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01.12.2005 | Wahlrecht nutzen

Neue Regeln bei der Einsatzwechseltätigkeit

Die Regelungen zur Entfernungspauschale und zur doppelten Haushaltsführung sind nur bei einer regelmäßigen Arbeitsstätte anzuwenden. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in mehreren Urteilen entschieden. Sehen Sie dazu unseren Beitrag in der Oktober Ausgabe 2005, Seite 15. Das Bundesfinanzministerium hat die Finanzämter jetzt ange-wiesen, diese Rechtsprechung in allen offenen Fällen anzuwenden (Schreiben vom 26.10.2005, Az: IV C 5 - S 2353 - 211/05; Abruf-Nr. 053165).

Unser Tipp: Bis einschließlich des Jahres 2005 können Sie zwischen den neuen Regelungen und den bisher geltenden Anweisungen wählen. Ab dem Jahr 2006 gilt dann nur noch das BMF-Schreiben. Im folgenden Beitrag zeigen wir, wie Sie Ihr Wahlrecht optimal nutzen.

Einsatzwechseltätigkeit mit täglichen Fahrten nach Hause

Kehren Sie von Ihrer auswärtigen Einsatzstelle täglich zu Ihrer Wohnung zurück, gelten folgende Grundsätze:

  • Beträgt die Entfernung zwischen Wohnung und Einsatzstelle maximal 30 km, können Sie die Fahrten (nur) mit der Entfernungspauschale (0,30 Euro je Entfernungskilometer) ansetzen. Denn laut BMF-Schreiben ist R 38 Absatz 3 Lohnsteuer-Richtlinien (LStR) weiter anzuwenden.
  • Beträgt die Entfernung mehr als 30 km, können Sie die tatsächlichen Kosten ansetzen. Das heißt: Fahren Sie mit dem eigenen Pkw, können Sie die Dienstreisepauschale (0,30 Euro je gefahrenen Kilometer) oder den tatsächlichen Kilometersatz ansetzen. Bisher konnten Sie nur für die ersten drei Monate an derselben Einsatzstelle die Dienstreisepauschale ansetzen, danach nur noch die Entfernungspauschale.
  • Die Pauschalen für den Verpflegungsmehraufwand können Sie bis 2005 zeitlich unbegrenzt ansetzen. Ab dem Jahr 2006 ist der Abzug auf die ersten drei Monate an derselben Einsatzstelle begrenzt.
    Beispiel 1

    Herr Müller ist als Trockenbauer beschäftigt. Er fährt im Jahr 2005 an 220 Arbeitstagen mit seinem Pkw zu seiner 50 km entfernten Einsatzstelle. Die Abwesenheit von der Wohnung beträgt immer mehr als acht Stunden.

    Berechnung nach der bisherigen Regelung:
    Fahrtkosten: 55 Tage x 100 km x 0,30 Euro1.650 Euro
    165 Tage x 50 km x 0,30 Euro2.475 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand: 220 Tage x 6 Euro1.320 Euro
    = Werbungskosten5.445 Euro

    Berechnung nach der neuen Regelung:
    Fahrtkosten: 220 Tage x 100 km x 0,30 Euro6.600 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand: 220 Tage x 6 Euro1.320 Euro
    = Werbungskosten7.920 Euro

    Die Neuregelung ist für Herrn Müller um 2.475 Euro günstiger. Soweit möglich, sollte er die Neuregelung auch noch für die Vorjahre geltend machen.

    Beachten Sie: Die auf den ersten Blick vorteilhafte Entscheidung des BFH kann auch ins Gegenteil umschlagen. Denn die Dienstreisepauschale können Sie nur ansetzen, wenn Sie tatsächlich Aufwendungen haben. Bei Sammelbeförderung oder Fahrgemeinschaften können daher die bisherigen Regelungen günstiger sein.

    Beispiel 2

    Sachverhalt wie im Beispiel 1. Herr Müller fährt jedoch mit zwei Kollegen im Rahmen einer wechselseitigen Fahrgemeinschaft zur Baustelle.

    Berechnung nach der bisherigen Regelung:
    Fahrtkosten: 18 x 55 Tage x 100 km x 0,30 Euro540 Euro
    165 Tage x 50 km x 0,30 Euro2.475 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand: 220 Tage x 6 Euro1.320 Euro
    = Werbungskosten4.335 Euro

    Berechnung nach der neuen Regelung:
    Fahrtkosten: 18 x 220 Tage x 100 km x 0,30 Euro2.190 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand: 220 Tage x 6 Euro1.320 Euro
    = Werbungskosten3.510 Euro

    Die Neuregelung kostet Herrn Müller 825 Euro (4.335 Euro ./. 3.510 Euro). Er sollte seine Werbungskosten für 2005 deshalb nach den bisherigen Regeln ansetzen.

    Einsatzwechseltätigkeit mit Übernachtung am Einsatzort

    Beziehen Sie an Ihrer vorübergehenden Einsatzstelle eine Unterkunft, wird dadurch keine doppelte Haushaltsführung begründet. Das heißt: Die mit der Auswärtstätigkeit verbundenen nachgewiesenen Fahrt- und Übernachtungskosten können Sie in voller Höhe als Werbungskosten geltend machen, den Verpflegungsmehraufwand in Höhe der gesetzlichen Pauschbeträge.

    Der volle Abzug der Fahrtkosten gilt sowohl für die Fahrten zwischen der Wohnung am Heimatort und der Tätigkeitsstätte als auch für Fahrten zwischen der auswärtigen Unterkunft und der Tätigkeitsstätte. Die 30 km Grenze ist nicht zu beachten. Beim Verpflegungsmehraufwand ist die Dauer der Abwesenheit von der Heimatwohnung entscheidend.

    Beispiel

    Herr Klatt ist das gesamte Jahr 2005 an einer 100 km entfernten Baustelle tätig. Er hat sich dort ein Zimmer für monatlich 150 Euro gemietet. Zweimal in der Woche fährt er zu seiner Familie.

    Berechnung nach der bisherigen Regelung

    Bisher hatte Herr Klatt ein Wahlrecht zwischen dem Ansatz einer doppelten Haushaltsführung oder dem Ansatz der tatsächlichen Fahrtkosten und dem Verpflegungsmehraufwand im Rahmen einer Einsatzwechseltätigkeit.

    Doppelte Haushaltsführung
    Fahrtkosten (eine Heimfahrt pro Woche): 
    48 x 100 km x 0,30 Euro1.440 Euro
    + Kosten der Unterkunft: 12 x 150 Euro1.800 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand (für die ersten drei Monate): 
    36 Tage x 24 Euro = 864 Euro 
    24 Tage x 12 Euro = 288 Euro1.152 Euro
    Werbungskosten4.392 Euro
    Einsatzwechseltätigkeit
    Fahrtkosten: 24 Tage x 200 Kilometer x 0,30 Euro1.440 Euro
    72 Tage x 100 Kilometer x 0,30 Euro2.160 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand: 220 Tage x 6 Euro1.320 Euro
    Werbungskosten4.920 Euro
    Berechnung nach der neuen Regelung
    Fahrtkosten: 96 Tage x 200 km x 0,30 Euro5.760 Euro
    + Kosten für Unterkunft: 12 x 150 Euro1.800 Euro
    + Verpflegungsmehraufwand: 
    124 Tage x 24 Euro= 2.976 Euro 
    96 Tage x 6 Euro = 576 Euro3.552 Euro
    Werbungskosten11.112 Euro

    Die Neuregelung ist für Herrn Klatt wesentlich günstiger. Soweit möglich, sollte er die Neuregelung auch noch für die Vorjahre geltend machen.

    Beachten Sie: Ab dem Jahr 2006 ist der Abzug des Verpflegungsmehraufwands auf die ersten drei Monate an derselben Einsatzstelle begrenzt.

    Erstattungen des Arbeitgebers

    Erstattungen des Arbeitgebers mindern natürlich Ihren Werbungskostenabzug. Insbesondere Arbeitnehmer in der Bauwirtschaft haben in der Regel tarifvertraglich Anspruch auf so genannte Auslösen.

    Quelle: Ausgabe 12 / 2005 | Seite 12 | ID 96435