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·Fachbeitrag ·Steuertipps zum jahresende

Jetzt noch kräftig Steuern sparen: Die 20 besten Steuertipps zum Jahresende 2011

| In den verbleibenden Wochen des Steuerjahrs 2011 können Sie noch zahlreiche Maßnahmen ergreifen, um Ihre Steuerlast gezielt zu mindern, sich steuerliche Vergünstigungen zu sichern oder um auf Steueränderungen zu reagieren, die zum 1. Januar 2012 anstehen. Die folgende Checkliste bietet Ihnen alle Steuerspar-Strategien auf einen Blick. |

Öffentliche Verkehrsmittel: Fahrkarte für 2012 jetzt kaufen

Ab 2012 dürfen die tatsächlichen Fahrtkosten nur noch dann abgezogen werden, wenn diese über der Entfernungspauschale liegen. Es wird dazu nicht mehr tageweise die günstigste Variante ermittelt, sondern nur noch einmal im Jahr. Es gibt jedoch einen Steuerdreh, der Arbeitnehmern einen besonderen Steuervorteil verschaffen könnte. Wird das Zugticket für 2012 nämlich bereits im November oder Dezember 2011 bezahlt, dürfen diese Aufwendungen als vorweggenommene Werbungskosten in 2011 abgezogen werden. Im Jahr 2012 winkt dann trotzdem - das heißt ohne dass man Aufwendungen hat - die Entfernungspauschale, beschränkt auf 4.500 Euro.

 

  • Beispiel

Sie fahren an 230 Tagen täglich mit dem Zug 240 km (einfache Strecke) zur Arbeit. Das Zugticket für die 1. Klasse kostet pro Jahr 5.000 Euro. Das Zugticket für 2011 haben Sie im Januar 2011 bezahlt, das Zugticket für 2012 bezahlen Sie schon Anfang Dezember. Im Jahr 2012 werden Sie den gleichen Arbeitsweg zurücklegen.

Steuerjahr

Kauf der Zugtickets in 2011

Kauf der Zugtickets in 2011 und 2012

2011

Werbungskosten: 10.000 Euro

Werbungskosten: 5.000 Euro

2012

Werbungskosten: 4.500 Euro

Werbungskosten 5.000 Euro

Gesamt

14.500 Euro

10.000 Euro

 

Obwohl Sie also nur effektive Aufwendungen von 10.000 Euro haben, können Sie durch den vorgezogenen Kauf Werbungskosten in Höhe von 14.500 Euro ansetzen. Das FG Baden-Württemberg hat den Kauf eines Zugtickets im alten Jahr übrigens erlaubt (Urteil vom 17.1.2008, Az: 6 K 2192/07; Abruf-Nr. 082281). Das FG hat gegen sein Urteil zwar die Revision zugelassen, das Finanzamt hat diese aber nicht eingelegt - wir vermuten, um dem steuerzahlerfreundlichen Urteil so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu schenken.

 

WICHTIG | Da wegen der anstehenden Änderung jedoch viele Arbeitnehmer zu dieser Strategie greifen werden, ist noch nicht absehbar, wie das BMF darauf reagieren wird.

Krankenversicherungsbeiträge für 2012 vorausbezahlen

Zwar dürfen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge in voller Höhe als Sonderausgaben abgezogen werden. Übersteigen diese jedoch bei Ledigen 1.900 Euro bzw. 2.800 Euro (Arbeitnehmer/Selbstständige), verpuffen Beitragszahlungen zur Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht- oder vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossene Lebensversicherungen steuerlich ungenutzt.

 

Privat krankenversicherte Steuerzahler genießen hier ein Privileg. Sie können 2011 neben den Beitragszahlungen zur Kranken- und Pflegeversicherung für 2011 zusätzlich noch die 2,5-fachen Jahresbeiträge vorausbezahlen. Vorteil: Im Jahr 2011 dürfen die Beitragszahlungen für insgesamt dreieinhalb Jahre als Sonderausgaben abgezogen werden. In den folgenden Jahren wirken sich dann auch die anderen Versicherungsbeiträge bis zu 1.900 Euro/2.800 Euro als Sonderausgaben steuersparend aus. Details zu diesem tollen Steuerspar-Modell finden Sie in WISO 2/2011, Seite 6 (im Archiv).

Kosten für Handwerkerleistungen aufteilen

Wenn Sie einen Handwerker mit Renovierungsarbeiten an Ihrem Eigenheim beauftragt haben, die reinen Arbeitskosten über 6.000 Euro liegen und sich die Arbeiten über den Jahreswechsel hinziehen, sollten Sie unbedingt Teilleistungen vereinbaren. Sie erhalten dann in den Jahren 2011 und 2012 zusammen eine höhere Steueranrechnung nach § 35a Abs. 3EStG als wenn Sie die Arbeiten erst im Jahr 2012 bezahlen würden.

 

  • Beispiel

Sie lassen von einem Handwerker die Fassade ihres Hauses renovieren (Arbeitsleistung 5.000 Euro) und das Bad komplett erneuern (Arbeitsleistung 7.000 Euro). Die Arbeiten werden von Dezember bis Ende Januar dauern. Sie vereinbaren (Variante 1) die Zahlung auf einmal im Jahr 2012 oder (Variante 2) die Zahlung von 5.000 Euro für die Fassadenrenovierung in 2011 und 7.000 Euro für die Badsanierung in 2012.

Variante 1

Variante 2

Steuerjahr 2011

0 Euro

1.000 Euro (20% von 5.000 Euro)

Steuerjahr 2012

1.200 Euro (20% von 12.000 Euro, max. 1.200 Euro)

1.200 Euro (20% von 7.000 Euro, max. 1.200 Euro)

Steueranrechnung gesamt

1.200 Euro

2.200 Euro

 

Riester- und Rürup-Verträge: Jetzt noch abschließen

Wer den Abschluss eines Riester- oder Rürup-Vertrags bzw. einer kapitalbildenden Lebensversicherung plant, hat zwei Gründe, dies noch im Jahr 2011 unter Dach und Fach zu bringen.

  • 1. Ab 2012 sinkt der Garantiezins von 2,25 auf 1,75 Prozent.
  • 2. Ab 2012 wird die Altersgrenze für entsprechende Verträge vom 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Sparer erhalten bei Vertragsabschlüssen ab 2012 also frühestens ab dem 62. Lebensjahr eine Rente. Schließen Sie den Vertrag aber noch 2011 ab, sichern Sie sich das 60. Lebensjahr als frühesten Auszahlungsbeginn der Rente.

Minderung der Abgeltungsteuer: Verlustantrag stellen

Haben Sie bei mehreren Kreditinstituten Sparkonten und Depots, wobei Sie im Jahr 2011 bei einer Bank Verluste und bei der anderen Gewinne erzielt haben? Dann ist es sinnvoll, in der Anlage KAP eine Saldierung zu beantragen. In diesem Fall erstattet das Finanzamt zu viel bezahlte Abgeltungsteuer.

 

Damit Sie die Verrechnung von Verlusten und Gewinnen von verschiedenen Kreditinstituten beim Finanzamt durchsetzen können, müssen Sie bis spätestens 15. Dezember 2011 bei derjenigen Bank eine Verlustbescheinigung beantragen, bei der Sie Verluste erlitten haben (§ 43a Abs. 3 Satz 5 EStG).

Lohnsteuer: Freibeträge für 2012 jetzt neu beantragen

Im Jahr 2011 hatte die Lohnsteuerkarte 2010 - inklusive der eingetragenen Freibeträge (Werbungskosten, Verluste, außergewöhnliche Belastung) - ihre Gültigkeit behalten. Für 2012 gilt das nicht mehr. Für das Jahr 2012 müssen Arbeitnehmer einen neuen Lohnsteuerermäßigungsantrag beim Finanzamt stellen. Ändert sich an der Höhe im Vergleich zum Vorjahr nichts, genügt das Ausfüllen des zweiseitigen Antragsformulars.

Verbindliche Auskunft: Antrag erst 2012 stellen

Benötigen Sie für einen steuerlich zweifelhaften Sachverhalt Rechtssicherheit, kommen Sie an einer verbindlichen Auskunft nach § 89 AO nicht vorbei. Doch das Finanzamt kassiert für die Auskunft Gebühren.

 

Handelt es sich bei der Anfrage um einen überschaubaren Sachverhalt, der schnell geklärt werden kann, sollten Sie mit der Antragstellung bis nächstes Jahr warten. Ab 2012 erhebt das Finanzamt bei einem Gegenstandswert von unter 10.000 Euro nämlich keine Gebühren mehr. Kostenlos bleibt die Auskunft auch, wenn die Gebühr nach dem Zeitwert ermittelt wird und das Finanzamt für die Beantwortung weniger als zwei Stunden benötigt hat.

Kindergeld für volljährige Kinder: 2011 noch investieren

Absolviert Ihr volljähriges Kind eine Erstausbildung oder ein Erststudium und ist es nicht älter als 25 Jahre, dürfen die Einkünfte und Bezüge des Kindes in 2011 nicht über 8.004 Euro liegen. Andernfalls verlieren Sie Ihren Anspruch auf Kindergeld. Liegen die Einkünfte und Bezüge über der Grenze, ziehen Sie alle Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Studium bzw. der Ausbildung auf 2011 vor, um die 8.004 Euro-Grenze zu unterschreiten. Ab 2012 interessieren die Einkünfte und Bezüge Ihres Kindes nämlich nicht mehr.

Steuerspar-Mietverträge mit Verwandten anpassen

Vermieten Sie eine Immobilie an einen nahen Angehörigen, müssen Sie bisher nur mindestens 56 Prozent der ortsüblichen Miete verlangen, um alle Aufwendungen im Zusammenhang mit der Miete als Werbungskosten geltend zu machen. Bei Dauerverlusten musste die Miete mindestens 75 Prozent der ortsüblichen Miete betragen und innerhalb der nächsten 20 Jahre musste mit einem Totalüberschuss zu rechnen sein.

 

Im Steuervereinfachungsgesetz 2011 ist geregelt, dass die 55-Prozent-Grenze ab 2012 auf 66 Prozent steigt. Die mit dem Angehörigen vereinbarte Miete muss ab 1. Januar 2012 also auf mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete erhöht werden, um nicht den teilweisen Verlust des Werbungskostenabzugs im Zusammenhang mit der Vermietung zu riskieren.

Einkommensteuererklärung 2007: Stichtag 31.12.2011

Haben Sie 2007 noch ohne Einnahmen studiert oder sind Sie Arbeitnehmer und haben für 2007 schlicht keine Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht, dann haben Sie noch bis 31. Dezember 2011 Zeit, für dieses Steuerjahr eine Erklärung abzugeben. Geht die Einkommensteuererklärung 2007 nur einen Tag später beim Finanzamt ein, wird die Bearbeitung verweigert. Die Abgabe einer freiwilligen Erklärung lohnt sich in folgenden Fällen:

 

  • Studenten: Sie können alle Kosten, die 2007 im Zusammenhang mit dem Studium angefallen sind, als vorweggenommene Werbungskosten in der Anlage N erklären (BFH, Urteil vom 28.7.2011, Az: VI R 38/10; Abruf-Nr. 112824 - WISO 9/2011, Seite 7). Diese Verluste können in späteren Jahren mit positiven Einkünften steuersparend verrechnet werden.

 

  • Arbeitnehmer: Schon bei 14 gefahrenen Kilometern zwischen Wohnung und Arbeitsstätte an 230 Arbeitstagen ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag 2007 von 920 Euro überschritten. Jeder weitere nachgewiesene Euro an Werbungskosten bringt eine höhere Erstattung.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag steigt: Auf Folgen einstellen

Im Steuervereinfachungsgesetz 2011 wurde der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 920 auf 1.000 Euro erhöht - und zwar ab Dezember 2011. Die Folgen:

 

  • Sind Sie Unternehmer und beschäftigen Personal, müssen Sie sich schnellstens um ein Update Ihrer Lohn- und Gehaltssoftware kümmern, um bei der Lohnabrechnung für Dezember 2011 mit dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 Euro rechnen zu können.

 

  • Die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags dürfte auch Konsequenzen auf das Lohnsteuerermäßigungsverfahren 2012 haben. Ein Freibetrag wird vom Finanzamt nur gewährt, wenn die Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen über 1.600 Euro liegen (bisher 1.520 Euro).

Stromsteuerentlastung beantragen: Stichtag 31.12.2011

Betreiben Sie ein Unternehmen des produzierenden Gewerbes und hatten 2010 einen hohen Strom- und Energieverbrauch, erhalten Sie möglicherweise auf Antrag eine Rückerstattung der bezahlten Strom- und Energiesteuern. Um herauszufinden, ob es für Ihr Unternehmen eine Rückerstattung gibt, müssen Sie bis zum 31. Dezember 2011 bei dem für Sie zuständigen Hauptzollamt einen Antrag stellen. Merkblätter und Antragsformulare erhalten Sie unter www.zoll.de.

Weitere Jahresendsteuertipps im Überblick

Nachfolgend noch sieben weitere Jahresendtipps im Kurzticker.

  • Kreditkarte: Selbstständige, die ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln, können die betrieblichen Kosten aus der Kreditkartenabrechnung für Dezember 2011 als Betriebsausgaben 2011 verbuchen, selbst wenn die Abbuchung von Konto erst Mitte Januar 2012 erfolgt.

  • Freistellungsbescheinigung: Sind Sie in der Baubranche tätig, dann prüfen Sie Ihre Freistellungsbescheinigungen von der Bauabzugssteuer nach § 48 EStG. Diese Bescheinigungen verlieren nämlich meist zum Jahreswechsel ihre Gültigkeit. Ist das der Fall, sollten Sie möglichst frühzeitig eine neue Bescheinigung beantragen.

  • Ausgabe von Gutscheinen: Die Ausgabe von Gutscheinen, die Kunden zu Weihnachten verschenken können, beschert Unternehmen in der Regel ein kräftiges Umsatzplus. Wichtig zu wissen: Darf sich der Kunde bei der Einlösung uneingeschränkt im ganzen Warensortiment bedienen, wird beim Verkauf des Gutscheins keine Umsatzsteuer fällig, sondern erst bei dessen Einlösung.

  • E-Bilanz: Auch wenn das Finanzamt es ausnahmsweise akzeptiert, dass auch in 2012 noch Papierbilanzen eingereicht werden, sollten Sie noch in diesem Jahr aktiv werden. Klären Sie mit Ihrem Softwareanbieter, wann es ein Update gibt und wie viel das kostet. Zudem sollte bereits jetzt ausgewähltes Personal geschult werden.

  • Umsatzsteuer: Achten Sie darauf, dass Ihr Umsatz 2011 nicht über 500.000 Euro klettert. Dann profitieren Sie nämlich auch im Jahr 2012 von der Ist-Versteuerung. Als Kleinunternehmer müssen Sie darauf achten, dass Ihr Jahresumsatz 2011 nicht über 17.500 Euro klettert. In diesem Fall müssen Sie auch in 2012 keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen.

  • ElSTAM: In den Monaten Oktober bis Dezember erhalten Arbeitnehmer Post vom Finanzamt. Sie bekommen die elektronisch gespeicherten Lohnsteuerdaten, nach denen der Arbeitgeber 2012 den Lohneinbehalt vornimmt. Dieses Infopapier muss nicht dem Arbeitgeber ausgehändigt werden. Es dient einzig und alleine der Kontrolle, ob die gespeicherten Daten (Steuerklasse, Religionszugehörigkeit, Anzahl der Kinder) korrekt sind. Fehler müssen Sie als Steuerzahler dem Finanzamt umgehend anzeigen.

  • Investitionsabzugsbetrag für Fotovoltaikanlage: Planen Sie in den nächsten drei Jahren die Investition in eine Fotovoltaikanlage, werden Sie zu einem Gewerbetreibenden, wenn Sie den gewonnenen Strom in das Netz eines Betreibers einspeisen. Ihr Privileg: Sie dürfen dem Finanzamt bereits im Jahr 2011 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten als vorweggenommene Betriebsausgaben präsentieren, selbst wenn die Investition erst im Jahr 2014 geplant ist. Der dabei entstehende Verlust wird mit anderen Einkünften aus dem Jahr 2011 verrechnet mit der Folge, dass Steuererstattungen winken. Übereifrige Finanzbeamte könnten den Abzug des Investitionsabzugsbetrags mit dem Hinweis ablehnen, dass eine verbindliche Bestellung der Fotovoltaikanlage fehlt. Weisen Sie in diesem Fall auf ein Urteil des FG Nürnberg hin (Urteil vom 28.7.2011, Az: 7 K 655/10). Das FG hat den Investitionsabzugsbetrag zum Abzug zugelassen, obwohl keine feste Bestellung vorlag.
 
Quelle: Ausgabe 11 / 2011 | Seite 7 | ID 29642240