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  • · Fachbeitrag · Praxisführung

    Die Praxis modernisieren - ja oder nein, wann und wie, weshalb?

    von Dr. med. dent. Georg Taffet, Rielasingen-Worblingen

    | Jährlich schrumpft die Zahl der Zahnarztpraxen in Deutschland - bei gleichzeitig steigender Zahl der Behandler. Weshalb ist das so? Die junge Generation möchte nicht mehr „selbst ständig“ da sein. Die Freizeit hat einen immer höheren Stellenwert in ihrem Leben. Die steigende Anzahl der Zahnärztinnen trägt ein Weiteres zu diesem Phänomen bei: Die Selbstständigkeit in Vollzeit lässt sich für eine Zahnärztin nur mühsam mit Familie und Kindern vereinbaren. Lösung: Mehrere Kollegen schließen sich zusammen. |

    Was kann man als heute 50-jähriger Zahnarzt tun?

    Dieser Trend zu Mehrbehandlerpraxen hat auch Auswirkungen auf die überwiegenden Einzelpraxen der Zahnärzte-Generation, die heute - wie ich - um die 50 Jahre alt ist: Den vor 20 Jahren sicher für die Altersversorgung eingeplanten Verkaufserlös für meine Praxis habe ich mittlerweile gestrichen. Es ist keinesfalls sicher, dass ich meine Praxis in 10 bis 15 Jahren verkaufen kann.

     

    Was also als heute 50-jähriger Zahnarzt unter diesen Voraussetzungen tun? Soll ich mit der nach 25 Jahren leicht patinierten, dem Geschmack der neunziger Jahre entsprechenden Praxiseinrichtung und den antiquierten Geräten weiterarbeiten bis zum bitteren Ende und danach die Praxis auflösen? Oder modernisieren und hoffen, dass sich die Praxis vielleicht doch noch verkaufen lässt? Ich denke, dass die Entscheidung stark vom Standort abhängt. In einer Großstadt - mit mehreren „Praxiskliniken“ als Nachbarn - sind die Aussichten, die Praxis zu verkaufen, sicher nicht so gut. Im ländlichen Gebiet jedoch - mit gut zugänglichen und erweiterungsfähigen Räumen oder wenn jetzt schon die Praxis „mehrbehandlerfähig“ ist - sieht es besser aus.

    Warum ich entschieden habe, die Praxis zu modernisieren

    Ich hatte viele gute Gründe dafür:

     

    • Es ist nicht notwendig, dass meine Patienten anhand der Patina meiner Rezeption und Wartezimmermöbel meinen Erfahrungsstand erkennen können: Sie sollen sich bei uns wohlfühlen!
    • Auch meine Angestellten und ich sollten uns in der Praxis wohlfühlen: Wir verbringen dort viele Stunden täglich.
    • Es gibt Bereiche, in denen ein technischer Quantensprung stattgefunden hat, zum Beispiel das digitale Röntgen/DVT - technische Errungenschaften, von denen ich noch profitieren möchte.
    • Meine Steuerlast ist aufgrund der über die Jahre abgeschriebenen alten Praxiseinrichtung stark gestiegen.
    • Es gibt zurzeit unschlagbar günstige Investitionskredite von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).
    • Bei einer restlichen Arbeitszeit von 10 bis 15 Jahren ist noch genügend Zeit, um die Neuanschaffungen zu amortisieren und steuerlich abzuschreiben.
    • Zum Zeitpunkt der Praxisabgabe wird meine Praxis noch relativ modern wirken und gut ausgestattet sein, was die Chancen auf einen Verkauf erhöht.

    Welche Vorgehensweise bietet sich an?

    Ist die Entscheidung einmal gefallen, dann stellt sich die Frage, wie man vorgeht. Der Besuch einer Dentalmesse ist hilfreich, damit man einen Überblick über das Angebot an Geräten und deren technische Möglichkeiten gewinnt. Geht es um Dentaleinheiten, um Behandlungsstühle, dann empfehle ich jedem Kollegen bzw. jeder Kollegin, sich selbst daraufzusetzen und dort einige Minuten zu verweilen. Dann ersparen Sie sich - eventuell berechtigte - Kommentare der Patienten wie: „Der alte Stuhl war aber bequemer, Herr Doktor“. So erging es mir nämlich, bei der Umstellung meiner Praxis von der Sirona M1 Behandlungseinheit auf die Sirona M1 +. Der neue Stuhl ist designmäßig ein Fortschritt, ergonomisch ein klarer Rückschritt. Das gilt auch für den Behandler: Sitze ich in Zwölf-Uhr-Kopfposition, lässt sich bei der neueren Sirona M1+ das Kart nicht mehr weit genug nach hinten fahren, damit ich ohne Positionswechsel die Instrumentenablage erreiche.

     

    Beim digitalen Röntgen ist die Auswahl mittlerweile sehr groß. Die Fähigkeiten und die Preise der Geräte sind sehr unterschiedlich. Da ich implantologisch tätig bin, wollte ich eine DVT-Funktion haben. Wie groß das DVT-Volumen sein muss, ob es der ganze Schädel sein muss oder kleinere Kieferbereiche in der Regel reichen - darüber muss sich der Behandler immer im Klaren sein, weil diese Entscheidung maßgeblich den Gerätepreis beeinflusst. Auch über das Möbeldesign und Einrichtungstrends kann man sich auf den Dentalmessen informieren. Etablierte Firmen wie Baisch oder Freuding bieten alles an, was das Zahnarztherz begehrt. Trotzdem sollte man auch mit dem Schreinermeister vor Ort sprechen. Nicht selten sind seine Angebote trotz Einzelanfertigung und hoher Individualisierung preislich interessant.

     

    Ein erfahrenes Innenarchitekten-Team war in meinem Fall sehr hilfreich: Pläne wurden in 3-D erstellt und mit mir besprochen, Farben und Materialien für Böden, Wände und Möbel ausgewählt, die Innendekoration entworfen, Ausschreibungen für die verschiedenen Handwerksbetriebe erstellt und die Angebote verglichen. Eine detaillierte Zeitplanung für jeden beteiligten Handwerker und die Techniker vom Dentaldepot erstellt, die Baumaßnahmen begleitet und kontrolliert. Das war selbstverständlich nicht gratis … Es war aber rational und betriebswirtschaftlich die richtige Entscheidung für mich.

    Hat es sich gelohnt?

    Ich freue mich auf die nächsten Jahre in meiner schönen, modernen Praxis. Das Feedback unserer Patienten ist grundsätzlich positiv. Meine Steuerlast ist gesunken. Die finanzielle Gesamtbelastung verändert sich nicht, weil ich selbstverständlich einen Teil der Umbauten aus vorhandenen Mitteln finanziert habe. Und ich hoffe, dass in einigen Jahren einer oder mehrere junge Kolleginnen oder Kollegen Gefallen an meiner Praxis finden.

    Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 1 | ID 43801099