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Erfahrungsbericht

Neue Wege gehen: Die Profilierung als „Mundgeruchspraxis“

von Zahnarzt Dr. Stefan Koch, Sonneberg

Halitose – ein unter Ärzten undZahnärzten fast unbekanntes Wort – bedeutet nichts anderesals Mundgeruch. Halitose – im mehr oder weniger starken Stadium– betrifft in Europa mittlerweile jeden Dritten! Obwohl dieBetroffenen sozial und psychisch stark unter „ihremProblem“ leiden, werden in Deutschland – im Gegensatz zuden USA – von Ärzten und Zahnärzten nur seltenadäquate Therapien angeboten. Halitose-Therapie ist daher etwasfür Kollegen, die für ihre Praxisprofilierung auch einmalNeuland betreten wollen.

Ursachen von Mundgeruch

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung liegtdie Hauptursache für Halitose nicht im Magen-Darm-Bereich, sondernmit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit in der Mundhöhle. Halitoseentsteht vor allem im oralen Bereich, weil anaerobe Bakterien(Porphyromonas gingivalis, Prevotella intermedia und Fusobacteriumnucleatum) übel riechende, flüchtige Schwefelverbindungen inanaeroben Bereichen – vorwiegend zwischen den Zungenpapillen– bilden. In diesen Bereichen können sich die Bakterienungehemmt vermehren und Nahrungsrückstände sowieEpithelablagerungen zersetzen. Daher liegt es eigentlich nahe, dass derkompetente Partner für Halitose-Patienten nur der spezialisierteZahnarzt sein kann.

Diagnose/Therapiekonzept

In unserer Praxis betreiben wir bereits seit demJahr 2000 erfolgreich die Diagnose und Therapie von Mundgeruch. DerAufbau einer „Mundgeruchspraxis“ gestaltet sich insofernschwierig, als es nur wenig Literatur und kaumWeiterbildungsmöglichkeiten gibt. Einzig die Akademie fürzahnärztliche Fortbildung in Karlsruhe bietet einen Halitose-Kursan (www.za-karlsruhe.de; Tel. 0721/9181-200). AlternativeMöglichkeiten bieten sich in Schweden am „KarolinischenInstitut“ (www.ki.se) und in den Niederlanden an derFakultät der Zahnheilkunde an der Universität Amsterdam(www.acta.nl).

Im Vordergrund der Halitose-Diagnostik steht dasanamnestische Gespräch. Der Patient erhält dazu zuvor einenspeziellen Anamnesebogen zum Ausfüllen (Beginn des Mundgeruchs;Tag-Nacht-Rhythmus; wer hat es zuerst bemerkt; zurMundgeruchsbehandlung bereits getätigte Besuche beim Zahnarzt,beim Internisten oder beim HNO-Arzt; Mundhygiene; bereits vorhandeneErkrankungen im HNO-Bereich; Erkrankungen der Atemwege und desVerdauungssystems; Leber und Nierenerkrankungen; Essgewohnheiten;Alkohol; Rauchgewohnheiten, Arzneimittelgebrauch etc.).

Die Untersuchung umfasst zunächst eineGeruchsanalyse des Atems. Diese erfolgt organoleptisch und danachmittels eines speziellen Geräts, dem Halimeter (Firma Interscan,USA). In wenigen Sekunden kann die Konzentration der flüchtigenSchwefelverbindungen in der Atemluft des Patienten bestimmt werden.Dieses Gerät kann allerdings keine anderen Geruchsmolekülewahrnehmen. Die Messungen erfolgen im Ruhezustand und nach Anhalten derLuft unmittelbar nach der Mundöffnung. Zum Ausschluss pulmonalerund nasaler Genese erfolgen zudem noch Messungen der Ausatemluft derNase. Zusätzlich wird ein Abstrich des Zungenrückensentnommen. Das organoleptische Ergebnis wird in vier Grade eingeteilt:0 = kein Geruch; 0 bis 1 = kaum Geruch, 1 bis 2 = mäßigschlechter Geruch, 2 bis 3 = starke Halitose.

Anschließend erfolgt eine sorgfältigeInspektion von Nase, Rachenraum, Mundhöhle, Zunge und Parodontiummit Dokumentation von Besonderheiten wie parodontische Taschen,Zungengeographie, Belagsstärke etc. Im weiteren Behandlungsverlaufwird eine professionelle Zungenreinigung mit einemUltraschallzungenreiniger und gegebenenfalls eine Reinigung derInterdentalräume durchgeführt. Das Ergebnis derZungenreinigung wird vor und nachher mittels einer Intraoralkamerafotografisch dokumentiert. Dies ist besonders für diePatientenmotivation sehr wichtig.

Je nach Schweregrad bekommen die Patienten dannaus unserem Praxis-shop Zungenreiniger, spezielle Mundspülungenund Sprays für die häusliche Pflege mit und stellen sich nachetwa zwei Monaten wieder zur Erfolgskontrolle in der Praxis vor. Inseltenen Fällen erfolgt die initiale Gabe von Antibiotika.

Liquidation, Kosten und Marketingmaßnahmen

Die Liquidation erfolgt ausschließlich alsPrivatliquidation – bei Privatpatienten unter teilweiserHeranziehung von Analogpositionen. Für die gesamte Behandlungmüssen etwa 1 bis 1 ½ Stunden kalkuliert werden. DasGesamthonorar pro Behandlung beträgt etwa 200 Euro.

Die anfänglichen Investitionskosten fürdie Praxis liegen bei etwa 5.000 Euro (für den Halimeter, eineIntraoralkamera, eventuell einen Brutschrank etc.). Es ist also einbestimmtes Klientel nötig, um wirtschaftlich arbeiten zukönnen. Ein Weg zur Patientengenerierung ist die Aufnahme derFrage: „Leiden Sie unter Mundgeruch?“ in den allgemeinenPraxisanamnesebogen und die Unterrichtung der Kollegen und Ärztevon der Spezialisierung. Der Erfolg stellte sich bei uns nachzögerlichen Anfängen dann aber auch nicht zuletzt durch dieMundpropaganda ein. Zur ersten Kontaktaufnahme ist auch das Internetsehr hilfreich. Eine entsprechende Gestaltung der Praxishomepage(www.bnv-son.de/zahnarzt.dr.koch) sowie die Auffindbarkeit überSuchmaschinen bei Eingabe des Stichwortes „Mundgeruch“ istdaher ebenfalls äußerst erfolgswirksam.

Fazit

Für Zahnärzte, die keine Scheu vor derBehandlung von Mundgeruch haben, ist die Halitose-Therapie eininteressantes Betätigungsfeld. Mundgeruchs- Patienten kann durchdie Halitose-Therapie in der Zahnarztpraxis zumeist in hohem Maßegeholfen werden. Das Ergebnis sind zufriedene Patienten und somit auchein zufriedener Behandler.

Quelle: Zahnärzte-Wirtschaftsdienst - Ausgabe 12/2003, Seite 18

Quelle: Ausgabe 12 / 2003 | Seite 18 | ID 109176