiterer Abzug der Unterstützungsleistungen ist insoweit nicht möglich.

Für das ältestes Kind entfällt die Gewährung des Ausbildungsfreibetrags, da kein Kindergeld/Kinderfreibetrag mehr gezahlt wird. Die Unterstützungszahlungen von insgesamt 9.000 Euro pro Jahr können jedoch nur bis zu 8.004 Euro als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden (§ 33a Abs. 1 EStG). Sobald das Kind Einkünfte und Bezüge von mehr als 624 Euro hat, reduziert sich dieser Betrag entsprechend.

PRAXISHINWEIS |  Eigene Einkünfte und Bezüge des in Berufsausbildung/Studium befindlichen Kindes sind nur anzurechnen, soweit sie auf den Unterhalts- oder Ausbildungszeitraum entfallen. Ein genaue zeitliche Abgrenzung kann sich somit lohnen! Auch können Lohnzuflüsse ggf. auf den Zeitraum nach der Ausbildung verlagert werden, damit keine Anrechnung erfolgt.

  • Beispiel

Ein Student befindet sich von Januar bis Juni im Studium und erhält in diesem Zeitraum einen Ausbildungsunterhalt von seinen Eltern. Von Mai bis Juni fertigt er seine Diplomarbeit an und arbeitet bereits in Teilzeit für seinen zukünftigen Arbeitgeber. Erfolgt die Lohnzahlung für Mai und Juni erst im Juli, so zählt dieser Arbeitslohn nach dem steuerlichen Zufluss-/Abflussprinzip nicht zu schädlichen eigenen Einkünften, da nicht der Ausbildungszeitraum betroffen ist.

Der Höchstbetrag für den Abzug von Unterhaltsaufwendungen nach § 33a Abs. 1 EStG und des Ausbildungsfreibetrag nach § 33a Abs. 2 EStG sowie die anrechnungsfreien Beträge ermäßigen sich für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für die Anwendung der betreffenden Vorschrift nicht vorgelegen haben um je ein Zwölftel. Erstreckt sich das Studium eines Kindes einschließlich der unterrichts- und vorlesungsfreien Zeit über das ganze Jahr, kann nach Auffassung des Fiskus jedoch davon ausgegangen werden, dass bei den Eltern in jedem Monat Aufwendungen anfallen.

Studiumsförderung und -finanzierung durch Steuergestaltung

Für den Bedarf eines Studierenden reichen die oben genannten Steuervorteile allerdings in den meisten Fällen nicht aus. Für die Eltern gibt es aber noch andere steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, um die Steuerbelastung des Familieneinkommens zu entlasten. Hier stellt sich oft die Frage, ob sich Einkünfte der Eltern auf das Kind verlagern lassen. Denn die Eltern haben in der Regel einen hohen Steuersatz, der Student dagegen kann Einkünfte erzielen und zahlt bis zum Grundfreibetrag von 8.004 Euro gar keine Steuern. Im Wesentlichen kommen folgende Gestaltungsmöglichkeiten in Betracht:

 

Mitarbeit des Kindes im elterlichen Betrieb gegen Bezahlung:

Bei Freiberuflern ist es keine Seltenheit, dass Sprösslinge (oder Ehepartner) im Büro, der Kanzlei oder der Praxis mitarbeiten. Denn das Arbeitsentgelt bleibt einerseits in der Familie, andererseits schmälern solche Betriebsausgaben die Steuerschuld. Hierbei liegen folgende Überlegungen zu Grunde:

 

Haben angestellte Kinder ansonsten nur geringe oder gar keine Einkünfte, kann das gesamte Gehalt steuerfrei bleiben. Kommen die Kinder in den steuerpflichtigen Bereich, so wirkt sich der Sonderausgabenabzug der Kinder für ihr Studium steuermindernd aus. Zudem kann noch der Werbungskosten-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro genutzt werden.

 

PRAXISHINWEIS |  Bei Verträgen zwischen engen Verwandten muss genau auf die Vertragsgestaltung und die tatsächliche Durchführung der im Vertrag getroffenen Vereinbarungen geachtet werden. Hinter dieser Art der Zusammenarbeit vermuten die Finanzbehörden gern „Scheingeschäfte“ oder einen steuerlichen Gestaltungsmissbrauch. Je ungenauer die Verträge sind, desto leichter fällt es den Finanzämtern, solche Arbeitsverhältnisse abzulehnen. Folge ist, dass gezahlte Vergütungen nicht als Betriebsausgaben anerkannt werden, da das Finanzamt diese Zahlungen als steuerlich irrelevante private Unterhaltsleistungen einstuft. Daher müssen Verträge prinzipiell so ausgestaltet sein, als ob es sich um ein Vertragsverhältnis zwischen Fremden handelt. Dies bedeutet entsprechend der Regelungen in R 4.8 der Einkommensteuerrichtlinien sowie H 4.8 der Einkommensteuerhinweise unter anderem:

  • Der Arbeitsvertrag muss schriftlich abgefasst sein und eine genaue Aufgabenbeschreibung beinhalten.
  • Es müssen ggf. Sozialabgaben einbehalten und abgeführt werden.
  • Die Gehaltszahlungen müssen regelmäßig auf ein gesondertes Konto des Angehörigen erfolgen.
  • Das Arbeitsverhältnis muss wirtschaftlich sinnvoll und nachvollziehbar sein.
  • Die getroffenen Vereinbarungen müssen einem Fremdvergleich standhalten. Dazu gehört unter anderem, dass die vereinbarte Lohnzahlung nicht zu hoch ist.

Übertragung von Kapitalvermögen:

Für Eltern, die ihren Sparerfreibetrag bei Kapitalerträgen ausgeschöpft haben, bietet sich eine weitere Möglichkeit zum Steuern sparen: Sie können weitere Kapitalerträge auf ihre Kinder verlagern. Auf diese Weise lassen sich im Familienverbund die Steuerfreibeträge der Kinder nutzen. Im Jahr 2011 können so 8.841 Euro steuerfrei bleiben. Dies resultiert aus folgender Berechnung:

 

  • Berechnung

Sparerpauschbetrag

801 Euro

Sonderausgabenpauschbetrag

36 Euro

Grundfreibetrag

8.004 Euro

Steuerfreies Volumen insgesamt

8.841 Euro

  • Beispiel

Kalkulieren Eltern bislang mit einem Sparvolumen von 400.000 Euro und einer durchschnittlichen Verzinsung von vier Prozent, so fallen jährlich 16.000 Euro Kapitaleinnahmen ein. In Höhe von rund 14.400 Euro greift der Fiskus mit 3.600 Euro (25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. zuzüglich Kirchensteuer) zu. Wird das Kapital nun auf zwei Kinder übertragen, fallen keine Steuern an, da jedes Kind ein steuerfreies Volumen von 8.841 Euro mitbringt.

Entlastend wirkt hierbei zusätzlich, dass sich die persönlichen Freibeträge aufgrund der Erbschaftsteuerreform erhöht haben. Und zwar beim Kind von 205.000 Euro auf 400.000 Euro und beim Enkel von 51.200 Euro auf 200.000 Euro. Werden beispielsweise nun im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge an zwei Kinder und einen Enkel zusammen bis zu eine Million Euro übertragen, fallen hierauf anschließend nur noch eine stark verminderte Abgeltung- und überhaupt keine Schenkungsteuer an (bei einer Verteilung der Schenkung wie folgt: Kinder jeweils 400.000 Euro, Enkelkind 200.000 Euro). Der schenkungssteuerliche Freibetrag kann nach Ablauf von zehn Jahren für eine weitere Vermögensübertragung oder im Erbfall erneut in Anspruch genommen werden.

Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung, die beim Finanzamt beantragt werden kann, wird im Übrigen erst gar keine Kapitalertragsteuer bzw. Zinsabschlagsteuer einbehalten.

 

Übertragung von Immobilienvermögen auf Kinder:

Ebenso wie bei dem Übertrag von Kapitalvermögen besteht die Möglichkeit, Immobilienvermögen - auch teilweise - auf die Kinder zu übertragen. Dies gilt insbesondere für Mietobjekte, die lastenfrei sind oder bei denen die Abschreibung bereits in Anspruch genommen wurde, sodass im Ergebnis die Kaltmiete voll zu versteuern ist. In diesen Fällen bleiben pro Kind Mieteinkünfte in Höhe des Grundfreibetrages (8.004 Euro) und des Sonderausgabenpauschbetrages (36 Euro) stets steuerfrei.

 

Vermietung der erworbenen Studentenbude an das Kind

Immobilienbesitzer sind finanziell oft besser dran, wenn sie ihr Eigenheim an Angehörige vermieten (Mietverhältnisse zwischen nahen Angehörigen). Vorausgesetzt, sie erzielen ein hohes Einkommen und sind nicht auf die Erlöse aus der Vermietung des Immobilienbesitzes angewiesen.

 

Durch eine verbilligte Vermietung der Studentenbude an das Kind können Verluste leicht realisiert werden, was beim Senken der eigenen Steuerlast hilft. Eine verbilligte Vermietung liegt vor, wenn die vereinbarte Miete im Vergleich zur ortsüblichen Marktmiete niedriger ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine Mietzahlung für die Studentenbude an fremde Dritte gespart wird, da die Mietzahlung im Familienverbund „kostenneutral“ ist. Was Sie bei einer verbilligten Miete und bei der Ausgestaltung und tatsächlichen Durchführung ihrer Mietverträge mit nahen Angehörigen unbedingt berücksichtigen sollten, haben wir bereits in einer Beitragsserie in den Ausgaben Nrn. 9 bis 11/2010 aufgezeigt. Beachten Sie dabei aber folgende zwischenzeitliche Änderung:

 

Ab dem 1. Januar 2012 müssen Sie bei der Vermietung einer Wohnung oder eines Hauses an einen Angehörigen mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete verlangen. Anderenfalls lässt das Finanzamt die Werbungskosten für diese vermietete Immobilie nur anteilig zum Abzug zu und der Steuervorteil entfällt. Haben Sie also bisher nur 56 Prozent (bisheriger Prozentsatz der Mindestmiete) der ortsüblichen Miete verlangt, muss die Miete ab Januar 2012 also um zehn Prozent erhöht werden.

 

PRAXISHINWEIS |  Die Steuergestaltung mit Kindern birgt aber auch Risiken, denn bei endgültigen Vermögensübertragungen gilt: weg ist weg. Damit wird es den Eltern erschwert, flexibel auf veränderte Situationen zu reagieren. Eine ausführliche Beratung ist daher stets empfehlenswert.

Abschließend eine kleine Checkliste, welche Überlegungen Sie in all diesen Fällen - am besten mit Ihrem Steuerberater - anstellen sollten:

  • Checkliste

Welche Form des Steuersparmodells „Familie“ ist in unserem Fall am besten geeignet?

Auf welche Fallstricke - etwa hinsichtlich Kindergeld / Kinderfreibetrag und damit zusammenhängende Vergünstigungen oder ggf. gesetzliche Krankenversicherung - muss geachtet werden? Lohnt sich dann die Gestaltung mit Kindern noch?

Welche generellen Anforderungen gelten für die steuerliche Anerkennung?

Welche Regeln sind bei der Übertragung von Kapital- oder Immobilienvermögen auf Kinder einzuhalten?

 

Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 20 | ID 28775250