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17.12.2010 |BMF sorgt für Klarheit

Geringwertige Wirtschaftsgüter: So nutzen Sie das Wahlrecht optimal

Ab 2010 besteht bei geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) ein Wahlrecht zwischen der alten Sofortabschreibung (410-Euro-Grenze) und der Einstellung in einen Sammelposten. Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat jetzt die Fragen geklärt, die bislang offen waren. Wir stellen Ihnen das BMF-Schreiben vor und zeigen Ihnen, wie Sie das Wahlrecht optimal nutzen. 

Wirtschaftsgut muss drei Voraussetzungen erfüllen

Die Sofortabschreibung bzw. der Sammelposten kommt in Frage für 

  • abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens,
  • die selbstständig nutzbar sind und
  • deren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bestimmte Höchstgrenzen nicht überschreiten.

 

Praxishinweis

Sind Sie nicht sicher, ob das Wirtschaftsgut als selbstständig nutzbar gilt, lohnt ein Blick in die Einkommensteuer-Richtlinien. Unter H 6.13 finden Sie ein ABC der selbstständig und nicht selbstständig nutzbaren Wirtschaftsgüter; nachfolgend einige Beispiele: 

 

Nicht selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter:  

  • Peripheriegeräte einer PC-Anlage wie Drucker nur mit Druckfunktion, Scanner, Tastatur; nicht jedoch sogenannte Kombinationsgeräte und externe Datenspeicher
  • EDV-Kabel nebst Zubehör zur Vernetzung einer EDV-Anlage, Kabelschächte und Steckdosen, die der Verbindung von Peripheriegeräten und Zentraleinheit dienen
  • Regalteile
  • Elektromotoren oder Werkzeugteile an Maschinen

 

Selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter (vgl. H 6.13 EStH): 

  • Bibliothek eines Rechtsanwalts
  • Einrichtungsgegenstände
  • Instrumentarium eines Arztes, auch als Grundausstattung
  • Schreibtischkombinationsteile (Rollcontainer, Computerbeistelltisch).

 

Wichtig: Bei den Höchstgrenzen (150 Euro, 410 Euro und 1.000 Euro) hinsichtlich der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten (AK/HK) sind die Nettowerte zu berücksichtigen. Dies gilt auch, wenn der Steuerzahler kein Recht zum Vorsteuerabzug hat (zum Beispiel Versicherungsvermittler). Zahlungsabzüge (Rabatte, Skonti etc.) mindern die Anschaffungskosten (BMF, Schreiben vom 30.9.2010, Az: IV C 6 - S 2180/09/10001, Abruf-Nr. 103399). 

Diese Wahlmöglichkeiten bestehen?

Bei Aufwendungen bis zu 1.000 Euro haben Sie ein Wahlrecht:  

 

  • Sie können diese Wirtschaftsgüter unter Berücksichtigung der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer gewinnmindernd abschreiben. Diese Variante (wie sonst bei Wirtschaftsgütern über 1.000 Euro üblich) kann sich empfehlen, wenn aus steuerlichen oder anderen Gründen eine zu hohe Gewinnminderung nicht gewünscht ist. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn sich zusätzliche Minderungen in dem entsprechenden Jahr steuerlich nicht mehr auswirken würden.

 

  • Aufwendungen bis 150 Euro können im maßgebenden Jahr in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden. Wenn Sie diese Möglichkeit nutzen, müssen Sie den Zugang des Wirtschaftsguts lediglich buchmäßig erfassen; ansonsten bestehen keine weiteren Aufzeichnungspflichten.

 

  • Abweichend von den vorgenannten Ausführungen können Aufwendungen von mehr als 150 Euro und nicht mehr als 410 Euro (GWG) im maßgebenden Wirtschaftsjahr in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden.

 

Die folgende Übersicht stellt die Wahlrechte noch einmal grafisch dar. 

 

 

 

 

Wichtig: Die Wahlrechte gelten nur im Rahmen der Gewinneinkünfte (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständige Arbeit) und damit gleichfalls für Bilanzierende wie für Einnahmenüberschussrechner. Im Rahmen der Überschusseinkünfte (Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit, Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen) bleibt es dabei, dass GWG bis 410 Euro AK netto sofort als Werbungskosten abgezogen werden können. Ein Wahlrecht zum Sammelposten besteht nicht. 

 

Praxishinweis

Es kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, dass die eine oder die andere Methode stets steuerlich günstiger ist. Auf den ersten Blick scheint die 410-Euro-Regelung optimal und am praktikabelsten zu sein. Wird jedoch in einem Jahr in viele langlebige Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten zwischen 410 Euro und 1.000 Euro investiert (zum Beispiel Erneuerung der Büroausstattung wie Schreibtische, Stühle usw.), ist der Sammelposten sinnvoll. Diese Gegenstände können dann statt regulär zum Beispiel über 13 Jahre über nur fünf Jahre abgeschrieben werden.  

 

GWG mit AK/HK bis 150 Euro können sofort als Betriebsausgaben verbucht werden. GWG mit AK/HK von 150,01 Euro bis 1.000 Euro sollten unterjährig zunächst auf separaten Konten erfasst werden (Konto 1: GWG von 150,01 Euro bis 410 Euro, Konto 2: GWG von 410,01 Euro bis 1.000 Euro), sodass nach Abschluss des Jahres im Rahmen der steuerlichen Gewinnermittlung über die Wahlrechtsausübung entschieden werden kann. 

 

Aufzeichnungspflichten

Werden GWG bis 150 Euro sofort gewinnmindernd abgezogen, sind bis auf die buchmäßige Erfassung des Zugangs der GWG keine weiteren Aufzeichnungspflichten zu beachten.  

 

Anschaffungskosten zwischen 150,01 und 410 Euro

Wird für GWG mit AK/HK zwischen 150,01 Euro und 410 Euro die Sofortabschreibung gewählt, ist ein gesondertes Verzeichnis zu führen, in dem der Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage sowie die AK/HK bzw. der Einlagewert erfasst werden (§ 6 Absatz 2 Satz 4 EStG). Das gesonderte Verzeichnis ist jedoch hinfällig, wenn diese Angaben ohnehin aus der Buchführung ersichtlich sind (§ 6 Absatz 2 Satz 5 EStG). Dies dürfte der Regelfall sein.  

Besonderheiten des Sammelpostens

Wird für GWG mit AK/HK von mehr als 150 Euro und bis 1.000 Euro die Sammelposten-Methode in Anspruch genommen, wird dieser jahrgangsbezogen in die Bilanz eingestellt. Dies gilt sinngemäß für die Gewinnermittlung durch Einnahmenüberschussrechnung (BMF Rz. 9). Bei Personengesellschaften ist der Sammelposten in jedem steuerlich denkbaren Bereich (Gesamthands-, Ergänzungs-, Sonderbilanz) möglich. Er gilt sowohl für notwendiges als auch für gewillkürtes Betriebsvermögen.  

 

Auflösung des Sammelpostens

Der Sammelposten wird im Wirtschaftsjahr der Bildung und den folgenden vier Wirtschaftsjahren mit jeweils einem Fünftel gewinnmindernd aufgelöst (Poolabschreibung, § 6 Absatz 2a Satz 2 EStG). Tatsächlich längere oder kürzere Nutzungsdauern der im Pool befindlichen Wirtschaftsgüter sind unbeachtlich. Im Jahr der Bildung des Postens wird das volle Fünftel gewinnmindernd abgesetzt. Eine Aufteilung pro rata temporis, wie § 7 Absatz 1 Satz 4 EStG sie vorschreibt, unterbleibt (BMF Rz. 15).  

 

Da es sich um eine Rechengröße handelt, ist der Sammelposten keiner Teilwertabschreibung zugänglich. Bestandsveränderungen durch Abgänge (Veräußerungen, Entnahme oder Zerstörung) bleiben unberücksichtigt (§ 6 Absatz 2a Satz 3 EStG, BMF Rz. 14). Dies gilt auch für GWG. 

Zusammenfassendes Beispiel

Das folgende - zusammenfassende - Beispiel bringt die Zusammenhänge zwischen Sofort- und Poolabschreibung noch einmal auf den Punkt. 

 

Beispiel

Unternehmer R hat 2010 folgende Wirtschaftsgüter angeschafft: 

 

 

Bewegliches abnutzbares Anlagevermögen 

Selbstständig  

nutzungsfähig 

Anschaffungskosten netto 

WG 1 

Ja 

Ja 

145 Euro 

WG 2 

Ja 

Ja 

900 Euro 

WG 3 

Ja 

Ja 

350 Euro 

WG 4 

Ja 

Ja 

275 Euro 

WG 5  

Ja 

Nein (Scanner) 

120 Euro 

 

 

R fragt, wie er die Wirtschaftsgüter in seiner Einnahmenüberschussrechnung abbilden muss oder kann.  

 

Lösung: WG 1 darf sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden, da die AK geringer als 150 Euro sind. WG 5 ist keiner eigenständigen Nutzung zugänglich. Es ist daher zwingend zu aktivieren und über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 3 Jahren (lt. amtlicher AfA-Tabelle) abzuschreiben. Die Abschreibung für ein volles Jahr beträgt damit 40 Euro.  

 

Hinsichtlich der WG 2 bis 4 hat R ein Wahlrecht: 

 

  • Wendet er die 410-Euro-Methode auf WG 3 und 4 an, kann er die Anschaffungskosten von zusammen 625 Euro sofort als Betriebsausgabe absetzen. WG 2 ist dann zu aktivieren und über seine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben. 2010 darf nur eine zeitanteilige AfA ab Anschaffung vorgenommen werden.

 

  • R darf WG 2 bis 4 in einen Sammelposten 2010 einstellen (Summe 1.525 Euro). Dieser wird über fünf Jahre aufgelöst, sodass in 2010 eine Gewinnminderung von 305 Euro eintritt.
 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2011 | Seite 15 | ID 140988