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03.01.2011 |Steufa-Praxis

Schankverluste in der Gastronomie

Weil es ihre erste Prüfung war, wandte die Betriebsprüferin alle bis dahin gelernten Kalkulationsmethoden an - wie z.B. den Zeit-Reihenvergleich, bei der Wareneinkauf und Erlöse in Zusammenhang gebracht werden. Diese Kalkulation führte zu hohen Differenzen.  

 

1. Verprobung des Leerguts

Der Steuerberater des Gastronomen erklärte die Differenzen über extrem hohe Schankverluste bzw. Verderb in großem Ausmaß. Nun versuchte die Prüferin auf andere Art und Weise möglichen Manipulationen auf die Spur zu kommen: Bei der Bewegung von Leergut bestehen umfangreiche Dokumentationspflichten. Der Lieferant muss aufzeichnen, wie viel Einweg- und Mehrwegleergut herausgegeben und zurückgenommen werden. Die Betriebsprüferin forderte entsprechende Leergutabrechnungen an. Aus den Wochen später vorgelegten Abrechnungen ergaben sich einige Auffälligkeiten. Bei einigen Gebinden ergaben sich nicht nur Differenzen zwischen geliefertem und zurückgegebenem Pfandgut, sondern es wurde regelmäßig mehr Pfandgut zurückgegeben als geliefert worden war.  

 

2. Einleitung eines Steuerstrafverfahrens

Laut Buchhaltungsunterlagen gab es nur einen offiziellen Lieferanten: Da an den offiziellen Lieferanten mehr Leergut zurückgegeben wurde als bei ihm eingekauft worden war, musste eine weitere Einkaufsmöglichkeit bestehen. Auch die Steuerfahndung hatte keine andere Erklärung und leitete ein Steuerstrafverfahren ein. Bei der folgenden Durchsuchung wurden persönliche Aufzeichnungen des beschuldigten Gastronomen entdeckt, in denen für einen gewissen Zeitraum die tatsächlichen Einnahmen niedergelegt waren, die mit den gebuchten Erlösen nicht übereinstimmten.  

 

Außerdem wurden Quittungen von Supermärkten über Getränkeeinkäufe gefunden. Die im Supermarkt gekauften Getränkekisten waren offensichtlich an den offiziellen Lieferanten zurückgegeben worden, was zu der negativen Leergutbilanz geführt hatte. Es gab auch Hinweise auf die Bezahlung von Aushilfskräften, die nicht in der Buchführung auftauchten. Bei der Vernehmung einzelner Aushilfskräfte kam heraus, dass diese die Anweisung hatten, sämtliche Thekenumsätze nicht in die Kasse einzugeben. Lediglich die Getränke, die zu einer Mahlzeit ausgeschenkt wurden, wurden korrekt als Einnahmen verbucht.  

 

3. Hochrechnung, Schätzung, Mehrsteuern

Da nur für einen kleinen Zeitraum Quittungen über die Schwarzeinkäufe vorhanden waren, mussten die Einkäufe der letzten Jahre an Hand dieser Unterlagen hochgerechnet werden. Daraus ergab sich ein Mehrumsatz i.H. von 80.000 EUR. Die hierauf entfallende Einkommen- und Umsatzsteuer musste der Gastronom über ein Darlehen finanzieren, das ihm von seinen Verwandten gewährt wurde. Das Strafverfahren wurde daraufhin gegen Zahlung einer Geldauflage i.H. von 10.000 EUR eingestellt. 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2011 | Seite 28 | ID 141135