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Steuerreform

„Schlupfloch“ für private Investitionen

Viele Zahnärzte haben in der VergangenheitFinanzierungskosten für private Ausgaben und Anschaffungen mitHilfe des Zwei-Konten-Modells steuerlich als Betriebsausgabenbehandelt. Das Zwei-Konten-Modell wurde im Zuge der Steuerreformabgeschafft. Dieser Beitrag erklärt die Neuregelung und zeigtStrategien, wie Sie auch zukünftig private Investitionensteuergünstig absetzen können. Weiterhin erläutert derBeitrag, welche Folgen die Steuerreform für Zahnärzte hat,die das Zwei-Konten-Modell in der Vergangenheit für dieFinanzierung privater Investitionen genutzt haben.

Wann sind Zinsen als Betriebsausgaben abzugsfähig?

Zinsen gehören nur dann zu den steuerlich alsBetriebsausgaben zu berücksichtigenden Praxiskosten, wenn siefür Verbindlichkeiten geleistet werden, die durch die Praxisverursacht sind (Veranlassungsprinzip). Andererseits sind Zinsenfür einen Kredit, der zum Beispiel zum Kauf einer Eigentumswohnungeingesetzt wird, nicht abzugsfähig, weil die ausgezahltenDarlehensgelder eben für einen privaten Zweck verwendet werden.

Die Neuregelung aufgrund der Steuerreform

Werden private Ausgaben über ein Girokontomit negativem Saldo ausgeführt, stellen die anteiligen Zinsenkeine Betriebsausgaben dar. Unterhält der Zahnarzt für dieAbwicklung des Zahlungsverkehrs mehrere Girokonten(Zwei-Konten-Modell),  so sind künftig deren Beständezusammenzufassen. Ist der zusammengefaßte Bestand negativ underhöht sich durch die private Ausgabe der Negativbestand, so sinddie hierauf entfallenden Zinsen keine Betriebsausgabe. Dabei ist ohneBedeutung, daß die Abbuchung von einem Girokonto erfolgt, das einGuthaben ausweist. Werden Praxiskosten und private Ausgabe am gleichenTag überwiesen, gilt die betriebliche Ausgabe als zuerst erfolgt.So kann durch die private Ausgabe ungewollt ein negativer Bestandentstehen.

Zur Vermeidung unerwünschter Härten istein Schuldzinsenabzug von bis zu 8.000 DM zur Hälfte weiterhin alsBetriebsausgaben abziehbar. Bei Schuldzinsen von insgesamt 10.000 DMkann somit ein Betrag von 4.000 DM als Betriebsausgabe abgezogenwerden. Bei Schuldzinsen von insgesamt 4.000 DM ein Betrag von 2.000 DM.

Der Vorteil des Zwei-Konten-Modells

Als das Zwei-Konten-Modell noch galt, war esmöglich, die Zinsen für die Finanzierung von privatenAufwendungen wie zum Beispiel dem Bau eines Einfamilienhauses oder derAnschaffung einer Eigentumswohnung „indirekt“ alsBetriebsausgaben abzusetzen.

Beim Zwei-Konten-Modell werden auf einem Girokontoalle Praxiseinnahmen angesammelt und von diesem Girokonto alle privatenAusgaben bestritten. Auf diesem Konto werden immer Guthabenausgewiesen, so daß keine Zinsen zu zahlen sind. Da keine Zinsenzu zahlen waren, mußte auch nicht darüber gestritten werden,ob der Teil der Zinsen, der auf private Ausgaben entfällt, alsBetriebsausgabe abzugsfähig ist. Von einem zweiten Girokontowerden nur die Praxiskosten überwiesen. Die hier anfallendenZinsen gehören unstreitig zu den Betriebsausgaben, weil sieausschließlich durch Praxisausgaben verursacht sind.

So konnte man zum Beispiel vomPraxiseinnahmenkonto 400.000 DM für den Kauf einesEinfamilienhauses oder einer Eigentumswohnung abheben. Dieses Geldkonnte dann nicht mehr auf das Praxisausgabenkonto überwiesenwerden, so daß dieses Konto ins Minus geriet. Die dabeianfallenden Schuldzinsen konnte man als Betriebsausgaben absetzen. Sokonnten private Anschaffungen zinslos finanziert werden.

Die Folgen der Neuregelung

Nach der Neuregelung ist dies so nicht mehrmöglich. Das Finanzamt errechnet nunmehr einen Gesamtsaldo ausPraxiseinnahmen- und Praxisausgabenkonto. Ist der Gesamtsaldo negativ,so sind die Zinsen, die auf die private Anschaffung entfallen keineBetriebsausgaben mehr. Da dieser Gesamtsaldo gebildet wird, kann aufdie Führung getrennter Konten zukünftig verzichtet werden.

So erhalten Sie die Vorteile des Zwei-Konten-Modells

Mit einem kleinen Trick können Sie die Rechnung des Finanzamts durchkreuzen: BevorSie die größere Privatentnahme machen, nehmen Sie einlängerfristiges Darlehen auf, das in der Höhe die geplantePrivatentnahme zumindest abdeckt. Dieses Darlehen überweisen Sieauf Ihr laufendes Praxiskonto oder, soweit Sie weiter zwei getrennteKonten führen wollen, auf das Konto Praxisausgaben. Dadurchstellen Sie sicher, daß der Gesamtbestand Ihrer Praxiskontendurch die Privatentnahme nicht ins Minus gerät.

So bleiben die Zinsen für daslängerfristige Darlehen Betriebsausgaben, während Siefür die Finanzierung Ihrer Privatausgabe ebenfalls keine Zinsenzahlen.

Achtung: DieFinanzverwaltung wird diese Gestaltung nur anerkennen, wenn zwischender Gutschrift des Darlehens auf dem Praxiskonto und der Privatentnahmeeine gewisse Zeit verstrichen ist. Erfolgen die Vorgängeannähernd zeitgleich, so wird das Finanzamt das Darlehen alsprivat verursacht ansehen. Damit wären auch die Zinsen keineBetriebsausgaben.

Nach unserer Einschätzung sollte diePrivatentnahme frühestens eine Woche nach der Gutschrift desDarlehens erfolgen. Besser wäre es aber, einen ganzen Monatabzuwarten.

Was geschieht mit den „Altfällen” des Zwei-Konten-Modells?

Die Neuregelung gilt für alle Schuldzinsen, die wirtschaftlich nach dem 31. Dezember 1998 entstehen.

Zahnärzte, die den Schuldbestand auf demGirokonto für Praxiskosten noch in 1998 bereits in ein Darlehenumgewandelt haben, könnten bei der Neuregelung Glück haben.Der negative Saldo auf dem Girokonto für die Ausgaben der Praxiswar bei richtiger Anwendung des Zwei-Konten-Modellsausschließlich betrieblich veranlaßt. Bei Umwandlung derGirokonto- in eine Darlehensschuld entstand in 1998 eine betrieblicheDarlehensschuld mit der Folge, daß entsprechend der damalsgültigen Auslegung durch den BFH die Darlehenszinsen zu denBetriebsausgaben gehören.

Sonstige Liquiditätsquellen

Wollen Sie das oben vorgestellte„Darlehens-Modell“ nicht gebrauchen, so müssen Sie dasGeld durch eine Vielzahl kleinerer Entnahmen ansparen. Damit kein engerzeitlicher Zusammenhang entsteht, sollten Sie dem betrieblichenGirokonto nur soviel entnehmen, daß dieses Konto nicht ins Minusrutscht. Haben Sie genug angespart, so können Sie mit diesem GeldIhre privaten Anschaffungen bezahlen.

Für betriebliche Investitionen neue Darlehen aufnehmen

Ihre betrieblichen Investitionen wie zum Beispieldie Anschaffung eines neuen Praxis-Computers sollten Sie nichtüber Guthaben auf dem Girokonto, sondern mit einem neuen Darlehenfinanzieren. Da es sich um eine steuerbegünstigte betrieblicheInvestition handelt, sind die Darlehenszinsen natürlichBetriebsausgaben. In die Kontenzusammenfassung dürfen dieseDarlehensschulden auch bei der Neuregelung nicht einbezogen werden,weil Sie ja mit dieser Darlehensverbindlichkeit nicht einen negativenKontenbestand umgeschuldet haben. Andererseits haben Sie durch dieFinanzierung dieser Investition über Darlehen auf dem Girokontoeinen Geldmittelüberschuß, den Sie für privateAufwendungen entnehmen können.

Zahlungsvereinbarung mit dem Fremdlabor schafft Guthaben

Wenn Sie bisher die Rechnungen des Fremdlaborsalsbald nach Eingang bezahlt haben, sind Ihnen die üblichen Skontivon zwei Prozent eingeräumt worden. Bei einer späterenÜberweisung nach Vereinbarung mit dem Fremdlabor, von vielleichtzwei Monaten, würden Sie zwar die Skonti verlieren, Ihnenwürde aber auf dem Girokonto einLiquiditätsüberschuß von zwei Monatszahlungenentstehen. Das dadurch angesammelte Guthaben können Sie auch nachder Neuregelung für geplante Anschaffungen im Privatbereicheinsetzen, ohne steuerliche Nachteile beim Abzug der Zinsenbefürchten zu müssen.

Auch Leasing bringt einen Liquiditätsüberschuß

Eine weitere Finanzierungsalternative kann auchLeasing sein. Die Kosten muß das Finanzamt anerkennen, auch wenndie Anschaffung für das ersetzte Gerät oder Kfz vom Guthabendes Girokontos hätte bezahlt werden können. Die erspartenMittel können Sie für private Ausgaben verwenden.

Die Zinsen für das neue Darlehen zum Kauf desGerätes oder Kfz sind Betriebsausgaben, da es ausschließlichfür Praxisausgaben verwendet wird. Die möglichen Nachteiledes Leasings sollen nur kurz erwähnt werden:

  • Kaufpreis nicht verhandelbar.
  • Keine steuerlichen Sonderabschreibungen oder degressive AfA.

Wichtig ist auch hier, daß der Gesamtbestand aller Konten vor der Darlehensgutschrift keinen Minus-Bestand hat.

Quelle: Zahnärzte-Wirtschaftsdienst - Ausgabe 04/1999, Seite 7

Quelle: Ausgabe 04 / 1999 | Seite 7 | ID 108565