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  • ·Nachhaltigkeit

    Den Drachen zähmen, das Klima schützen

    Bild:Goblin's Pike - The Sleepy Dragon / Alexander Werner / CC CC BY 2.0

    von Ursula Katthöfer, Wissenschaftsjournalistin, Bonn (textwiese.com)

    | Obwohl die breite Öffentlichkeit längst erkannt hat, dass der Klimawandel und seine Folgen irreversible Schäden hervorrufen, ändern nur wenige Menschen ihr klimaschädliches Verhalten. Warum ist das so? Was hält auch Zahnarztpraxen davon ab, CO2- und CO2-Äquivalente einzusparen? Grund sind ‒ zusätzlich zu strukturellen Hindernissen ‒ psychologische Hürden, die „Dragons of inaction“ (Drachen der Untätigkeit). So der Psychologe Prof. Dr. Robert Gifford, der an der University of Victoria/Canada lehrt und sich auf Umweltpsychologie spezialisiert hat. Er ruft seine Kollegen sowie Ärzteschaft, Wissenschaft und Politik dazu auf, diese Hürden in Gestalt von 36 Drachen, die er zu sieben Gruppen ordnet, zu überwinden. |

    Die Drachen des begrenzten Denkvermögens

    Menschen denken weniger rational als sie glauben. Das betrifft nicht nur den Klimawandel. Doch gerade dort macht sich Gifford zufolge bemerkbar, dass unser Gehirn sich zu einer Zeit entwickelte, als es weder Sesshaftigkeit noch Landwirtschaft, geschweige denn Industrie gab. Unser Gehirn sei noch darauf ausgerichtet, auf unmittelbare Gefahren wie den Angriff durch den oft zitierten Säbelzahntiger zu reagieren, nicht aber auf Klimaveränderungen, die sich langsam bemerkbar machen. Unwissen sei ein zweiter Faktor. Selbst wer über die Folgen des Klimawandels informiert sei, wisse nicht, wie Treibhausgasemissionen sich effektiv reduzieren lassen. Es sei komplex, den CO2-Fußabdruck, z. B. einer Zahnarztpraxis, zu erstellen. Eine weitere Quelle der Unsicherheit seien unterschiedliche Informationen seitens der Medien, die wissenschaftliche Inhalte möglichst verständlich verbreiten möchten und daher vereinfachen. Abstumpfung, Gewöhnungseffekte, mangelnde Selbstwirkung und die optimistische Einstellung, dass es schon nicht so schlimm werde, seien weitere Drachen unseres begrenzten Denkvermögens.

    Die Drachen der Ideologie

    Ideologien beschreibt Gifford wie einen breiten Schirm, unter dem sich Menschen sammeln und den sie ungern verlassen. Darunter seien Weltanschauungen wie der Glaube an einen ungezügelten Kapitalismus, der die Welt ausbeuten darf. Andere Menschen seien der Überzeugung, dass übermenschliche Kräfte wie Götter oder „Mutter Natur“ der Menschheit die Verantwortung für den Klimawandel abnehmen. Eine andere Ideologie basiere darauf, dass Techniken wie das Geoengineering die Klimaeffekte ausgleichen. Eine weitere rechtfertige, dass uns unser Komfort und unser Lifestyle zustünden.