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·Fachbeitrag ·Statistik

Zahnärztliches Investitionsverhalten bei der Existenzgründung 2017

von Dipl.-Volksw. Katja Nies, Köln, praxisbewertung-praxisberatung.com

| In 2017 wagten in Deutschland immerhin 1.227 Zahnärzte den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Übernahme einer Einzelpraxis ist dabei weiterhin die häufigste Niederlassungsform. Die genauen Zahlen dazu hat das Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) ausgewertet und in der Studie „Investitionen bei der zahnärztlichen Existenzgründung 2017 (Investmonitor Zahnarztpraxis)“ veröffentlicht. Der Fokus des folgenden Beitrags liegt auf der Kostenanalyse der Übernahmen von (fach-)zahnärztlichen Praxen bzw. Praxisanteilen. |

 

Art und Kosten der Existenzgründung

Die Zahl der auswertbaren Finanzierungsfälle belief sich im Jahr 2017 auf 552 Existenzgründungen, wobei sich diese Fälle mit 7 : 1 auf die alten Bundesländer (ABL) und die neuen Bundesländer (NBL) aufteilen. Wie in den Vorjahren bleibt die Übernahme einer Einzelpraxis mit 66 Prozent die häufigste Form der Existenzgründung. Im Jahr 2017 gab es damit in Deutschland 34.605 Einzelpraxen und 7.392 Berufsausübungsgemeinschaften (BAG).

 

  • Tabelle 1: Art der Existenzgründung (in Prozent)
2013
2014
2015
2016
2017

Übernahme Einzelpraxis

68

60

65

63

66

Berufsausübungsgemeinschaft*

24

29

28

30

27

Neugründung Einzelpraxis

8

11

7

7

7

 

* Neugründungen, Übernahmen und Beitritt/Eintritt in eine bestehende BAG

 

Dazu gehören folgende Finanzierungsvolumina, um einen Übernahmepreis (Substanzwert und Goodwill), Praxisinvestitionen (Modernisierung/Umbau), medizinisch-technische Geräte, sonstige Investitionen sowie einen Betriebsmittelkredit zu bezahlen:

 

  • Tabelle 2: Gesamtfinanzierungsvolumen (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Übernahme Einzelpraxis

300

322

326

342

367

Neugründung Einzelpraxis

427

422

484

528

504

Neugründung BAG

353

312

330

339

412

Übernahme BAG

365

262

292

318

342

Beitritt/Einstieg BAG

272

281

310

238

263

 

Es fällt sofort ins Auge, dass die Neugründung einer Einzelpraxis, die in den letzten Jahren 7 Prozent aller Existenzgründungen ausmachte, mit durchschnittlich 504.000 Euro mit Abstand die teuerste Alternative darstellt. Die günstigste ist nach wie vor der Beitritt bzw. Einstieg in eine bestehende BAG. Der Unterschied zwischen den beiden Extremen beträgt 241.000 Euro. Wirft man einen Blick auf die Auswertung nach Altersgruppen, so sieht man, dass in der mittleren Altersgruppe (31 bis 40 Jahre) für die Neugründung einer Einzelpraxis durchschnittlich sogar 532.000 Euro ausgegeben wurden.

Zur Übernahme einer Einzelpraxis

Da die Übernahme einer Einzelpraxis die häufigste Art der Existenzgründung ist, gibt es hierfür auch nach ABL und NBL differenzierte Zahlen.

 

  • Tabelle 3: Übernahme einer Einzelpraxis – ABL (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Ideeller Wert (Goodwill)

110

115

132

125

136

Materieller Wert

49

56

50

46

62

Übernahmepreis

159

171

182

171

198

Modernisierung/Umbau

15

18

18

22

18

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

63

62

62

69

74

Sonstige Investitionen*

20

23

25

35

35

Praxisinvestitionen

257

274

287

297

325

Betriebsmittelkredit

52

60

55

60

60

Finanzierungsvolumen

309

334

342

357

385

 

* Unter „Sonstige Investitionen“ werden alle Zahlungen subsumiert, die nicht unter die anderen Bezeichnungen fallen, z. B. Installationskosten, Einmalzahlungen für geleaste Geräte, Kapitaleinlagen in Gemeinschaften, Kosten für ein Praxislabor.

 

Die Zahlen für „Betriebsmittelkredit“, „Sonstige Investitionen“ sowie „Modernisierung/Umbau“ haben sich in den Jahren 2013 bis 2017 nicht groß geändert. Das gesamte Finanzierungsvolumen stieg von 2016 auf 2017 um 7,8 Prozent. Die Übernahmepreise in den ABL stiegen von 2016 auf 2017 um 15,8 Prozent, wobei der Preis für den Goodwill um 8,8 Prozent und der Preis für den materiellen Wert um 32,6 Prozent anstieg. Setzt man den Wert für den Goodwill im Jahr 2016 von 125.000 Euro ins Verhältnis zum (unkorrigierten) Gewinn von 167.100 Euro, so erhält man für das Jahr 2016 eine Verhältniszahl von 74,8 Prozent für die ABL.

 

  • Tabelle 4: Übernahme einer Einzelpraxis – NBL (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Ideeller Wert (Goodwill)

71

71

79

70

87

Materieller Wert

24

31

32

33

27

Übernahmepreis

95

102

111

104

114

Modernisierung/Umbau

2

11

14

10

21

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

30

60

49

72

71

Sonstige Investitionen*

30

23

11

24

29

Praxisinvestitionen

157

196

185

210

235

Betriebsmittelkredit

43

45

40

44

46

Finanzierungsvolumen

200

241

225

254

281

 

Das gesamte Finanzierungsvolumen stieg in den NBL von 2016 auf 2017 um 10,6 Prozent, wobei die Übernahmepreise um 9,6 Prozent gestiegen sind. Das Verhältnis in 2016 von Goodwill (70.000 Euro) zum Gewinn von 130.600 Euro betrug 53,6 Prozent. Während die Gewinne in den NBL in 2016 78,2 Prozent des Gewinnes in den ABL betrugen, betrug der Goodwill in den NBL nur 56 Prozent des Goodwills in den ABL. Hier wird deutlich, dass es in den NBL nicht nur absolut, sondern auch relativ gesehen günstiger ist, eine Praxis zu übernehmen.

Zur Übernahme eines Anteils an einer BAG

Im Vergleich zu den Kosten der Übernahme einer Einzelpraxis entwickelte sich das Finanzierungsvolumen eines BAG-Anteils folgendermaßen:

 

  • Tabelle 5: Übernahme eines BAG-Anteils (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Ideeller Wert (Goodwill)

146

103

116

123

135

Materieller Wert

81

42

41

39

41

Übernahmepreis

227

145

157

162

176

Modernisierung/Umbau

17

17

25

29

20

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

55

46

53

68

60

Sonstige Investitionen*

12

15

15

17

43

Praxisinvestitionen

311

223

250

276

299

Betriebsmittelkredit

54

39

42

42

43

Finanzierungsvolumen

365

262

292

318

342

 

Das gesamte Finanzierungsvolumen stieg von 2016 auf 2017 um 7,5 Prozent. Beim Vergleich der Werte für den Goodwill (für eine Einzelpraxisübernahme 128.000 Euro und für die Übernahme eines Anteils an einer BAG über 135.000 Euro) fällt auf, dass sich im Jahr 2017 die Werte für den Goodwill je Praxisinhaber bei der Einzelpraxisübernahme und der BAG-Übernahme nach wie vor kaum voneinander unterscheiden.

Finanzierungsvolumen bei fachzahnärztlichen Praxen

Im Jahr 2017 gab es bei den 50.634 Vertragszahnärzten 3.054 Zahnärzte, die ausschließlich an der kieferorthopädischen Versorgung teilnahmen. Das Finanzierungsvolumen für die Neugründung einer KFO-Praxis hat sich von 2013 bis 2017 wie folgt entwickelt:

 

  • Tabelle 6: Neugründung einer KFO-Praxis (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Modernisierung/Umbau

80

75

81

96

89

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

246

250

211

261

215

Sonstige Investitionen*

117

49

133

100

126

Praxisinvestitionen

443

374

425

457

430

Betriebsmittelkredit

79

66

59

60

68

Finanzierungsvolumen

522

440

484

517

498

 

Das Finanzierungsvolumen scheint sich hier in einer Größenordnung von 500.000 Euro zu bewegen und liegt damit im Schnitt wie bei der Neugründung einer zahnärztlichen Einzelpraxis. Bei der Übernahme eines Anteils oder dem Beitritt zu einer KFO-BAG sind die Werte für den Goodwill höher: Über die Jahre fallen sie durchschnittlich doppelt so hoch aus wie bei der Übernahme eines Anteils an einer zahnärztlichen BAG. Dies liegt u. a. an den deutlich besseren Ertragsaussichten von kieferorthopädischen Praxen.

 

  • Tabelle 7: Übernahme/Beitritt/Einstieg KFO-Praxis (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Ideeller Wert (Goodwill)

134

227

227

182

266

Materieller Wert

60

86

68

71

85

Übernahmepreis

194

313

295

253

351

Modernisierung/Umbau

15

8

4

31

11

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

42

40

13

50

77

Sonstige Investitionen*

18

11

27

43

46

Praxisinvestitionen

269

372

339

377

485

Betriebsmittelkredit

52

62

64

45

48

Finanzierungsvolumen

321

434

403

422

533

 

Noch teurer stellen sich die Neugründung und Übernahme einer oralchirurgischen bzw. MKG-Praxis dar:

 

  • Tabelle 8: Neugründung einer oralchirurg./MKG-Praxis (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Modernisierung/Umbau

90

92

141

122

143

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

317

373

272

329

384

Sonstige Investitionen*

93

65

71

106

69

Praxisinvestitionen

500

530

484

557

596

Betriebsmittelkredit

77

91

58

83

64

Finanzierungsvolumen

577

621

542

640

660

 

 

  • Tabelle 9: Übernahme/Beitritt/Einstieg oralchirurg./MKG-Praxis (in Tausend Euro)
2013
2014
2015
2016
2017

Ideeller Wert (Goodwill)

230

225

299

374

339

Materieller Wert

93

95

96

48

40

Übernahmepreis

323

320

395

422

479

Modernisierung/Umbau

16

7

19

28

12

Med.-techn. Geräte und Einrichtung

26

24

38

41

39

Sonstige Investitionen*

25

42

47

15

70

Praxisinvestitionen

390

393

499

506

600

Betriebsmittelkredit

42

39

57

40

49

Finanzierungsvolumen

432

432

556

546

649

 

 

Auch hier gilt, dass die Übernahme einer Praxis günstiger als eine Neugründung zu realisieren ist. Dafür hat man in den meisten Fällen in den Folgejahren mehr Ersatzinvestitionen zu tätigen und kann anfangs weniger seine persönlichen Wünsche verwirklichen.

 

Wichtig | Auch wenn es „nur“ Trendaussagen sind, so kann doch festgehalten werden, dass die Niederlassung als Oral-/MKG-Chirurg die teuerste der hier aufgeführten Existenzgründungen darstellt und die längste Ausbildungszeit erfordert. Laut Statistischem Bundesamt betrug der Reinertrag je Praxisinhaber für Chirurgie, MKG-Chirurgie und Neurochirurgie im Jahr 2015 durchschnittlich 209.000 Euro.

Weitere Informationen aus der IDZ-Studie

Über die Informationen zu „Praxisübernahmen“ hinaus enthält die aktuelle IDZ-Studie Details

  • zur Altersstruktur der Praxisgründer (durchschnittlich 35,5 Jahre alt),
  • zum Geschlecht der Praxisgründer (53 Prozent männlich und 47 Prozent weiblich) und
  • zur räumlichen Ansiedlung der Gründungen bzw. Übernahmen (dabei werden im Süden und im Westen Deutschlands die höchsten Übernahmepreise für Einzelpraxen mit durchschnittlich 205.000 bzw. 201.000 Euro bezahlt).

 

Außerdem macht sich das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) vom 01.01.2007 inzwischen an zwei Fronten bemerkbar:

 

  • Dadurch, dass die jungen Zahnärzte nach ihrer Assistenzzeit zuerst noch als angestellte Zahnärzte Erfahrungen sammeln können, hat sich das durchschnittliche Alter der Existenzgründer im Vergleich zu früher etwas nach hinten verschoben (dabei war die Übernahme einer Einzelpraxis in allen Altersgruppen die am weitesten verbreitete Niederlassungsform).

 

  • Hinter dem Begriff „Einzelpraxis“ kann sich wirklich die Zahnarztpraxis mit nur einem Zahnarzt verbergen. Es können aber auch ein Vertragszahnarzt und weitere angestellte Zahnärzte sein. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen den verschiedenen Möglichkeiten einer kooperativen Berufsausübung.

 

Weiterführende Hinweise

  • Die Studie „Investitionen bei der zahnärztlichen Existenzgründung 2017 (Investmonitor Zahnarztpraxis)“ kann über die Internetseite des IDZ kostenlos heruntergeladen werden (www.idz.institute).
  • Für weitergehende und vertiefende Informationen Buch: „Die zahnärztliche Niederlassung. Stand der Forschung zur Praxisgründung“ von Dr. David Klingenberger (IDZ; Materialienreihe Band 36, Deutscher Zahnärzteverlag, Köln 2018)
  • Zur Entwicklung der Umsätze, Kosten und Gewinne der deutschen Zahnarztpraxen Beitrag „KZBV-Jahrbuch 2018: Die Statistik spiegelt „Investoren im Zahnarztmarkt“ noch nicht wider“ in ZP 3/2019, Seite 9
  • Zum Jahresvergleich Beitrag „Zahnärztliches Investitionsverhalten bei der Existenzgründung 2016“ in ZP 12/2017, Seite 8
Quelle: Ausgabe 05 / 2019 | Seite 11 | ID 45703533