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·Fachbeitrag ·Nebenberufliche Übungsleiter

FG Rheinland-Pfalz erkennt Verluste aus nebenberuflicher Übungsleitertätigkeit an

| Nach Auffassung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz dürfen Übungsleiter Verluste aus einer Übungsleitertätigkeit auch dann steuermindernd geltend machen, wenn die Einnahmen aus der Tätigkeit unterhalb des Übungsleiterfreibetrags liegen. Damit können viele Übungsleiter trotz steuerfreier Einkünfte effektiv Steuern sparen. |

Der steuerliche Hintergrund

Für nebenberufliche Einnahmen als Übungsleiter in gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Organisationen gilt ein Freibetrag von 2.100 Euro (§ 3 Nummer 26 EStG). Oft fallen im Zusammenhang mit der Übungsleitertätigkeit auch Kosten an (zum Beispiel Fahrtkosten, Unterrichtsmaterialien oder Verpflegungsmehraufwand). Die Finanzverwaltung vertritt für den Abzug von Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben folgende Auffassung:

 

Fall 1: Einnahmen übersteigen Übungsleiterfreibetrag

Übersteigen Ihre Einnahmen den Übungsleiterfreibetrag, konnten Sie Aufwendungen schon bisher geltend machen, soweit diese Ihre Einnahmen übersteigen (§ 3 Nummer 26 Satz 2 EStG).

  • Beispiel

Übungsleiter A erhält vom Verein 2.300 Euro im Jahr für seine Tätigkeit. Weil es seine erste Übungsleiterstelle ist, hatte er zunächst hohe Aufwendungen (zum Beispiel Ausbildung zum Übungsleiter, Sportausrüstung). Seine Aufwendungen belaufen sich auf insgesamt 2.600 Euro im Jahr.

Ergebnis: A muss die Einnahmen, die den Freibetrag von 2.100 Euro übersteigen (= 200 Euro), als Einkünfte aus selbstständiger Arbeit versteuern. Da die Einnahmen über dem Freibetrag liegen, darf er Betriebsausgaben gegenrechnen; und folglich auch den Verlust in Höhe von 300 Euro steuerlich geltend machen.

Fall 2: Einnahmen übersteigen Übungsleiterfreibetrag nicht

Liegen Ihre Einnahmen unterhalb des Übungsleiterfreibetrags, will Ihnen die Finanzverwaltung - unabhängig von der Höhe der Aufwendungen - bisher keinen Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenabzug gewähren.

  • Beispiel

Übungsleiter A erhält vom Verein 1.500 Euro im Jahr für seine Tätigkeit. Seine Aufwendungen belaufen sich auf 2.600 Euro im Jahr. Weil seine Einnahmen unterhalb des Übungsleiterfreibetrags von 2.100 Euro liegen, kann er seinen Werbungskostenüberschuss in Höhe von 1.100 Euro (= 1.500 Euro ./. 2.600 Euro) - ginge es nach der Finanzverwaltung - nicht steuermindernd geltend machen. Dieser Fall lag dem FG Rheinland-Pfalz zur Entscheidung vor.

FG Rheinland-Pfalz widerspricht Finanzverwaltung

Und das FG hat der Auffassung der Finanzverwaltung jetzt zugunsten der Übungsleiter widersprochen. Im Urteilsfall hatte ein nebenberuflicher Tanzsporttrainer aus seiner Übungsleitertätigkeit Einnahmen in Höhe von 1.128 Euro vom Verein erhalten. Diesen Einnahmen standen Betriebsausgaben in Höhe von 2.417,30 Euro gegenüber. Entsprechend hatte er einen Verlust aus der Übungsleitertätigkeit in Höhe von 1.289,30 Euro geltend gemacht.

 

Das Finanzamt verwehrte ihm den Verlustabzug, weil der Abzug tatsächlicher Kosten nur zulässig sei, wenn sowohl die Einnahmen als auch die Ausgaben höher als 2.100 Euro seien. Das FG sah das anders und erkannte den Verlust steuerlich an (Urteil vom 25.5.2011, Az: 2 K 1996/10; Abruf-Nr. 112358).

 

Begründung

Ziel der Regelung in § 3 Nr. 26 EStG ist es, generell eine Besserstellung für nebenberufliche Übungsleiter, Ausbilder oder Erzieher zu erreichen, keinesfalls eine Schlechterstellung gegenüber solchen Übungsleitern, die Einnahmen über dem Freibetrag erzielen und höhere (bzw. die Einnahmen übersteigende) Betriebsausgaben geltend machen können. Deshalb muss auch, wenn die Einnahmen den Freibetrag unterschreiten, ein Abzug der diese Einnahmen übersteigenden Ausgaben möglich sein. Nur ein solches Ergebnis wird dem objektiven Nettoprinzip und der Zielrichtung der Vorschrift gerecht.

 

WICHTIG | Das FG Rheinland-Pfalz hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen, um die Frage höchstrichterlich klären zu lassen. Ob die Finanzverwaltung die Revision tatsächlich einlegt, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Empfehlungen für die Praxis

Nebenberufliche Übungsleiter, die im Rahmen ihrer Übungsleitertätigkeit höhere Aufwendungen als Einnahmen haben, sollten jetzt entsprechende Verluste in der Steuererklärung geltend machen.

 

Diese Aufwendungen können Übungsleiter ansetzen

Übungsleiter können unter anderem folgende Aufwendungen steuermindernd bzw. verlusterhöhend ansetzen:

 

  • Aufwendungen für die Ausbildung zum Übungsleiter.
  • Fahrten zum Vereinssitz oder zum regelmäßigen Einsatzort.
  • Reisekosten, insbesondere Fahrtkosten bei Auswärtstätigkeiten im Rahmen der Pauschale (30 Cent pro Kilometer).
  • Aufwendungen für Sportkleidung- und Sportgeräte.
  • Telefonkosten (laut Einzelverbindungsnachweis).
  • Büro- und Portokosten.
  • Kosten für Unterrichtsmaterial und andere Verbrauchsmaterialien.
Quelle: Ausgabe 08 / 2011 | Seite 10 | ID 28185600