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·Fachbeitrag ·Lohnsteuer

Unbekannte Änderung in Lohnsteuer-Richtlinien 2011 birgt Haftungsrisiko für Arbeitgeber

| Stellt ein Arbeitgeber fest, dass er für einen Mitarbeiter wegen fehlerhafter Daten oder eines Softwarefehlers zu wenig Lohnsteuer einbehalten hat, muss er den Lohnsteuerabzug korrigieren. Die Lohnsteuer-Richtlinien 2011 haben dafür neue - vielfach unbekannte - Korrekturregeln mit sich gebracht. Arbeitgeber tun gut daran, diese zu verinnerlichen, um das gestiegene Lohnsteuerhaftungsrisiko zu minimieren. |

 

Die Neuerung in den Lohnsteuer-Richtlinien

Nach den Lohnsteuer-Richtlinien 2011 (LStR) ist ein Arbeitgeber zum Einbehalt der nachträglich abzuführenden Lohnsteuer selbst dann verpflichtet, wenn der auszuzahlende Barlohn niedriger ist als diese Lohnsteuer (Richtlinie 41c.1 Abs. 4 Satz 3 LStR 2011).

 

Nach alter Rechtslage war das noch anders. Überstieg die nachträglich zu entrichtende Lohnsteuer den Barlohn, musste der Arbeitgeber nichts einbehalten. Er musste beim Finanzamt lediglich anzeigen, dass er einen Fehler gemacht hat. Diese Anzeige fordern die neuen LStR wiederum nur für den ausstehenden Lohnsteuerbetrag, der den Barlohn übersteigt.

 

  • Beispiel

Für Arbeitnehmer Huber waren versehentlich 3.000 Euro zu wenig Lohnsteuer einbehalten worden. Weil er sein Arbeitsverhältnis beendet, bekommt Huber letztmals einen Barlohn von a) 2.500 Euro bzw. b) 3.100 Euro ausbezahlt. Bezüglich der nachträglich abzuführenden Lohnsteuer gilt Folgendes:

Rechtslage ab 2011

Rechtslage bis 2010

a) Barlohn 2.500 Euro

Einbehalt 2.500 Euro und Anzeige über die restlichen 500 Euro ans Finanzamt

Einbehalt 0 Euro und Anzeige über 3.000 Euro ans Finanzamt

b) Barlohn 3.100 Euro

Einbehalt 3.000 Euro, keine Anzeige ans Finanzamt notwendig

Einbehalt 3.000 Euro, keine Anzeige ans Finanzamt notwendig

 

Die nachträgliche Abführung von Lohnsteuer ist selbst dann zulässig, wenn hierdurch die Pfändungsfreigrenzen unterschritten werden. Kennt ein Arbeitgeber diese Neuregelung in den Lohnsteuerrichtlinien 2011 nicht und zeigt seinen Fehler dem Finanzamt lediglich an, kann ihn das Finanzamt für die nicht einbehaltene Lohnsteuer in Haftung nehmen, wenn der Eintreibungsversuch beim Arbeitnehmer erfolglos war.

Amtlichen Vordruck für Anzeige beim Finanzamt verwenden

Die Anzeige über den nicht durchgeführten Lohnsteuerabzug ist nach amtlichem Vordruck zu erstellen. Dieser Vordruck kann beim Finanzamt bei der zuständigen Arbeitgeberstelle angefordert werden.

Quelle: Ausgabe 08 / 2011 | Seite 16 | ID 28235220