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Steuerschlupfloch

Ungeahnte Steuervorteile durch die Bagatellgrenze für Schuldzinsen

Hat ein Zahnarzt als „braverSteuerbürger“ bislang das Zwei-Konten-Modell nicht genutzt,obwohl er ein privates Einfamilienhaus gebaut hat, so sollte erprüfen, ob er einen Teil seiner Finanzierung nun doch überein betriebliches Girokonto laufen lassen kann. Bei Schuldzinsen aufden betrieblichen Konten von bis zu 8.000 DM darf das Finanzamtnämlich nicht prüfen, ob diese aus privaten oderbetrieblichen Vorgängen resultieren. Die Schuldzinsen sind injedem Fall zu 50 Prozent von maximal 8.000 DM abziehbar. Man sprichtvon der sogenannten Bagatellgrenze des § 4 Absatz 4a Nr. 4Einkommensteuergesetz (EStG).

Beispiel

Ein Zahnarzt hat vor mehreren Jahren einprivates Einfamilienhaus gebaut und zum Teil fremdfinanziert. DasZwei-Konten-Modell hat er nicht genutzt, so daß die Schuldzinsenim privaten Bereich angefallen und nicht abziehbar sind. Imbetrieblichen Bereich besteht kein Finanzierungsbedarf; dasbetriebliche Girokonto befindet sich daher stets im Haben. Würdeder Zahnarzt nicht tätig werden, blieben die Schuldzinsen fürdas private Einfamilienhaus weiter nicht abziehbar.

Nun sollte der Zahnarzt wie folgt vorgehen: Sofern Sondertilgungen aufdas private Darlehen möglich sind, nimmt er diese vorrangig vombetrieblichen Girokonto vor. Die laufenden Betriebsausgaben(Gehälter etc.) überweist er ebenfalls vom betrieblichenGirokonto. Nach einer gewissen Zeit wird das Konto im Soll stehen.Sobald Schuldzinsen von 8.000 DM pro Jahr angefallen sind, stoppt derZahnarzt dieses Modell. Das heißt: Ab diesem Zeitpunkt erfolgenkeine Sondertilgungen mehr; vom betrieblichen Girokonto werdenausschließlich die Betriebsausgaben bezahlt, so daß sichder Schuldsaldo nicht weiter erhöht.

Dadurch ist es dem Zahnarzt gelungen, einen Großteil der privatenSchuldzinsen in den betrieblichen Bereich zu verlagern. Aufgrund derBagatellgrenze des § 4 Absatz 4a Nr. 4 EStG darf nichtgeprüft werden, ob die Schuldzinsen durch betrieblicheVorgänge entstanden sind. In jedem Fall kann der Zahnarzt 50Prozent der Zinsen (= 4.000 DM) als Betriebsausgaben geltend machen.

Hinweis: EinGestaltungsmißbrauch liegt nicht vor. Nach dem Grundsatz derFinanzierungsfreiheit, den der Bundesfinanzhof in mehreren Urteilenaufgestellt hat, darf ein Steuerzahler frei entscheiden, ob er mit denBetriebseinnahmen vorrangig betriebliche oder private Schuldenbegleicht. Das Modell funktioniert natürlich nur bei denSteuerzahlern, die im betrieblichen Bereich bislang keinenFinanzierungsbedarf hatten. Im übrigen ist zu beachten, daßes sich bei dem Betrag von 8.000 DM um eine Bagatellgrenzehandelt. Das heißt, sofern dieser Betrag auch nur um eine DMüberschritten wird, gilt die Vereinfachungsregelung des § 4Absatz 4a Nr. 4 EStG nicht. Im übrigen gilt die Grenze nicht jeKonto, sondern für alle betrieblichen Konten gemeinsam.

Quelle: Zahnärzte-Wirtschaftsdienst - Ausgabe 06/1999, Seite 5

Quelle: Ausgabe 06 / 1999 | Seite 5 | ID 108584