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  • ·Fachbeitrag ·Interview

    „Wir Frauen führen Zahnmedizin anders aus als unsere männlichen Kollegen!“

    | Manche niedergelassene Zahnärztinnen und Zahnärzte befinden sich in einer Blase, einer „Big Bubble“. Einflüsse von außen gelangen nur selten in diesen Mikrokosmos. Wer dann das Gefühl hat, mit der eigenen Praxis auf der Stelle zu treten oder mit der eigenen Selbstständigkeit unglücklich zu sein, gerät schnell in eine Sackgasse. Dann kann es sinnvoll sein, sich ein professionelles Gegenüber zu suchen, um über die nächsten Schritte nachzudenken. Dr. med. dent. Marie-Charlott Neumann ist niedergelassene Zahnärztin mit ganzheitlichem Schwerpunkt und Coach (drcharlieneumann.com). Sie unterstützt in Phasen der Ratlosigkeit. Ursula Katthöfer (textwiese.com) fragte sie nach Wegen zur persönlichen Weiterentwicklung. |

     

    Frage: Sie coachen Zahnärztinnen, Ärztinnen und Therapeutinnen. Warum nur Frauen?

     

    Antwort: Als Frau und Zahnärztin liegt es zum einen an meinem eigenen Weg. Ich bin seit zwölf Jahren in Vollzeit tätig und habe schon vor zehn Jahren begonnen, meine ganzheitliche Praxis aufzubauen. Ich habe viele tägliche Herausforderungen, Hindernisse und Chancen erlebt, mit denen sich auch meine Kolleginnen auseinandersetzen müssen. Zum anderen liegt es an den unterschiedlichen Herangehensweisen zwischen den Geschlechtern. Frauen suchen bewusst den Austausch mit Gleichgesinnten, um die Themen, die sie beschäftigen, zu lösen. Sie öffnen sich meist leichter, um an sich selbst zu arbeiten. Männliche Kollegen sind in gleicher Weise herzlich willkommen in meinen Coachings, lediglich die Herangehensweise ist eine andere.

     

    Frage: Was macht eine gute Zahnärztin aus?

     

    Antwort: Sie identifiziert sich mit ihrer Weiblichkeit als Zahnärztin. Wir Frauen führen Zahnmedizin anders aus als unsere männlichen Kollegen, sind jedoch dabei meist noch in den alten, auf Männer abgestimmten Systemen gefangen. Zahnärztinnen bringen körperlich wie mental unterschiedliche Grundvoraussetzungen mit. So pflegen sie beispielsweise einen anderen Führungsstil und gehen anders mit ihren Patienten um. Das Zusammenspiel von Weiblichkeit, Authentizität, Selbstliebe und dem Bewusstsein, etwas zu können, macht in meinen Augen eine gute Zahnärztin aus.

     

    Frage: Woran möchten Ihre Coachees besonders häufig arbeiten?

     

    Antwort: Das Thema Selbstwert bzw. Selbstliebe ist das wohl Wichtigste. Zahnärztinnen verkaufen sich oft unter ihrem Wert. Einerseits preislich, andererseits bezüglich ihrer Fachkenntnisse und Erfolge mit ihrem Team und ihrer Praxis. Männer sagen eher: „Ich kann, ich bin, ich setze noch einen drauf.“ Frauen sind da meist zurückhaltender: e„Wenn Sie möchten, dann könnten wir vielleicht...“ Weitere zentrale Themen sind, die passende Arbeitsweise zu finden, fachliche Orientierung, das richtige Patientenklientel zu gewinnen und Mitarbeiterinnen gut zu führen.

     

    Frage: Welche Rolle spielt die Ganzheitlichkeit?

     

    Antwort: Mein persönlicher Leitsatz stammt von Paracelsus: „An jedem Zahn hängt ein ganzer Mensch.“ Ich möchte Vorbehalte auflösen, Scheuklappen heben und Interesse wecken, die schulmedizinischen Behandlungen mit ganzheitlichen Zusatzbehandlungen zu bereichern. In meinen Coachings ist das Interesse an diesem Thema sehr groß.

     

    Frage: Mit welchen Methoden arbeiten Sie beim Coaching?

     

    Antwort: Ich arbeite sehr individuell und stimme die Methoden bewusst auf meinen Coachee ab. Es gibt bei mir kein Standard-Programm. Denn jede Coachee ist unterschiedlich und hat ihren ganz eigenen Weg, ans Ziel zu kommen. Ich wähle zwischen Neurolinguistischen Programmierungsmethoden (NLP), Hypnotherapie, Yoga- und Atemtechniken sowie speziellen Meditationen. Ich habe selbst zahlreiche Ausbildungen dazu absolviert und im Fachbereich der Psychiatrie promoviert.

     

    Frage: Welchen Einfluss hat das Coaching auf den Umsatz einer Praxis?

     

    Antwort: Es hat einen großen Einfluss. Sobald eine Zahnärztin Klarheit darüber gewonnen hat, wie sie arbeiten möchte, verändern sich ihr Denken, Handeln und ihre Ausdrucksweise. Wer in dem, was er tut, glücklich ist, wirkt authentisch und wird wahrgenommen. Das zieht Patienten an.

     

    Frage: Sie arbeiten in Ihrer eigenen Praxis. Fallen Ihnen im Alltag Themen auf, die Sie ins Coaching einbeziehen, z. B. im Umgang mit den ZFA?

     

    Antwort: Ja, das geschieht häufig. Seit ich die Praxis habe, gab es beispielsweise allein 17 Schwangerschaften unter meinen Mitarbeiterinnen. Das kennen viele von uns, es fordert Stärke und innere Balance. Fluktuation und zwischenmenschliche Herausforderungen sind in vielen Praxen ein großes Thema. Hier klären wir grundsätzliche Fragen und Wertevorstellungen, um Klarheit für den Umgang mit dem eigenen Team zu bekommen.

     

    Frage: Geht es dabei auch um die Vorbildfunktion der Chefin?

     

    Antwort: Ja, denn bei der Chefin fängt alles an. Wenn sie mit ihren Werten, Zielen und Vorstellungen nicht ehrlich mit sich selbst ist, kann es eine tägliche Herausforderung sein, ihren Mitarbeiterinnen eine klare Richtung vorzugeben. Unser Team spiegelt uns. Sich darüber im Klaren zu sein, ist sehr wichtig. Es spürt ja schon in den ersten Minuten eines Tages, ob die Chefin schlecht gelaunt ist. Das überträgt sich meist auf die Motivation und die Arbeitsleistung. Ist die Zahnärztin hingegen generell positiv gestimmt, strahlt Freude und gute Laune aus, wird das auf ihr Team abfärben. Wenn die Chefin vor Leichtigkeit sprüht, schwingt das Team mit. Das ist leider oder glücklicherweise so. Das kann man nun sehen, wie man möchte.

    Quelle: ID 47157279