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·Fachbeitrag ·Umlageverfahren 1

Damit die Erkrankung des Angestellten nicht zur Belastung wird: AU schon am ersten Tag!

von RA, FA Arbeitsrecht Stephan Barz, Labenski Cansun Barz Rechtsanwälte, Seesen, www.LCB-Legal.de 

| In jedem Betrieb gibt es Mitarbeiter, die immer mal wieder einen einzelnen Tag krank sind. Dadurch wird die Praxis doppelt belastet: Die Arbeitsleistung des Angestellten fällt aus und außerdem muss das Gehalt weitergezahlt werden. Eine finanzielle Hilfe stellt hier das Umlageverfahren U1 dar. Hierdurch wird das für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit weitergezahlte Gehalt größtenteils erstattet - allerdings nur dann, wenn eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vorliegt! |

AU-Vorlage schon am ersten Krankheitstag

Wenn Sie in Ihrem Betrieb nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen, nehmen Sie bereits am Umlageverfahren 1 (U1) teil (Details dazu weiter unten). Aber nutzen Sie die Möglichkeiten dieses Verfahrens auch aus? Vielleicht sammeln sich bei Ihnen im Laufe des Jahres sehr viele einzelne Krankheitstage an, für die Ihnen keine AU vorgelegt wurde? Dann verschwenden Sie bares Geld! Denn auch wenn Sie nur Beiträge für die ermäßigte Umlage zahlen, bekommen Sie noch 50 Prozent der Kosten erstattet, die Ihnen durch die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall entstehen. Zahlen Sie die erhöhte Umlage, sind es sogar 80 Prozent!

 

Wie Sie in PP Nr. 12/2012, S. 14 lesen konnten, hat das Bundesarbeitsgericht vor kurzem bestätigt, dass der Arbeitgeber eine AU-Vorlage schon am ersten Krankheitstag verlangen darf (Urteil vom 14.11.2012, Az: 5 AZR 886/11 ). Machen Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch!

 

PRAXISHINWEIS |  Um die Mitarbeiter nicht gegen sich aufzubringen, macht es Sinn, die AU-Vorlage für einzelne Krankheitstage erst zu verlangen, wenn eine bestimmte Anzahl an einzelnen Krankheitstagen überschritten wurde. So müssen sich zuverlässige Mitarbeiter nicht ärgern, wenn sie wegen eines Schnupfens einmal einen Tag fehlen. Gleichzeitig disziplinieren Sie aber die Mitarbeiter, die wegen jeder Kleinigkeit „krank“ sind. Lassen Sie zum Beispiel vier einzelne Krankheitstage ohne AU zu und verlangen erst ab dem fünften Tag im Jahr auch für einzelne Krankheitstage die AU.

 

Das Umlageverfahren U1

Im Rahmen des U1-Verfahrens erstattet die Krankenkasse dem Arbeitgeber bis zu 80 Prozent des während einer Arbeitsunfähigkeit oder einer medizinischen Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahme fortgezahlten Arbeitsentgelts. Außerdem die darauf entfallenden Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, zu einer berufsständischen Versorgungseinrichtung und zur freiwilligen oder privaten Kranken- und Pflegeversicherung. Viele Krankenkassen sehen per Satzungsbestimmung allerdings gar keine bzw. nur eine pauschale Erstattung der Arbeitgeberbeitragsanteile vor.

 

MERKE |  Die Erstattung erfolgt nur, wenn der Arbeitnehmer eine AU bei seiner Krankenkasse eingereicht hat.

 

Zuständig für die Durchführung des U1-Verfahrens ist die Krankenkasse, bei der der Mitarbeiter versichert ist. Eine Sonderregelung gilt für alle geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer (sogenannte „Mini-Jobber“); für sie wird das U1-Verfahren stets von der Bundesknappschaft in Bochum durchgeführt.

 

Am Umlageverfahren nehmen grundsätzlich alle Arbeitgeber teil, die regelmäßig nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen. Hat ein Arbeitgeber mehrere Betriebe oder Betriebsteile, ist die Zahl der in den verschiedenen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer zusammenzurechnen. Teilzeitbeschäftigte werden nur anteilig entsprechend ihrer Arbeitszeit berücksichtigt:

 

  • Bis 10 Stunden mit dem Faktor 0,25
  • mehr als 10 Stunden bis 20 Stunden mit dem Faktor 0,5
  • mehr als 20 Stunden bis 30 Stunden mit dem Faktor 0,75
  • Teilzeitbeschäftigte mit einer regelmäßigen Arbeitszeit von mehr als 30 Stunden werden voll berücksichtigt (Faktor 1,0)

 

Bei der Zählung nicht mit berücksichtigt werden Auszubildende, Praktikanten, Mitarbeiter in Elternzeit und Schwerbehinderte bzw. diesen gleichgestellte.

 

Der Arbeitgeber prüft auf der Grundlage der Vorjahreszahlen die Zugehörigkeit zum U1-Verfahren jeweils zum Beginn eines Kalenderjahres. Die Feststellung gilt dann für das gesamte Kalenderjahr - selbst wenn sich im Laufe des Kalenderjahres die Beschäftigtenzahl erheblich verändert. Die für die Feststellung notwendigen Angaben stellt der Arbeitgeber der/den Krankenkasse(n) zur Verfügung, bei der seine Arbeitnehmer pflichtversichert sind.

 

Die Mittel zur Durchführung des U1-Verfahrens werden durch eine Umlage von den am Ausgleich beteiligten Arbeitgebern aufgebracht. Die Umlage errechnet sich nach einem Prozentsatz vom Bruttoarbeitsentgelt aller Arbeitnehmer, die bei der jeweiligen Krankenkasse versichert sind. Die Höhe des Umlagesatzes liegt (je nach Erstattungssatz und Krankenkasse) zwischen 1,2 und 3,9 Prozent. Die Umlagen sind gemeinsam mit den Gesamtsozialversicherungsbeiträgen an die Krankenkassen zu zahlen, bei denen die Arbeitnehmer versichert sind.

 

Weiterführende Hinweise

  • Neben der U1 existiert auch die U2, das Erstattungsverfahren bei Mutterschaft. Hier beträgt die Erstattung durch die Krankenkassen stets 100 Prozent für die Zeit des Mutterschutzes (14 Wochen).
  • BAG bestätigt: Arbeitgeber darf AU-Vorlage schon am ersten Krankheitstag verlangen (PP 12/2012, Seite 14)
Quelle: Ausgabe 05 / 2013 | Seite 10 | ID 37950040