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Die Zahlen der KZBV

Einkommenschwund bei den Zahnärzten

von Rechtsanwalt/Steuerberater Felix Martin, Kanzlei Fuchs + Martin, Volkach

Die Einkommen der Zahnärzte sind im Vergleichzu anderen Facharztgruppen gewaltig abgerutscht. Dies belegen dieZahlen der KZBV zur vertragszahnärztlichen Versorgung, die sie inihrem aktuellen Jahrbuch vorgelegt hat. Während sich dieZahnärzte 1980 noch im obersten Bereich der Facharzteinkommenbewegten, näherten sie sich bereits 1987 dem Durchschnitt allerFachärzte und finden sich im Jahr 1996 im unteren Drittel derFachärzte nur noch knapp über dem Durchschnitt allerÄrzte wieder.

Zur aktuellen Situation

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Punktwert inden alten Ländern um 0,2 - 0,3 Prozent erhöht. In den neuenBundesländern stiegen die Punktwerte um durchschnittlich 1Prozent. Berücksichtigt man die Inflationsrate von 1,8 Prozent inden alten Bundesländern und 2,1 Prozent in den neuenBundesländern, so sind die Kassenhonorare in Gesamtdeutschlandreal gesunken. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen fürZahnärzte sind sowohl in absoluten Zahlen als auch im Vergleich zuden sonstigen Leistungen der Kassen leicht steigend:

Der Ost-West-Vergleich

Die Entwicklungen je Praxisinhaber laufen zwischenalten und neuen Bundesländern weiterhin unterschiedlich: In denalten Bundesländern ist es den Praxisinhabern gelungen, dendurchschnittlichen Umsatz um 2,5 Prozent auf 746.852 DM zu steigern.Gleichzeitig stiegen die Betriebsausgaben um 2,8 Prozent auf 544.053 DMund der Praxisgewinn  (Einnahmen ./. Ausgaben) von 199.090 DM auf202.799  DM (+ 1,9 Prozent). Diese Gewinnsteigerung entsprichtnahezu der Inflationsrate. Die Kaufkraft, bezogen auf den Praxisgewinn,blieb damit unverändert. Interessant ist die Steigerung des„Median“ des Gewinns.  Der „Median“ istdie Zahl, die von 50 Prozent der Praxisinhaber unterschritten wird undvon 50 Prozent der Praxisinhaber überschritten wird. Hier ergibtsich ein Zuwachs von 3,2 Prozent auf 178.100 DM. DerEinnahmenüberschuß der gewinnschwächeren Praxen istalso stärker als bei den Spitzenverdienern angewachsen.

In den neuen Bundesländern ist der Umsatz mit3,6 Prozent wiederum stärker als in den alten Bundesländernauf 550.101 DM gestiegen. Gleichzeitig fiel die Ausgabensteigerungmoderater als in den alten Bundesländern aus. Durchschnittlichstiegen diese nur um 1,8 Prozent auf 373.396 DM. Der steuerlicheEinnahmenüberschuß je Praxisinhaber erhöhte sich damitim Mittel um 7,7 Prozent auf 176.705 DM. Einen noch stärkerenAnstieg erfuhr der Median mit 9,5 Prozent auf 160.860 DM. Er liegtdamit bei 90,3 Prozent des Medians der alten Bundesländer (Vorjahr85,1 Prozent).

Die Betriebsausgaben

Analysiert man die Zahlen im einzelnen jePraxisinhaber, ergibt sich folgendes Bild: Die Betriebsausgaben bezogenauf die Gesamteinnahmen liegen in den alten Bundesländern nahezukonstant bei 72,8 Prozent (Vorjahr: 72,7 Prozent). Auch die Aufteilungder einzelnen Betriebsausgabengruppen im Verhältnis zu denEinnahmen zeigt praktisch konstante Verhältnisse. EinzigeAusnahmeposition sind die Ausgaben für Arbeiten vonFremdlaboratorien. Diese stiegen von 26,1 Prozent auf 26,6 Prozent an.

In den neuen Bundesländern sind dieBetriebsausgaben bezogen auf die Einnahmen von 69,1 Prozent auf 67,9Prozent deutlich gesunken. Im übrigen zeigt sich aber einähnliches Bild wie in den alten Bundesländern. Die einzelnenAusgabengruppen bezogen auf die Einnahmen sind überwiegendkonstant. Einzig auffällig ist, daß die Abschreibungen von7,2 Prozent auf 5,9 Prozent rückläufig sind. Dies beruhtdarauf, daß sich die Abschreibungen aus derNeugründungsphase stärker verbrauchen als neues Volumen durchneue Praxisgründungen bzw. Nachinvestitionen. Die Ausgabenfür Arbeiten von Fremdlaboratorien sind – nicht ganz sodeutlich wie in den alten Bundesländern – von 25,8 Prozentauf 26,1 Prozent angestiegen.

Die Zahlen zu den Ausgaben für Fremdlaborespiegeln einen langfristigen Trend wieder. Das Zahlenmaterial der KZBVzeigt, daß sich der Anteil des zahnärztlichen Honorars anden Gesamtkosten für Zahnersatz von 54,4 Prozent im Jahre 1976 auf40,4 Prozent im Jahre 1997 verringert hat.

Die Arbeitszeiten und der durchschnittliche Gewinn

Die mitgeteilten Arbeitszeiten des Zahnarztes sindweiterhin überdurchschnittlich hoch. In den altenBundesländern arbeitete der Praxisinhaber 1997 durchschnittlich48,2 Stunden pro Woche mit 35,7 Stunden Behandlungszeit am Patienten.In den neuen Bundesländern arbeitete er durchschnittlich 48,7Stunden, davon 36,5 behandelnd. Setzt man diese Behandlungszeiten proWoche für 42 Arbeitswochen an, muß der Zahnarzt in den altenBundesländern 366 DM  (neue Bundesländer:  265 DM)pro Behandlungsstunde an Honorarumsatz erzielen, um dendurchschnittlichen Gewinn zu erreichen. Berücksichtigt man dieFremdlaborausgaben, erhöht sich der Gesamtumsatz auf 498 DM pro Behandlungsstunde (neue Bundesländer: 359 DM).

Erstaunlich ist auch, daß der in den altenBundesländern durchschnittlich erzielte Gewinn auf etwa demgleichen Niveau wie 1976 liegt. Durch die Inflation hat sich jedoch derGeldwert zwischenzeitlich um 45 Prozent verringert. Aus den unsvorliegenden Zahlen für das Jahr 1998 geht hervor, daß diemeisten Zahnarztpraxen einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmenmußten. Vorsichtig geschätzt ist dies mit 5 bis 20 Prozentzu beziffern. Teilweise beruhte dies auf Umsatzverlagerungen imZahnersatzbereich. Auch 1999 soll sich das Zahnärztebudget weiterverringern. Um in diesen stürmischen Zeiten gewappnet zu sein,empfehlen wir Ihnen, Ihre Praxiskosten und privaten Aufwendungen einergenauen Analyse zu unterziehen.

Kosten-Check im Praxisbereich

Gehen Sie die Kostengruppen Ihrerbetriebswirtschaftlichen Auswertung systematisch durch und vergleichenSie mit ihrem Steuerberater die Situation Ihrer Praxis mit denabgedruckten statistischen Zahlen der KZBV. Bedenken Sie, daßauch „Kleinvieh Mist macht”. Bei unserer täglichenArbeit müssen wir feststellen, daß die Aufwendungen fürPersonalausgaben der einzelnenPraxisinhaber stark differieren. Um Ihnen den Vergleich mit Ihrerbetriebswirtschaftlichen Auswertung oderEinnahmen-/Überschußrechnung zu erleichtern, haben wir Ihnendie auf der nächsten Seite abgedruckten Zahlen der KZBVüberarbeitet und liefern Ihnen zusätzlich die Prozentangabenbezogen auf die Gesamteinnahmen.

Nach den Ausgaben für die Fremdlaboreist traditionell der Bereich Personalausgaben am aufwendigsten.Prüfen Sie hier, ob Sie bei zurückgehenden Umsätzenwirklich noch alle Mitarbeiter in vollem Umfang unverändertbenötigen. Klären Sie, ob durch Reduzierung derWochenarbeitsstundenzahl bei entsprechend verringertem Gehalt auf dieaktuelle Situation reagiert werden kann. Notfalls durch Entlassen vonMitarbeitern.

Auch bei den Ausgaben für Materialfür Praxis und Labor müssen wir immer wieder erheblicheUnterschiede feststellen. Offensichtlich gibt es Praxen, bei denen ausdem Vollen geschöpft wird, während andere Praxen sparsam mitden Materialien umgehen.

Die Raumkosten steigenstetig. Ein Grund dafür sind die regelmäßig steigendenNebenkosten. Daneben sehen die meisten PraxismietverträgeMieterhöhungen vor, sei es durch die Verknüpfung mit demLebenshaltungskostenindex oder durch eine Staffelmiete. Mit einemHinweis auf die allgemein gesunkenen Mieten für Gewerbeimmobilienkann man versuchen, beim Vermieter eine Mietpreissenkung zu erreichen.

Bei den Finanzierungskostensollten Sie die jetzt günstigen Bedingungen nutzen und Darlehenlangfristig finanzieren. Achten Sie darauf, daß die Bank dieZinsen für Ihre Kontokorrentkonten ebenfalls auf das niedrigeMarktniveau anpaßt.

Maßnahmen im Privatbereich

Hier empfehlen wir Ihnen, Ihre Aufwendungen selbstaufzulisten und genauso wie im Praxisbereich auf Sinnhaftigkeit zuüberprüfen. Bedenken Sie dabei, daß bei einerdurchschnittlichen Praxis 10.000 DM weniger Privatausgaben bei einerSteuerlast von 50 Prozent einem Umsatz von rund 73.500 DM entspricht.Orientieren Sie sich mit Ihrem Lebenszuschnitt an Ihrem Einkommen undnicht an dem angeblichen Einkommen Dritter. Geben Sie sich ein festesmonatliches Budget und halten Sie sich daran. Da die neue Regierung dieAnwendung des „Zwei- Konten-Modells“ verhindernmöchte, sollten Sie Ihre Finanzierungsfragen sorgfältig inAbstimmung mit dem Steuerberater planen. Scheuen Sie sich nicht,rechtzeitig kompetente Berater hinzuzuziehen. Im Vorfeld könnenSie agieren, zögern Sie zu lange, beschränken Sie sich aufsReagieren. Letzteres kann Sie teuer zu stehen kommen.

Steuerliche Einnahmen-Überschußrechnung je Praxisinhaber für 1996 und 1997


Quelle: Zahnärzte-Wirtschaftsdienst - Ausgabe 03/1999, Seite 14

Quelle: Ausgabe 03 / 1999 | Seite 14 | ID 108558