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·Fachbeitrag ·Zweckbetrieb

Ausbildungsentschädigungen und Ablösen im Sport - Darauf sollten Vereine achten

von Ulrich Goetze, Steuerberater, Wunstorf

| In vielen Sportarten und in großen wie in kleinen Vereinen dreht sich bald wieder das „Spielerkarussell“. Dabei werden auch Ablösesummen oder Ausbildungsentschädigungen gezahlt, teilweise in beträchtlicher Höhe. In dem Zusammenhang stellen sich jede Menge Fragen: Wie sind die Zahlungen steuer- und gemeinnützigkeitsrechtlich einzuordnen? Wann werden sie beim abgebenden Club im Zweckbetrieb vereinnahmt bzw. wann müssen sie im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb versteuert werden? Hat der zahlende Verein den sofortigen Betriebsausgabenabzug? Wir geben die Antwort. |

Sportliche Veranstaltungen und Steuern

Da Ablösesummen oder Ausbildungsentschädigungen von der Finanzverwaltung als Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen im Sinne von § 67a AO angesehen werden, kommt es darauf an, dass der Verein die gemeinnützigkeitsrechtlichen Vorgaben erfüllt, damit das Geld einer sportlichen Veranstaltung zugeordnet werden kann.

 

Amateur- und Profisport werden getrennt behandelt

Im Gemeinnützigkeitsrecht nimmt der Sport eine Sonderstellung ein. Der Amateursport ist dem steuerbegünstigten Zweckbetrieb, der Profisport dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugeordnet.

 

Eine Übergangsklausel - als Option ausgestaltet - begünstigt die Mehrzahl der kleineren Vereine durch eine Einnahmengrenze von 35.000 Euro und erleichtert zugleich den Übergang vom steuerfreien Zweckbetrieb in den steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Die Bezahlung von Sportlern im Zweckbetrieb wird dadurch ermöglicht, dass nach § 58 Nr. 9 AO die Steuervergünstigung nicht dadurch ausgeschlossen wird, dass ein Sportverein neben dem unbezahlten auch den bezahlten Sport fördert. Im Einzelnen sind nachstehende Vorgaben zu beachten.

 

Sportliche Veranstaltungen als Zweckbetrieb

Sportliche Veranstaltungen eines Sportvereins sind ein Zweckbetrieb, wenn

  • die Einnahmen einschließlich Umsatzsteuer im Jahr insgesamt 35.000 Euro nicht übersteigen oder
  • die Einnahmen einschließlich Umsatzsteuer im Jahr 35.000 Euro zwar überschreiten, der Verein aber erklärt, dass an den Veranstaltungen kein „bezahlter Sportler“ im Sinne von § 67a AO teilnimmt. Der Verein bindet sich an dieses Verfahren für fünf Jahre.

 

Bei der Option gemäß Alternative 2 sind diejenigen Veranstaltungen steuerpflichtig, an denen bezahlte Sportler teilnehmen. Auf die Höhe der Einnahmen kommt es dabei nicht an.

 

Wer ist bezahlter Sportler im Sinne von § 67a AO?

Bei einem Sportler, der als Arbeitnehmer des Vereins einzuordnen ist, muss der Verein als Arbeitgeber die sozialversicherungs- und lohnsteuerrechtlichen Pflichten beachten. Andere Sportler, die keine Arbeitnehmer des Vereins sind, erzielen Einkünfte aus Gewerbebetrieb und müssen wie jeder Steuerpflichtige ihre Einnahmen dem Finanzamt gegenüber erklären und auf die Gewinne Einkommensteuer zahlen.

 

Nur für Zwecke der Gemeinnützigkeit wird von der Finanzverwaltung ein bezahlter Sportler nach § 67a AO typisierend erst dann angenommen, wenn er

  • als Mitglied des Vereins Vergütungen von mehr als 400 Euro im Monatsdurchschnitt erhält oder
  • als vereinsfremder Sportler an einer Sportveranstaltung des Vereins teilnimmt und dafür mehr als die nachgewiesenen Reisekosten erhält.

Ablösezahlungen oder Ausbildungsentschädigungen

Ist ein Sportler vertraglich an seinen Sportverein gebunden (zum Beispiel durch einen Lizenzspielervertrag), kann er den Verein vor dem Ende des Vertrags nur verlassen und sich einem neuen Verein anschließen, wenn der abgebende Verein einverstanden ist. Diese Einverständniserklärung lässt sich der abgebende Verein durch eine Ablösezahlung für die vorzeitige Vertragsbeendigung „abkaufen“.

 

Die Pflicht, Ausbildungsvergütungen zu zahlen, ist in den Statuten des jeweiligen Sportverbands geregelt. Beim Deutschen Fußballverband gilt folgende Bestimmung: Verpflichtet ein Bundesligaverein einen Sportler, der nicht älter als 23 Jahre ist, erhalten dessen frühere Vereine eine Ausbildungsentschädigung gemäß einer vorgegebenen Staffelung. Damit wird die erfolgreiche Nachwuchsarbeit der Vor-Vereine honoriert.

 

  • Beispiel

Der Bundesliga-Fußballspieler Mesut Özil ist 2010 von Werder Bremen zum spanischen Club Real Madrid gewechselt. Özil spielte von 2000 bis 2005 als Jugendlicher beim Fußballverein Rot-Weiss Essen. Von der Ablösesumme erhielt Rot-Weiss Essen einen Anteil von 270.000 Euro.

So werden Einnahmen aus Ablösezahlungen behandelt

Grundsätzlich beeinträchtigen erhaltene Ablösezahlungen die Gemeinnützigkeit eines steuerbegünstigten Sportvereins nicht. Die erhaltenen Beträge zählen nach Ansicht der Finanzverwaltung zu den Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen.

 

Etwas anderes gilt, wenn der Sportler in den letzten zwölf Monaten vor seiner Freigabe bezahlter Sportler im Sinne von § 67a AO war. Dann werden die Einnahmen dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb des abgebenden Vereins zugerechnet.

 

Wichtig | Die Finanzverwaltung lässt es offen, ob eine - durch die vereinnahmte Ablösesumme entstandene - Überschreitung der Einnahmengrenze von 35.000 Euro den Verein zur Ausübung der Option nach § 67a Abs. 3 AO zwingt, um eine Zuordnung zum steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zu vermeiden. Wendet man die Vorschrift systematisch an, ist das aber wohl zu bejahen.

 

  • Beispiel

Der FV Schweinfurt spielt in der Bezirksoberliga. Es setzt keine bezahlten Sportler ein. Die Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen lagen im Jahr 2011 bei 33.000 Euro. Der Verein betreibt eine gute Nachwuchsarbeit. Im Sommer 2011 sind deshalb zwei Spieler zu höherklassigen Clubs gewechselt. Die Ausbildungsentschädigung je Spieler betrug 2.000 Euro. Dadurch ist beim FV Schweinfurt die Einnahmengrenze von 35.000 Euro überschritten (33.000 + 2.000 + 2.000 = 37.000 Euro). Um die Einnahmen aus sportlichen Veranstaltungen auch im Jahr 2011 und in Zukunft dem steuerfreien Zweckbetrieb zuordnen zu können, muss der FV Schweinfurt mit der nachfolgenden Steuererklärung auf die Anwendung der Zweckbetriebsgrenze verzichten - wenn nicht schon geschehen. Die Zahlungen fallen dann in den Zweckbetrieb .

Aufwendungen für Ablösezahlungen und die Gemeinnützigkeit

Ein steuerbegünstigter Sportverein darf grundsätzlich Ablösen oder Ausbildungsentschädigungen zahlen, ohne dass dadurch die Gemeinnützigkeit beeinträchtigt wird. Ist der Sportler dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zuzurechnen, darf die Zahlung ausschließlich aus Mitteln dieses Bereichs geleistet werden. Verluste im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb sind nur unter engen Voraussetzungen vorübergehend zulässig und müssen durch eigene Erträge ausgeglichen werden.

 

Zahlungen für einen Sportler aus dem Zweckbetrieb sind nur dann unschädlich für die Gemeinnützigkeit des zahlenden Vereins, wenn lediglich pauschale Ausbildungskosten bis zur Höhe von 2.557 Euro für einen Sportler gezahlt werden. Leistet der Verein eine höhere Ausbildungsentschädigung, muss er nachweisen, dass die Ausbildungskosten des Spielers im Einzelfall entsprechend höher waren, um die Gemeinnützigkeit zu bewahren.

Aufwendungen für Ablösezahlungen und die Ertragsteuern

Im bezahlten Sport werden gezahlte Ablösesummen als immaterielles Wirtschaftsgut aktiviert und auf die Laufzeit des Arbeitsvertrags mit dem Sportler verteilt. Gleiches gilt für Provisionen an Spielervermittler. Das hat der BFH jüngst erst bestätigt und einem Verein eine Absage erteilt, der Transferzahlungen und Provisionen sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben geltend machen wollte (BFH, Urteil vom 14.12.2011, Az. I R 108/10; Abruf-Nr. 120376).

 

Zahlt ein Verein eine Ausbildungsentschädigung, kann er diese dagegen sofort als Betriebsausgaben absetzen. Das gleiche gilt laut BFH für Provisionen, die der Verein einem ablösefreien Spieler dafür zahlt, dass er zu ihm (und nicht zu einem anderen Verein) wechselt.

Quelle: Ausgabe 05 / 2012 | Seite 4 | ID 33346580