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10.06.2010 |Steuergestaltung

Vereinsreisen: So werden sie steuerlich behandelt

Reisen gehören zu den Veranstaltungen, die in Vereinen mit am häufigsten angeboten und durchgeführt werden. Steuerlich sind sie nicht unproblematisch. Das gilt für die Frage der Steuerbegünstigung als Zweckbetrieb ebenso wie für Zuschüsse des Vereins zu den Teilnahmekosten und nicht zuletzt für die umsatzsteuerliche Behandlung. Wir bringen Sie auf den Stand der Dinge. 

Reisen als gesellige Veranstaltungen

Haben die Reisen des Vereins keinen Bezug zu den Satzungszwecken, werden sie - soweit überhaupt Einnahmen erzielt werden - dem steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb zugeordnet. Das gilt für Reiseveranstaltungen zur Mittelerwirtschaftung genauso wie für „gesellige“ Reisen, die also Freizeitzwecken und der Mitgliederpflege dienen.  

 

Steuerlich gilt dann, dass die erzielten Überschüsse der Körperschaft- und Gewerbesteuer unterliegen, wenn - zusammen mit anderen Umsätzen - die Freigrenze von 35.000 Euro überschritten wird. 

 

Zuschüsse des Vereins

Wenn der Verein Reisen zu geselligen Zwecken für seine Mitglieder bezuschusst, indem er die Reisekosten ganz oder teilweise übernimmt, handelt es sich um unentgeltliche Zuwendungen.  

 

In gemeinnützigen Vereinen sind solche Leistungen nur im Rahmen der Annehmlichkeitengrenze des Lohnsteuerrechts zulässig - also in der Regel bis zu 40 Euro pro Person und Jahr. Höhere Zuwendungen gefährden die Gemeinnützigkeit.  

 

Anders ist es bei Reisen, die den Satzungszwecken dienen (siehe unten). Hier sind Zuschüsse des Vereins zu den Teilnahmegebühren oder Rabatte für Mitglieder ohne Schaden für die Gemeinnützigkeit. 

Reisen als Zweckbetrieb

Reisen als solche sind kein steuerbegünstigter Zweck. Im Zusammenhang mit anderen Satzungstätigkeiten können Reisen aber Zweckbetrieb sein. Voraussetzung ist, dass die Inhalte der Reise unmittelbar dem Satzungszweck dienen. Das gilt typischerweise für Vereine mit folgenden Satzungszwecken: 

 

  • Sport
  • Kinder- und Jugendhilfe
  • Religion (Pilgerreisen, Wallfahrten)
  • Bildung (Studienreisen)
  • Völkerverständigung und internationaler Austausch

Die Reise - und die entsprechenden Aufwendungen - müssen aber ganz überwiegend dem Vereinszweck dienen. Es muss nahezu ausgeschlossen sein, dass mit der Reise private Interessen (zum Beispiel Erholung, Allgemeinbildung) verfolgt werden. Kriterien sind der Anlass der Reise, das vorgesehene Programm und die tatsächliche Durchführung. 

 

Reisegestaltung und Zweckbetriebszuordnung

Damit Sie eine Reise dem Zweckbetrieb zuordnen können, sollten Sie die Bewerbung und Ankündigung der Reiseangebote entsprechend darstellen. Das gilt vor allem für Pressemitteilungen und den Internetauftritt. Bewahren Sie entsprechende Unterlagen auf, um später gegenüber dem Finanzamt nachweisen zu können, dass die Reise Satzungszwecken diente. 

 

Umfasst die Reise auch private, freizeitbezogene Programmpunkte, sollten diese nach Möglichkeit vom zweckbezogenen Programm getrennt gebucht und abgerechnet werden. 

 

Unser Tipp: Das gilt auch für die Aufwendungen, die dem Verein durch die Reise entstehen. Ein nennenswerter nicht zweckbezogener Teil der Reise muss nämlich - auch bei den Kosten - dem steuerpflichtigen Bereich zugeordnet werden. Wenn sich die Inhalte und der Ablauf nicht von einer allgemein touristisch geprägten Reise unterscheiden, sind die Kosten nicht im begünstigten Zweckbetrieb angefallen. Bei der Gestaltung des Reiseprogramms sollten Sie auf folgende Punkte achten: 

 

  • Inhalt der Reise: Die Reise muss auf die besonderen Vereinszwecke zugeschnitten sein. Sie muss einen unmittelbaren und konkreten Bezug zum Vereinszweck haben.

 

  • Teilnehmerkreis: In der Regel wird der Teilnehmerkreis relativ homogen sein und sich an den Vereinszwecken ausrichten (Kinder und Jugendliche, Sportler, etc.).

 

  • Reiseprogramm: Es muss relativ straff durchorganisiert sein und darf, von Pausen oder freien Wochenenden abgesehen, keine Zeit für private Erholungsinteressen lassen. Für die wesentlichen Teile des Programms muss eine Teilnahmepflicht bestehen.

Sportreisen

Sportreisen gelten grundsätzlich als sportliche Veranstaltungen im Sinne von § 67a Abgabenordnung (AO). Voraussetzung dafür ist nach Auffassung der Finanzverwaltung aber, dass die sportliche Betätigung wesentlicher und notwendiger Bestandteil der Reise ist (zum Beispiel Reise zum Wettkampfort oder Training).  

 

Reisen, bei denen die Erholung der Teilnehmer im Vordergrund steht (Touristikreisen), zählen dagegen nicht zu den sportlichen Veranstaltungen, selbst wenn anlässlich der Reise auch Sport getrieben wird (Anwendungserlass zur Abgabenordnung/AEAO, Nummer 4 zu § 67a). 

 

Ertragsteuerliche Behandlung

Nach § 67a AO werden sportliche Veranstaltungen als Zweckbetrieb behandelt, wenn die Einnahmen (bei Sportreisen also die Teilnehmergebühr) aus allen sportlichen Veranstaltungen zusammen nicht mehr als 35.000 Euro im Jahr betragen. Wird diese Einnahmengrenze überschritten, werden die Ergebnisse als wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb angesehen. Der Verein hat jedoch die Möglichkeit, ein Optionsrecht auszuüben, wonach die Zuordnung abhängig davon vorgenommen wird, ob bezahlte oder unbezahlte Sportler teilnehmen. 

 

Sportreisen ohne klare sportliche Ausrichtung sind nicht begünstigt. Die Gewinne sind im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb steuerpflichtig. Sofern im Rahmen dieser Reisen einzelne Kurse und Ähnliches gegen gesonderte Vergütung angeboten werden, ist die Herausrechnung dieses Teils als begünstigte sportliche Veranstaltung denkbar. 

 

Für die Zweckbetriebszuordnung ist eine straffe sportliche Ausrichtung des Reiseprogramms gefordert. Der Verein muss die entsprechenden Leistungen aber nicht alle selbst erbringen. So sind auch Sportreisen als sportliche Veranstaltung anerkannt, bei der nur Einnahmen für die Beförderung und/oder Unterkunft anfallen. Entscheidend ist, dass die Leistung Teil der sportlichen Veranstaltung ist und das Entgelt insgesamt die Teilnahme an der sportlichen Veranstaltung sichert (Bundesfinanzhof, [BFH], Urteil vom 25.7.1996, Az: V R 7/95). 

 

Umsatzsteuerliche Behandlung

Das gilt aber nicht für die umsatzsteuerliche Bewertung - das heißt für die Umsatzsteuerbefreiung nach § 4 Nummer 22b Umsatzsteuergesetz. Rechtsprechung und Finanzverwaltung stellen hier höhere Anforderungen als an die Zweckbetriebszuordnung. 

 

Eine sportliche Veranstaltung liegt danach umsatzsteuerlich nur dann vor, wenn aktiven Sportlern ermöglicht wird, Sport zu treiben. Darunter fallen Teilnahmegebühren für Wettkämpfe, Training, Sportkurse und Sportlehrgänge. Eintrittsgelder für Zuschauer sind dagegen nicht befreit. Sportliche Veranstaltungen müssen zudem ein gewisses Organisationsniveau haben. Eine sportliche Veranstaltung ist deswegen nach bisheriger Rechtsauffassung nicht gegeben, wenn sich die Leistungen ausschließlich auf den Transport zum Wettkampf- oder Trainingsort beschränkt haben. 

 

Beispiel

Ein Skisportverein organisiert lediglich den Transport der Teilnehmer zu einem Wintersportort und bietet daneben keine weitere Organisationsleistungen an. Die Reisekosten der Teilnehmer sind nicht umsatzsteuerbefreit.Anders sieht es aus, wenn der Verein vor Ort Training, Kurse oder auch Wettkämpfe organisiert. Dabei muss er aber nicht alle Leistungen selbst erbringen. Er kann zum Beispiel auf Kurse vor Ort zugreifen oder an Wettkämpfen anderer Veranstalter teilnehmen. 

Kinder- und Jugendreisen

Reisen mit Kinder- und Jugendgruppen lassen sich meist in einem breiten Rahmen dem Zweckbetrieb zuordnen. Zur Jugendhilfe gehört nämlich auch die Förderung der Freizeitgestaltung von Jugendlichen (BFH, Urteil vom 21.11.1974, Az: II R 107/68).  

 

Ertragsteuerliche Behandlung

Insbesondere bei minderjährigen Teilnehmern geht die Finanzverwaltung davon aus, dass mit der Jugendreise auch eine erzieherische Betreuung verbunden ist. Die Jugendreise kann deshalb als Zweckbetrieb nach § 65 AO behandelt werden. 

 

Bei Jugendreisen, an denen auch Jugendliche über 18 Jahren teilnehmen, ist im Einzelfall zu klären, ob ein Zweckbetrieb angenommen werden kann. Eine Wettbewerbsverletzung nach § 65 Nummer 3 AO ist gegeben, wenn die Reise lediglich der Erholung der Jugendlichen dient. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Jugendlichen den Urlaub frei gestalten können (Finanzministerium Rheinland-Pfalz, Schreiben vom 23.2.1981, Az: 1981-02-23 S 0171 A-444). 

 

Umsatzsteuerliche Behandlung

Jugendreisen im Rahmen eines Zweckbetriebs sind von der Umsatzsteuer befreit (§ 4 Nummer 25 UStG). Steuerpflichtig wären lediglich Reisen mit Teilnehmern über 27 Jahren.  

Bildungs- und Studienreisen

Bildungsreisen können grundsätzlich ein Zweckbetrieb sein. Erforderlich ist aber ein entsprechendes Programm in Form von Vorträgen, Diskussionen, etc. Zum Zweckbetrieb gehören auch die Beherbergung und Verpflegung der Teilnehmer (§ 68 Nummer 8 AO). 

 

Ertragsteuerliche Behandlung

Bildungsreisen sind aber dann als steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb zu behandeln, wenn die Reise nicht nur unwesentlich auch den touristischen Interessen der Teilnehmer dient. Bei den meisten „Bildungsreisen“ touristischer Veranstalter wird das der Fall sein. 

 

Wichtig: Stadtführungen als Einzelveranstaltung erfüllen in jedem Fall die Zweckbetriebsdefinition des § 68 Nummer 8 AO

 

Umsatzsteuerliche Behandlung

Für Bildungsreisen kommt eine Steuerbefreiungen nach § 4 Nummer 22 UStG in Frage. Die Leistungen sind steuerfrei, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: 

 

  • Träger der Weiterbildung ist ein in § 4 Nummer 22 Buchst. a UStG genannter Unternehmer, zum Beispiel eine Volkshochschule oder ein/e als gemeinnützig anerkannte/r Verein bzw. Stiftung.

 

  • Die Tagungsinhalte sind belehrender Art.

 

  • Die Teilnehmerbeiträge werden überwiegend dazu verwendet, die Kosten zu decken. Das gilt in jedem Fall, wenn die Reise „preisauffüllend“ durch öffentliche Zuschüsse mitfinanziert wird.

 

Die Steuerbefreiung beschränkt sich aber auf Bildungsveranstaltungen im engeren Sinn. Unter die Befreiungsregelung fallen nur 

  • die Erziehung von Kindern und Jugendlichen,
  • Schul- oder Hochschulunterricht,
  • Ausbildung, Fortbildung oder berufliche Umschulung.

 

Freizeit- und Hobbyveranstaltungen gehören nicht dazu (BFH, Urteil vom 27.4.2006, Az: V R 53/04). Auch hier sind also insbesondere Reisen mit Kindern und Jugendlichen befreit.  

Pilgerreisen

Die Zweckbetriebseigenschaft von Pilgerreisen und Wallfahrten wird von der Finanzverwaltung sehr kritisch beurteilt. Wenn die Reise nicht nur unwesentlich auch den touristischen Interessen der Teilnehmer dient, kann kein Zweckbetrieb angenommen werden. Eine Abgrenzung nur anhand des Reiseziels ist nicht sachgerecht. Es ist auch nicht zulässig, eine Reise in einen Zweckbetrieb (religiöser Teil) und einen steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb (touristischer Teil) aufzuteilen (Finanzverwaltung Berlin, Schreiben vom 29.12.1992, AZ: III C 11 - S 0170 - 4/91) 

 

Zuordnung zum Zweckbetrieb

Weil vergleichbare Reisen auch von gewerblichen Reiseveranstaltern (zum Beispiel Busunternehmen) angeboten werden, ist bei der Bewertung vor allem das Konkurrenzverbot des § 65 Nummer 3 AO von Belang. Pilgerreisen werden deswegen nur dann als Zweckbetrieb anerkannt, wenn der Verein den Nachweis führt, dass touristische Interessen ganz nachrangig sind (Oberfinanzdirektion Magdeburg, Schreiben vom 2.2.1994, Az: S 0170 - 9 - St 233). 

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2010 | Seite 8 | ID 136320