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·Fachbeitrag ·Arbeitszimmer

FG Köln: Teilweise berufliche Nutzung reicht für steuerlichen Kostenabzug aus

| Verbinden Arbeitnehmer oder Unternehmer eine berufliche Reise mit ein paar Tagen Urlaub, lässt das Finanzamt seit einer Grundsatzentscheidung des Großen Senats des Bundesfinanzhofs für die An- und Abreise- sowie die Übernachtungskosten anteilig einen Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenabzug zu. Das Finanzgericht Köln hat diesen Aufteilungsgrundsatz nun erstmals auf das häusliche Arbeitszimmer angewendet. Damit erweitert sich der Kreis der Steuerzahler, der Kosten für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich geltend machen kann, um ein Vielfaches. |

Der zugrunde liegende Sachverhalt

Im konkreten Fall hatte ein Unternehmer in seinem Einfamilienhaus einen großen Wohnraum durch ein Bücherregal aufgeteilt. In einem Teil des Raums befanden sich ein Schreibtisch und mehrere Regale für die Abwicklung der Bürotätigkeit seines Unternehmens. Im anderen Teil des Raums standen ein Sofa, ein Fernseher, ein Ess- sowie ein Couchtisch. Für die erstgenannte „Arbeitsecke“ des Raums forderte der Unternehmer die Anerkennung als häusliches Arbeitszimmer. Der Raums habe zur Abwicklung von Verwaltungsarbeit gedient; außerdem habe der Unternehmer darin Kunden und Geschäftspartner empfangen.

 

Das Finanzamt ließ dagegen keinen Cent der Raumkosten als Betriebsausgaben zum Abzug zu. Es verwies darauf, dass keine der im Gesetz genannten Voraussetzungen vorliege (kein anderer Arbeitsplatz, Arbeitszimmer ist Mittelpunkt der gesamten betrieblichen Betätigung).

FG wendet Urteil des Großen BFH-Senats zu Reisekosten an

Das Finanzgericht (FG) Köln beurteilte den Fall jetzt aber vollkommen neu. Es geht davon aus, dass das Urteil des Großen Senats des Bundesfinanzhofs (BFH) zur steuerlichen Aufteilung von auch privat veranlassten Reisekosten auch beim häuslichen Arbeitzimmer angewendet werden muss (Urteil vom 19.5.2011, Az: 10 K 4126/09; Abruf-Nr 112353).

 

Der BFH hatte 2009 in Bezug auf Reisekosten entschieden, dass § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG eine Aufteilung von gemischt veranlassten, aber anhand ihrer beruflichen und privaten Anteile trennbaren Reisekosten nicht entgegensteht. Die Vorschrift enthält kein allgemeines Aufteilungs und Abzugsverbot. Bestehen keine Zweifel daran, dass ein abgrenzbarer Anteil von Aufwendungen beruflich oder betrieblich veranlasst ist, ist der Anteil zu schätzen, wenn eine andere Quantifizierung unmöglich ist (Urteil vom 21.9.2009, Az: GrS 1/06; Abruf-Nr. 100184). Die Richter des FG Köln ließen auf dieser Basis folglich 50 Prozent der Raumkosten, höchstens jedoch 1.250 Euro zum Abzug zu.

Empfehlungen für die Praxis

Damit Sie die Kölner Entscheidung optimal nutzen können, sollten Sie Folgendes wissen.

 

1. Wer kann Arbeitszimmer-Kosten jetzt geltend machen?

Von dem Urteil profitieren Steuerzahler vor allem in folgenden Situationen:

 

  • Sie nutzen eine Arbeitsecke in einem ansonsten privat genutzten Raum.
  • Sie haben sich in den Vorjahren bereits mit dem Finanzamt erfolglos darüber gestritten, ob ein häusliches Arbeitszimmer vorliegt.
  • Das Finanzamt war schon einmal bei einer Ortsbegehung und hat Ihnen das Arbeitszimmer versagt, weil beispielsweise eine Couch oder ein Fernsehsessel im Raum stand.

WICHTIG | Das Urteil ist in allen noch offenen Steuerfällen anzuwenden. Haben Sie also für Vorjahre noch keine Steuererklärungen abgegeben, sind noch Einsprüche anhängig oder stehen die Bescheide unter dem Vorbehalt der Nachprüfung nach § 164 AO, können Sie dem Finanzamt nachträglich die Kosten für Ihr häusliches Arbeitszimmer präsentieren.

 

2. Die Aufteilung der Kosten

Das FG Köln hat keine Aussage dazu getroffen, wie die Aufteilung der angefallenen Kosten in nicht abziehbare Kosten der privaten Lebensführung und in berufliche Kosten erfolgen muss. Unserer Ansicht kommen zwei Alternativen in Frage: die räumliche Aufteilung der Kosten (siehe Beispiel) oder die Aufteilung nach Zeiteinheiten.

 

  • Beispiel

Arbeitnehmer Huber nutzt in seinem 30 Quadratmeter großen Wohnzimmer einen durch ein Regal abgetrennten Bereich von 10 Quadratmetern für berufliche Zwecke. Für diesen Raum fallen 2.000 Euro Darlehenszinsen, 300 Euro für Strom- und Heizung sowie 500 Euro für Reinigungskosten an. In diesem Fall könnte Herr Huber nach dem Urteil des FG Köln 33,33% der Raumkosten als Betriebsausgaben abziehen. Huber könnte also Werbungskosten von 933,24 Euro (33,33% von 2.800 Euro) geltend machen.

Neben der Aufteilung nach Quadratmetern kann die Aufteilung auch danach erfolgen, wie Sie den Raum zeitlich nutzen. Dazu müssen Sie dem Finanzamt aber geeignete Aufzeichnungen als Nachweise vorlegen (eine Art Tagebuch über die Nutzung).

3. Auf widerspenstige Finanzbeamte einstellen

Sie müssen derzeit wohl leider davon ausgehen, dass das Kölner Urteil bei der Finanzverwaltung nicht gerade auf Gegenliebe stößt. Im Klartext: Das Finanzamt wird entsprechende Arbeitszimmer-Kosten in der Steuererklärung nicht anerkennen. Damit ist unter anderem deshalb zu rechnen, weil das FG Baden-Württemberg einen ähnlichen Sachverhalt anders als das FG Köln - zum Nachteil der Steuerzahler F- entschieden hat (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 2.2.2011, Az: 7 K 2005/08).

 

WICHTIG | Legen Sie in vergleichbaren Fällen gegen ablehnende Steuerbescheide Einspruch ein. Verweisen Sie darauf, dass das FG Köln wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zu seinem Urteil die Revision beim BFH zugelassen hat. Dort ist das Verfahren mittlerweile auch schon anhängig geworden (Az: X R 32/11).

 

Muster für Einspruch?/ Arbeitszimmerkosten

Gegen den Einkommensteuerbescheid vom ... lege ich hiermit Einspruch ein. Die Nichtanerkennung des anteiligen Werbungskostenabzugs für mein teils beruflich teils privat genutztes Arbeitszimmer steht nicht im Einklang mit der geänderten Rechtsprechung des Großen Senats des Bundesfinanzhofs (Urteil vom 21.9.2009, Az: GrS 1/06) zum Wegfall des Aufteilungs- und Abzugsverbots (siehe hierzu auch FG Köln, Urteil vom 19.5.2011, Az: 10 K 4126/09). Bis zur endgültigen Entscheidung durch den BFH im Revisionsverfahren X R 32/11 bitte ich deshalb um das Ruhen des Einspruchsverfahrens.

Stuft der Sachbearbeiter im Finanzamt Ihren Einspruch als unbegründet ein und verweigert das Ruhen des Verfahrens, weil das FG Baden-Württemberg den anteiligen Werbungskosten- bzw. Betriebsausgabenabzug abgelehnt hat, sollten Sie das nicht akzeptieren. Verweisen Sie darauf, dass sich die Kölner Richter in ihrer Urteilsbegründung mit der Entscheidung aus Baden-Württemberg befasst haben, aber eben eine andere Meinung vertreten.

4. Voraussetzungen schaffen und Nachweise aufbewahren

Sollte der BFH grünes Licht für den anteiligen Werbungskostenabzug beim häuslichen Arbeitszimmer geben, wird das Finanzamt zunächst Ihre Unterlagen kritisch begutachten.

 

Praxishinweis |

Um sich einen möglichst hohen Werbungskostenabzug zu sichern, sollten Sie die folgenden Voraussetzungen schaffen bzw. sich um folgende Nachweise kümmern und diese bis zum Abschluss des Einspruchsverfahrens aufbewahren:

  • Trennen Sie den Wohnraum von der Arbeitsecke ab (Regal, Brett).
  • Machen Sie Fotos von der Abtrennung, von der Gestaltung der Arbeitsecke und von den anderen Räumen.
  • Es schadet auch nicht, wenn Sie anhand von Fotos belegen können, dass und wie Sie in dem Arbeitsraum Kunden oder Geschäftspartner empfangen haben.
  • Machen Sie Aufzeichnungen, wann der Raum wozu genutzt wurde.
  • Bewahren Sie Unterlagen zu Miet-, Zins-, Strom- und Heizkosten auf.
  • Fertigen Sie eine Skizze vom Grundriss der Wohnung an und zeichnen Sie darin den Arbeitsbereich ein.
Quelle: Ausgabe 08 / 2011 | Seite 7 | ID 28153590