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22.10.2010 |Steufa-Praxis

Arzthelferin zeigt ihren Chef an

Beim Finanzamt ging eine Anzeige einer Arzthelferin ein, die ihren früheren Chef - der Orthopäde hatte seiner Mitarbeiterin gekündigt - der Steuerhinterziehung beschuldigte. Sie habe jahrelang mit ansehen müssen, wie ihr Chef Schwarzgeld beiseite geschafft habe. Die Beamten werteten die Anzeige als typische Denunziation seitens einer enttäuschten Mitarbeiterin und beschlossen, der Sache nicht weiter nachzugehen.  

 

1. Traditionelle chinesische Medizin (TCM)

Ein Jahr später kam der Fall - unabhängig von der Anzeige - aber auf den Prüfungsgeschäftsplan. Im Rahmen der Prüfungsvorbereitungen nahm der Betriebsprüfer nun Kontakt zu der ehemaligen Angestellten auf.  

 

Die Arzthelferin hatte Folgendes beobachtet: Ihr früherer Arbeitgeber sei Orthopäde und habe eine Ausbildung in chinesischer Medizin. Da die Behandlungsmethoden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt würden, müssten die Kassenpatienten diese Leistungen aus eigener Tasche bezahlen. Bereits bei der Anmeldung habe sie den Patienten mitteilen müssen, dass die Behandlung nur gegen Barzahlung erfolgt. Auf diese Weise seien wöchentlich mehrere tausend Euro zusammengekommen. Die Beträge habe sie immer freitags zur Bank gebracht. Einmal habe sie die Kollegin vertreten müssen, die die Abrechnungen erstellte. Dabei habe sie zufällig bemerkt, dass das auf den Rechnungen angegebene Konto nicht das Konto war, auf das sie die Einzahlungen vornahm. Zur Kündigung habe geführt, als sie im Rahmen von Gehaltsverhandlungen gedroht habe, ihren Chef wegen Schwarzeinnahmen beim Finanzamt anzuzeigen. 

 

2. Prüfung, Geständnis und Steuernachzahlung

Zunächst kümmerte sich der Prüfer um die Bareinnahmen, die aber im Wesentlichen aus den vereinnahmten Praxisgebühren bestanden. Deshalb ließ er sich von dem Arzt den Leistungskatalog der Praxis geben. Hieraus konnte er entnehmen, dass tatsächlich Leistungen, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen ersetzt werden, wie Akkupunktur, Knochendichtemessungen und Behandlung mit Schallwellen, erbracht worden waren. Entsprechende Einnahmen konnte er allerdings nicht finden. Die angeordnete Durchsuchung führte zu der Erkenntnis, dass die frühere Mitarbeiterin zu Recht von Schwarzeinnahmen ausging, denn alle bar vereinnahmten Beträge von Kassenpatienten waren einem Privatkonto gutgeschrieben worden.  

 

Der Orthopäde räumte die Tat sehr schnell ein. Er hatte das ganze letzte Jahr schon mit einer Fahndungsmaßnahme gerechnet, da er die Drohung seiner ehemaligen Angestellten durchaus ernst genommen hatte. Sein Steuerberater hatte ihm zur Selbstanzeige geraten, wozu er allerdings keinen Mut gehabt habe. Insgesamt musste der Arzt 50.000 EUR an Steuernachzahlung und eine Geldauflage von 35.000 EUR leisten.  

Quelle: Ausgabe 11 / 2010 | Seite 288 | ID 139437