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·Fachbeitrag ·Steuerberaterkosten

Gebührenverhandlung mit dem Steuerberater - das müssen Sie wissen!

| Die Gebührenrechnung des Steuerberaters ist kein Buch mit sieben Siegeln. Mit etwas Basiswissen können Sie Ihre Rechnung prüfen und mit Ihrem Steuerberater das Honorar diskutieren. Der folgende Beitrag zeigt die Grundzüge der Steuerberater-Rechnung und erläutert außerdem, mit welchen Maßnahmen Sie die Beratungskosten senken können. |

Grundsätzliches zur Beratungsgebühr

Das Steuerberatungshonorar ist in der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) geregelt, die Sie auf der Homepage der Bundessteuerberaterkammer finden (www.bstbk.de). Je nach zu erledigender Aufgabe gibt es verschiedene Gebührenarten.

 

Die häufigste ist die Wertgebühr. Sie gilt zum Beispiel für Steuererklärungen, Buchhaltung, Gewinnermittlung etc. und lässt sich aus einer der Tabellen hinter der StBVV (Tabelle A-E) ablesen. Die Tabelle enthält Honorarstufen mit ansteigenden Gebühren. Maßgebend für die Einstufung ist der sogenannte Gegenstandswert. Je höher er ist, desto höher ist die zulässige Gebühr. Auf die Gebühr wird ein Gebührensatz angewandt. Er besagt, wie viel von dieser Gebühr berechnet wird. Die StBVV schreibt Mindest- und Höchstsätze vor.Fällt der Gegenstandswert zu niedrig aus greift ein Mindestgegenstandswert.

 

  • Beispiel

Die Gebühr für die Überschussrechnung einer Therapiepraxis mit 400.000 Euro Einnahmen richtet sich nach den Einnahmen (= der Gegenstandswert) und dem zulässigen Gebührensatz. Dieser kann zwischen 5/10 und 20/10 der Gebühr laut Tabelle B betragen. Ein Blick in die Tabelle B zeigt, dass die Gebühr für die Gewinnermittlung im Beispielsfall 629 Euro beträgt. Der Berater muss hiervon mindestens rd. 315 Euro (5/10) berechnen und darf höchstens 1.258 Euro (20/10) in Rechnung stellen. Der Höchstwert kommt selten zur Anwendung. In normalen Fällen darf der Mittelwert nicht überschritten werden. Das sind hier rund 786 Euro bzw. 12,5/10 (= unterster Wert plus oberster Wert, geteilt durch zwei). Die mittlere Gebühr ist die faktische Obergrenze dessen, was Ihr Berater regelmäßig berechnen darf. Nur bei Besonderheiten wie dringlicher Bearbeitung, Wochenendeinsatz, schwierigen Rechtsfragen oder aufwendigen Vergleichsberechnungen darf der Berater über die mittlere Gebühr hinausgehen.

 

Auch für die Finanzbuchführung gilt eine Wertgebühr. Gegenstandswert ist in der Regel der Umsatz. Die Gebühr kann zwischen 2 und 12/10 der vollen Gebühr laut Tabelle C betragen. Für die Praxis mit 400.000 Euro Umsatz sind das monatlich zwischen 74,20 und 445,20 Euro netto. Die mittlere Gebühr beträgt hier 7/10 bzw. 259,70 Euro monatlich. Eine eventuelle Umsatzsteuervoranmeldung ist enthalten. Welcher Gebührensatz zur Anwendung kommt, richtet sich nach dem Schwierigkeitsgrad und dem Umfang der Buchhaltung (Anzahl der Konten, wenige oder viele Buchungen, sortierte oder unsortierte Belege etc.).

 

MERKE | Manches möchte man aus Kostengründen gerne selbst erledigen - das gilt auch für die Finanzbuchhaltung. In der Praxis erweist sich dies als Trugschluss, denn wenn es an die Erstellung der Überschussrechnung für das Finanzamt geht, verursachen kleine Fehler in der Buchhaltung hohe Kosten für Nachprüfung und Klärung. Die vermeintliche Ersparnis wird zum Bumerang!

 

Bei der Lohnbuchhaltung wird eine Gebühr je Arbeitnehmer und Monat fällig. Sie kann für das Führen der Lohnkonten zwischen 5 und 25 Euro betragen. Die Lohnsteueranmeldung und die Anmeldung der Sozialversicherungsbeiträge sind darin enthalten. Allerdings kommen in der Regel noch diverse Einzelleistungen hinzu, wie beispielsweise An- und Abmeldung von Arbeitnehmern bei den Sozialkassen, Erstattungsanträge an Krankenkassen und Verdienstbescheinigungen - sie kosten extra.

 

Neben den genannten Gebühren gibt es für bestimmte Beratungsleistungen noch eine Zeitgebühr, die zwischen 30 und 70 Euro pro begonnener halber Stunde betragen darf. Die Zeitgebühr gibt es beispielsweise für die Teilnahme an Betriebsprüfungen oder das Prüfen von Steuerbescheiden.

 

Alle Gebühren der StBVV sind übrigens Nettobeträge. Die gesetzliche Umsatzsteuer kommt noch dazu.

 

MERKE | Eine höhere Gebühr als gesetzlich vorgesehen darf nur mit gesonderter schriftlicher Vereinbarung berechnet werden. Andererseits darf der Berater seine Leistung nicht unterhalb der Mindestgebühr abrechnen. Erfolgshonorare sind dem Steuerberater weitestgehend verboten. Betriebswirtschaftliche Leistungen außerhalb der Steuerberatung können hingegen unabhängig von der StBVV abgerechnet werden.

 

Was können Sie bei der Rechnung prüfen?

Die Rechnung des Steuerberaters muss grundsätzlich von ihm unterschrieben sein. Sie muss außerdem alles enthalten, was Sie für die Überprüfung benötigen. Das sind insbesondere die Gebührenposition mit Paragrafenangabe aus der StBVV, der Gegenstandswert, der Gebührensatz und der Betrag oder bei Zeitgebühren entsprechend der Satz und die Anzahl der (halben) Stunden. Sie können für sich nun prüfen

 

  • ob alle abgerechneten Leistungen erbracht wurden,
  • ob Sie diese auch wollten oder sie benötigt haben,
  • ob der Gegenstandswert korrekt ermittelt wurde und
  • ob die mittlere Gebühr oder der maximal zulässige Stundensatz überschritten wurden.

Welche Tätigkeit darf der Steuerberater wie abrechnen?

Die nachstehende Tabelle hilft Ihnen bei der Prüfung, ob Ihr Steuerberater die jeweilige Leistung korrekt abgerechnet hat. Sie beschreibt zu den häufigsten Leistungen die oben genannten Größen.

 

Wichtig | Da der Euro-Betrag mit steigendem Gegenstandswert ebenfalls steigt, kann die Tabelle keine Euro-Werte enthalten. Sie ergeben sich in jedem Einzelfall anders.

 

Leistung
Gegenstandswert
Gebührensatz und Tabelle
Mittlere Gebühr

Einkommensteuererklärung

(ohne Anlagen), § 24 StBVV

Summe der positiven Einkünfte*, mind. 8.000 Euro

1-6/10

Tabelle A

3,5/10

Anlagen für Mieteinkünfte, Kapitaleinkünfte, Anstellung, Renten etc., § 27 StBVV

Der höhere Betrag der Einnahmen oder Ausgaben, mind. 8.000 Euro

1-12/20

Tabelle A

6,5/10

Feststellungserklärung bei Gemeinschaftspraxen/Praxisgemeinschaften,

§ 24 StBVV

Summe der positiven Einkünfte*, mind. 8.000 Euro

1-5/10

Tabelle A

3,0/10

Umsatzsteuererklärung

10 Prozent der Umsätze, mind. 8.000 Euro

1-8/10

Tabelle A

4,5/10

Gewinnermittlung, zum Beispiel für die Praxis, § 25 StBVV

Der höhere Betrag der Einnahmen oder Ausgaben, mind. 12.500 Euro

5-20/10

Tabelle B

12,5/10

Außergewöhnliche Vorarbeiten 

zur Gewinnermittlung oder zu Steuererklärungsanlagen,

§§ 25/27 StBVV

Zeitgebühr,

30 bis 70 Euro je angefangene halbe Stunde

-

-

Bescheidprüfung, § 28 StBVV

Teilnahme an Betriebsprüfung,

§ 29 StBVV

Änderungsantrag zum Steuerbescheid, § 23 StBVV

„Wert des Interesses“ = Steuerbetrag, um den es geht

2-10/10

Tabelle A

6/10

Antrag auf Anpassung der Vorauszahlungen, § 23 StBVV

2-8/10Tabelle A

5/10

Einspruch, § 40 StBVV,

je nachdem, ob der Berater

  • a) vorher nicht damit befasst war,
  • b) den Bescheid geprüft hat,
  • c) die Erklärung erstellt hat oder
  • d) nur ein „Dreizeiler“ anfällt
  • a) 5-25/10
  • b) 3-20/10
  • c) 1-7,5/10
  • d) 3/10

Tabelle E

  • a) 15/10
  • b) 11,5/10
  • c) 4,25/10
  • d) -

Finanzbuchhaltung, 

§ 33 StBVV,ohne Einrichtung

Der höhere Betrag des Umsatzes oder der Ausgaben, mind. 15.000 Euro

2-12/10

Tabelle C

7/10

Lohnbuchhaltung,§ 34 StBVV,

ohne Einrichtung, Meldungen etc.

Anzahl der Arbeitnehmer

Betragsrahmen 5 Euro bis 25 Euro pro Arbeitnehmer und Monat

-

 

* d.h., Verluste (beispielsweise aus Vermietung) bleiben außen vor.

Praxistipps für die Gebührendiskussion

Möchten Sie mit Ihrem Berater über das Honorar diskutieren oder haben Sie gar einen Fehler in seiner Rechnung gefunden, hilft es, ein paar allgemeine Hinweise zu kennen, die nachfolgend aufgeführt sind.

 

  • Die Gebühren verschiedener Berater sind nicht direkt vergleichbar. Der Preis bestimmt in der Regel auch, wie intensiv sich der Berater selbst um Ihre Angelegenheiten kümmert, ob er für Sie immer schnell erreichbar ist, ob Sie Gestaltungstipps erhalten etc.

 

  • Ihre Steuerberatungsrechnung kann „optimiert“ werden. Die Kosten einer Einkommensteuererklärung oder einer Feststellungserklärung sind steuerlich nicht abziehbar, die für eine Gewinnermittlung hingegen schon. Fragen Sie, ob Ihr Berater innerhalb der Rechnung entsprechend gewichtet hat.

 

  • Hinterfragen Sie, welche Positionen Ihrer Einschätzung nach viel Arbeit gemacht haben und was Routine hätte sein müssen. Das sollte sich im Gebührensatz widerspiegeln. Falls nicht, sprechen Sie es an.

 

  • Wurde die mittlere Gebühr überschritten, fragen Sie nach den Gründen!

 

  • Finden Sie auf der Rechnung aus Ihrer Sicht überflüssige Leistungen, fragen Sie nach! Ein jährlicher Praxisvergleich ist nicht nötig, wenn Sie alteingesessen sind, Ihre Zahlen kennen und Ihre Organisation funktioniert. Generell gilt: Vereinbaren Sie vorher, welche Leistungen Sie wünschen.

 

  • Die Gebührenhöhe richtet sich vor allem nach der Bearbeitungszeit. Die Buchhaltungs- und Abschlussunterlagen geordnet und vollständig abzugeben, ist die effektivste Maßnahme zur Gebührensenkung. Je öfter Sie Unterlagen nachreichen, desto öfter wird Ihre Angelegenheit in die Hand genommen. Lassen Sie sich für Steuererklärungs-Unterlagen eine Anforderungsliste zusammenstellen, die Sie jährlich wieder verwenden können.

 

  • Theoretisch erlauben hohe Einnahmen und Gewinne auch hohe Rechnungen, weil die mittlere Gebühr steigt. Verdienen Sie gut, sollten Sie wenn möglich zumindest einen groben Vergleich mit Ihren Kollegen ziehen - insbesondere, wenn Sie denselben Berater haben.

 

  • Ihr Steuerberater hat Interesse an einer dauerhaften Mandatsbeziehung. Haben Sie Anlass zur Unzufriedenheit, wird er Ihnen daher im Einzelfall sicher einen Nachlass gewähren, um Sie zufriedenzustellen.

 

FAZIT | Preise für Einzelleistungen der Steuerberater sind faktisch nicht vergleichbar, da jeder Steuerfall anders gelagert ist. Sprechen Sie aber mit Ihren Kollegen über deren Steuerberatungshonorar, dann erhalten Sie Anhaltspunkte, wie viel Ihr Berater jährlich kosten darf. Grundsätzlich gilt, dass bei Steuerberatern - wie bei jedem Dienstleister - die Qualität der Leistung stark variieren kann. Billig ist in der Regel auch „billig“, weil der Wandel im Steuerrecht schnell und der Aufwand für qualifiziertes Personal hoch ist. Ein Dumpingpreis geht immer zulasten der Qualität! Andererseits ist ein teurer Berater noch kein Garant für gute Arbeit.

Quelle: Ausgabe 08 / 2015 | Seite 13 | ID 43436087