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26.03.2009 |Änderungen zum 1. Januar 2009

Das „Steuer-Einmaleins“ für Tagesmütter

Tagesmütter (und natürlich auch Tagesväter) müssen seit dem 1. Januar 2009 sämtliche Einnahmen für die Betreuung - auch die bisher steuerfreien Zahlungen von öffentlicher Seite - als Betriebs­einnahmen erfassen. Auf der anderen Seite können sie höhere Pauschalen als Betriebsausgaben abziehen. Lesen Sie nachfolgend, was im Einzelnen bei Einkommen-, Umsatzsteuer und Sozial­versicherung gilt. 

Allgemeines zur Tagespflege

Bis einschließlich 2008 mussten Tagesmütter unterscheiden, woher die Zahlungen für die Betreuung stammten. Wurde das Geld von den Eltern des betreuten Kindes überwiesen, mussten Einnahmen verbucht werden. Wurde dagegen Pflegegeld von öffentlichen Kassen gezahlt, handelte es sich um steuerfreie Einnahmen (§ 3 Nummer 11 Einkommensteuergesetz [EStG]). 

 

Seit 1. Januar 2009 sind alle Zahlungen als Betriebseinnahmen zu erfassen. Im Gegenzug dürfen jetzt ohne Nachweis je betreutem Kind und Monat pauschal 300 Euro als Betriebsausgaben abgezogen werden (bisher 246 Euro), wenn das Kind mindestens acht Stunden pro Tag betreut wird.  

 

 

Unser Tipp: Von der Tagespflege ist die Vollzeitpflege zu unterscheiden. Eine Vollzeitpflege liegt vor, wenn ein Kind rund um die Uhr betreut wird und nur gelegentlich oder gar keinen Kontakt zu seinen leiblichen Eltern hat. Zahlungen von öffentlicher Seite sind bei der Vollzeitpflege steuerfrei (§ 3 Nummer 11 EStG). Werden aber mehr als sechs Kinder in Vollzeitpflege betreut, geht die Finanzverwaltung von einer gewerbsmäßigen Tätigkeit der Pflegepersonen aus und die Steuerfreiheit der Zahlungen ist dahin (BMF, Schreiben vom 20.11.2007, Az: IV C 3 - 2342/07/0001; Abruf-Nr. 090833).  

Betriebseinnahmen

Tagesmütter erzielen Einkünfte aus selbstständiger Arbeit (freiberufliche Tätigkeit nach § 18 Absatz 1 Nummer 1 EStG). Sie müssen deshalb eine Einnahmen-Überschussrechnung (Anlage EÜR) beim Finanzamt abgeben.  

 

Seit dem 1. Januar 2009 sind sowohl Zahlungen aus öffentlichen Kassen (zum Beispiel von der Gemeinde als Träger der Jugendhilfe) als auch Zahlungen von privater Seite (Eltern) als Betriebseinnahmen zu erfassen.  

 

Unser Tipp: Die vom Träger der Jugendhilfe erstatteten Beiträge zur Unfallversicherung und Vorsorgeaufwendungen sind steuerfrei (§ 3 Nummer 9 EStG; Bundesfinanzministerium [BMF], Schreiben vom 17.12.2008, Az: IV C 3 - S 2342/07/0001; Abruf-Nr. 090818). Die bisher von der Finanzverwaltung vertretene Auffassung, dass die Erstattungen zu versteuern sind (BMF, Schreiben vom 17.12.2007, Az: IV C 3 - S 2342/07/0001; Abruf-Nr. 080097), ist damit überholt. 

 

Beispiel

Frau Müller ist ausgebildete Tagesmutter und betreut vier Kinder. Dafür erhält sie monatlich 1.584 Euro von der Kommune und 528 Euro von den Eltern der betreuten Kinder. In den Zahlungen der Kommune sind in Höhe von 130 Euro Erstattungen zur Unfallversicherung sowie zu einer angemessenen Kranken- und Pflegeversicherung enthalten. Frau Müller muss die erhaltenen Zahlungen wie folgt in ihrer Einnahmen-Überschussrechnung erfassen: 

 

Einnahmen aus öffentlichen Kassen 

1.584 Euro 

+ Einnahmen aus Elternbeiträgen 

528 Euro 

./. Steuerfreie Erstattungen 

130 Euro 

= Zu versteuernde Einnahmen (je Monat) 

1.982 Euro 

Betriebsausgaben

Von den steuerpflichtigen Einnahmen dürfen Tagesmütter Betriebsausgaben abziehen. Dabei haben sie ein Wahlrecht, ob sie die tatsächlichen Betriebsausgaben oder die Betriebsausgabenpauschalen ansetzen.  

 

Tatsächliche Betriebsausgaben

Sollen die tatsächlichen Betriebsausgaben für die Betreuung der Kinder geltend gemacht werden, sind die Aufwendungen anhand geeigneter Unterlagen (Rechnungen, Aufzeichnungen) nachzuweisen. Als tatsächliche Aufwendungen im Rahmen der Tagespflege kommen vor allem in Frage: 

 

  • Nahrungsmittel, Ausstattungsgegenstände (Mobiliar), Beschäftigungsmaterialien (zum Beispiel Spielzeug), Fachliteratur, Hygieneartikel,
  • Miete und Betriebskosten für die zur Betreuung genutzten Räume,
  • Kommunikationskosten,
  • Weiterbildungskosten,
  • Beiträge für Versicherungen (soweit sie unmittelbar mit der Tätigkeit im Zusammenhang stehen und nicht steuerfrei ersetzt werden),
  • Fahrtkosten,
  • Aufwendungen für die Freizeitgestaltung der betreuten Kinder

 

Betriebsausgabenpauschale

Anstatt die Ausgaben für die Kinderbetreuung einzeln aufzuzeichnen, können Tagesmütter seit 1. Januar 2009 auch pro Kind und Monat pauschale Betriebsausgaben in Höhe von 300 Euro abziehen (264 Euro bis 2008).  

 

Wichtig: Diese Betriebsausgabenpauschale gilt nur bei einer Betreuungszeit von acht Stunden am Tag und fünf Tage die Woche. Bei einer geringeren Betreuungszeit ist sie anteilig zu kürzen.  

 

Beispiel

Eine Tagesmutter betreut bei sich zu Hause drei Kinder fünf Tage in der Woche jeweils zehn Stunden pro Tag und ein Kind an drei Tagen die Woche jeweils vier Stunden pro Tag. Die monatlichen abziehbaren Betriebsausgaben sind dabei folgendermaßen zu ermitteln: 

 

Kinder mit einer Betreuungszeit von mindestens
acht Stunden pro Tag und fünf Tage die Woche 

= 3 x 300 Euro 

 

 

900 Euro 

Kinder mit einer kürzeren Betreuungszeit 

  • Kürzung wegen Betreuung an nur drei Tagen die Woche
= 300 Euro x 3/5 = 180 Euro
  • Kürzung wegen nur vierstündiger Betreuung am Tag
= 180 Euro x 4/8 = 90 Euro

 

 

 

 

90 Euro 

Pauschale Betriebsausgaben gesamt pro Monat 

990 Euro 

 

Beachten Sie: Die Pauschalen gibt es nur, wenn die Kinder in den Räumen der Tagesmutter betreut werden. Werden die Kinder im Haushalt der Eltern oder in Räumen betreut, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, sind die tatsächlichen Betriebsausgaben nachzuweisen. 

 

Die Betriebsausgabenpauschale ist auf die Höhe der Betriebseinnahmen begrenzt. Es können also allenfalls zu versteuernde Einkünfte aus der Tages­pflege von null Euro erreicht werden, niemals aber ein Verlust. Werden die tatsächlichen Betriebsausgaben nachgewiesen, ist ein Verlust möglich. 

 

Unser Tipp: Tagesmütter sollten bei den Betriebsausgaben zweigleisig fahren und trotz Betriebsausgabenpauschalen die bei der Betreuung der Kinder anfallenden Ausgaben aufzeichnen. So können sie am Jahresende Bilanz ziehen, ob sie mit den tatsächlichen Betriebsausgaben oder mit der Pauschale steuerlich besser fahren. 

Umsatzsteuer

Die Leistungen in der Tagespflege von Kindern sind umsatzsteuerfrei (§ 4 Nummer 25 Umsatzsteuergesetz). Das gilt sowohl für die Erziehungsleistung als auch für die Beherbergung und Beköstigung. Voraussetzung für die Umsatzsteuerfreiheit ist aber, dass die Tagesmutter eine Erlaubnis zur Kinder­tagespflege nach § 43 Sozialgesetzbuch (SGB) VII vorweisen kann. 

Sozialversicherung

Bezüglich der Sozialversicherungspflicht gilt für Tagesmütter Folgendes: 

 

Kranken- und Pflegeversicherung

Tagesmütter können sich beitragsfrei in der Familienversicherung versichern (§ 10 Absatz 1 Satz 3 SGB V und § 25 Absatz 1 Satz 2 SGB XI). Folgende Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein: 

 

  • Die Tagesmutter betreut gleichzeitig maximal fünf Kinder. In diesem Fall gehen die Krankenkassen davon aus, dass die Kindertagespflege keine hauptberuflich selbstständige Erwerbstätigkeit darstellt.

 

  • Das Gesamteinkommen der Tagesmutter beträgt monatlich maximal 360 Euro (= 1/7 der monatlichen Bezugsgröße).

 

Ist eine Familienversicherung aufgrund des zu hohen Gesamteinkommens nicht möglich, bestimmt sich der Beitrag im Rahmen einer freiwilligen Mitgliedschaft nach der Mindestbemessungsgrundlage von derzeit monatlich 840 Euro (= 1/90 x 2.520 Euro [= monatliche Bezugsgröße] x 30; § 240 Absatz 4 SGB V). Liegt das monatliche Gesamteinkommen über 840 Euro, berechnet sich der Beitrag anhand des tatsächlichen Einkommens. 

 

Rentenversicherung

Bisher waren die meisten Tagesmütter nicht rentenversicherungspflichtig, weil sie aufgrund der steuerfreien Einnahmen nur ein sehr geringes steuerpflichtiges Einkommen erzielt haben. Durch die steuerlichen Änderungen werden jetzt mehr Tagesmütter versicherungspflichtig. Eine Rentenversicherungspflicht besteht, wenn das steuerpflichtige Arbeitseinkommen monatlich mehr als 400 Euro beträgt (§ 15 Absatz 1 SGB IV). Auskünfte erteilen die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung sowie das kostenlose Servicetelefon unter der Nummer 0800 1000 48011. 

 

Unser Tipp: Die Träger der Jugendhilfe müssen sich zur Hälfte an den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie an den nachgewiesenen Kosten einer angemessenen Alterssicherung beteiligen (§ 23 Absatz 2 Nummer 3 und 4 SGB VIII). Diese Erstattungen sind steuerfrei. Im Gegenzug dürfen Tagesmütter bei den Vorsorgeaufwendungen nur 1.500 Euro (wie Arbeitnehmer) und nicht 2.400 Euro steuermindernd geltend machen (§ 10 Absatz 4 EStG). 

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2009 | Seite 10 | ID 125630