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·Fachbeitrag ·Auswärtstätigkeit

Teilnahme an Gemeinschaftsverpflegung schließt Werbungskostenabzug nicht aus

| Ein Arbeitnehmer, der sich auf einer vom Arbeitgeber veranlassten Auswärtstätigkeit befindet und in dem Rahmen an einer Gemeinschaftsverpflegung teilnimmt, darf trotzdem Werbungskosten für die Verpflegung geltend machen. Das BMF hat jetzt entschieden, diese BFH-Entscheidung aus dem März 2011 in der Praxis anzuwenden. Damit Sie die Voraussetzungen für einen Werbungskostenabzug einhalten bzw. schaffen können, erläutern wir Ihnen Schritt für Schritt, worauf es ankommt. |

Berufliche Auswärtstätigkeit und Verpflegungsmehraufwand

Nehmen Sie aus beruflichen Gründen außerhalb ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte an einem Seminar, einem Lehrgang, einer Tagung, einem Workshop oder an einer Konferenz teil, befinden Sie sich aus steuerlicher Sicht auf einer beruflichen Auswärtstätigkeit.

 

Im Rahmen einer beruflichen Auswärtstätigkeit haben Sie einen Rechtsanspruch auf die untenstehenden steuerlichen Verpflegungspauschbeträge. Ob Ihnen tatsächlich ein Verpflegungsmehraufwand entsteht oder nicht und wie die Verpflegungssituation am Einsatzort ist, spielen keine Rolle.

 

Abwesenheit von der regelmäßigen Arbeitsstätte und von zu Hause mindestens

8 Stunden

14 Stunden

24 Stunden

Verpflegungspauschale

6 Euro

12 Euro

24 Euro

Verpflegungsmehraufwand und Werbungskostenabzug

Ob Sie als Arbeitnehmer Werbungskosten in Höhe der Verpflegungspauschalen geltend machen können - übrigens begrenzt auf die ersten drei Monate einer Auswärtstätigkeit - hängt von der jeweiligen Fallgestaltung ab.

 

Variante 1: Arbeitgeber zahlt nichts und verpflegt nicht

Müssen Sie sich anlässlich einer Auswärtstätigkeit selbst verpflegen und erhalten dafür keinen Zuschuss von Ihrem Arbeitgeber, können Sie in Höhe der Verpflegungspauschalen Werbungskosten geltend machen.

 

Variante 2: Arbeitgeber zahlt Verpflegungspauschale und verpflegt nicht

Verpflegen Sie sich anlässlich einer beruflichen Auswärtstätigkeit selbst und Ihr Arbeitgeber zahlt Ihnen die Verpflegungspauschale dafür, können Sie keine Werbungskosten zusätzlich mehr abziehen (selbst wenn Sie höhere Aufwendungen als die pauschalen Erstattungen hatten). Ein zusätzlicher Werbungskostenabzug ist nämlich bei nach § 3 Nr. 13 und Nr. 16 EStG steuerfreien Reisekostenvergütungen ausgeschlossen.

 

Variante 3: Arbeitgeber bietet Gemeinschaftsverpflegung

Bietet Ihr Arbeitgeber während der beruflichen Arbeitstätigkeit eine Gemeinschaftsverpflegung an und behält dafür einen Teil der Ihnen zustehenden Verpflegungspauschale ein, dürfen Sie in Höhe der tatsächlichen Belastung für die Verpflegung einen Werbungskostenabzug beantragen. Das hat der BFH entschieden (Urteil vom 24.3.20011, Az: VI R 11/10; Abruf-Nr. 112002). Die Finanzverwaltung wird das Urteil anwenden (BMF, Schreiben vom 27.9.2011, Az: IV C 5 - S 2353/09/10004; Abruf-Nr. 113453).

 

  • Beispiel

Ihr Arbeitgeber hat Niederlassungen an mehreren Standorten. Einmal im Jahr treffen Sie sich in einem Tagungshotel für fünf Tage zu einem Informationsaustausch mit gemeinsamen Workshops. In dieser Zeit nehmen Sie an einer Gemeinschaftsverpflegung teil. Ihr Arbeitgeber behält dafür 50% der Tagespauschale von 24 Euro ein (Einbehalt = 12 Euro pro Tag).

Anreisetag

Verpflegungspauschale für mindestens 14 Stunden

12 Euro

Tage 2 bis 4

Verpflegungspauschale für mindestens 24 Stunden

72 Euro(3 x 24 Euro)

Abreisetag

Verpflegungspauschale für mindestens 14 Stunden

12 Euro

Pauschalen gesamt

96 Euro

Davon Einbehalt wegen Gemeinschaftsverpflegung

5 x 12 Euro

60 Euro

Ihr Eigenanteil

60 Euro

 

Da der Werbungskostenabzug nach § 3c EStG nur insoweit ausgeschlossen ist, als Ihnen Ihr Arbeitgeber steuerfreie Reisekostenvergütungen gewährt, dürfen Sie 60 Euro als Werbungskosten geltend machen.

Lohnsteuerliche Behandlung durch den Arbeitgeber

Die unentgeltliche Verpflegung ist mit dem Sachbezugswert zu bewerten und als steuerpflichtiger Arbeitslohn anzusetzen. Die Sachbezugswerte 2011 und 2012 lauten wie folgt:

 

Frühstück

Mittagessen

Abendessen

Vollverpflegung

2011

1,57

2,83

2,83

7,23 Euro

2012

1,57

2,87

2,87

7,31 Euro

 

Praxishinweis |

Es ist jedoch nicht zu beanstanden, wenn der Arbeitgeber statt nach den Grundsätzen des BFH-Urteils weiter nach den Vorgaben von R 8.1 Abs. 8 Nr. 2 LStR i.V.m. H 8.1 Abs. 8 (Reisekostenabrechnung, Beispiel 1) LStH verfährt.

Quelle: Ausgabe 11 / 2011 | Seite 17 | ID 29698100