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·Fachbeitrag ·Steufa-Praxis

Reichweite einer anonymen Anzeige

| Beim FA ging eine anonyme Anzeige ein: In der Anzeige wurde detailliert geschildert, auf welchen Baustellen ein gewisser Fliesenleger Schwarzarbeiten verrichtet haben sollte. Das FA ging der Sache auf den Grund - mit überraschendem Ergebnis. |

 

1. Fliesenleger führt über Schwarzkunden Buch

Bei dem Fliesenleger wurde kurzfristig eine Betriebsprüfung angeordnet. Weil der Betriebsprüfer tatsächlich keine entsprechenden Abrechnungen der in der Anzeige genannten Baustellen finden konnte, wurde kurz darauf ein Strafverfahren eingeleitet und eine Durchsuchung durchgeführt. Bei der Durchsuchung fanden die Fahnder im Wohnhaus des Fliesenlegers einen Ordner mit schwarz durchgeführten Bauarbeiten. Dem Beschuldigten wurde mitgeteilt, dass er anonym angezeigt worden sei. Der Fliesenleger wusste sofort, wer Anzeige erstattet haben musste. Auch an dessen Wohnhaus habe er Gewerke schwarz ausgeführt. Hinterher sei es aber zu Streitigkeiten über angebliche Mängel gekommen. Gegen sämtliche Kunden wurden daraufhin Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung eingeleitet.

 

2. Anonyme Anzeige erweist sich als Bumerang

Der Anzeigenerstatter versuchte sich zunächst herauszureden. Als ihm aber das Beweismaterial vorgelegt wurde, räumte er ein, dass die Einfahrt zu seinem Einfamilienhaus neu plattiert worden sei - auf seinen Wunsch ohne Rechnung. So habe er mehrere 100 EUR gespart. Die Platten hätten sich jedoch nach einigen Monaten abgesenkt. Der Fliesenleger habe sich geweigert, die Mängel zu beseitigen. Das habe ihn zu der Anzeige veranlasst. Dass er jetzt auch ein Strafverfahren „am Hals habe“, sei nicht gerecht.

 

Auch der Inhaber einer bekannten Autofirma erhielt Besuch von der Steufa. Er bestritt sofort, irgendetwas mit dem Fliesenleger zu tun gehabt zu haben. Es müsse eine Verwechslung vorliegen. Der Fliesenleger reagierte empört. Er habe nicht nur schwarz für den Autohändler gearbeitet, darüber hinaus habe er auch auf dessen Wunsch Arbeiten in seinem Privathaus vorgenommen und dafür Rechnungen für die Firma ausgestellt.

 

3. Mindestens Sieben auf einen Streich

Ein Anfangsverdacht war gegeben, so konnten die Fahnder einen Durchsuchungsbeschluss für das Wohnhaus und den Betrieb des Autohändlers erwirken. Sie fanden die Rechnungen des Fliesenlegers über angeblich im Betrieb getätigte Arbeiten, wie z. B. das Fliesen von Toiletten und Bädern. Nach einer Betriebsbesichtigung stand aber fest, dass die Toilettenanlagen veraltet waren. Außerdem fanden sie Rechnungen von anderen Unternehmern wie Malern und Elektrikern, die Arbeiten in dem Wohnhaus des Autohändlers ausgeführt hatten, die Rechnungen allerdings an den Betrieb adressiert hatten. Insgesamt ergab sich ein Steuerschaden von 80.000 EUR. Der Fliesenleger wurde zu einer Geldstrafe von 40.000 EUR verurteilt, der Autohändler wurde wegen eigener Steuerhinterziehung und Beihilfe zu einer Geldstrafe von 50.000 EUR verurteilt. Die anderen Beihilfetäter kamen mit Geldauflagen in unterschiedlicher Höhe davon.

Quelle: Ausgabe 11 / 2016 | Seite 308 | ID 44298853