· Fachbeitrag · Praxisangebot
Beweglich bleiben und Stress abbauen: Stretching als Selbstzahlerangebot
von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler Thomas Colshorn M. A., Bremen
Die meisten denken beim Thema Stretching vermutlich an unbequeme Haltungen, ziehende Schmerzen und den Wunsch, es möge bald vorbei sein. Dabei muss ein Dehntraining nicht notwendiges Übel sein, sondern kann Spaß machen – und sinnvoll sein!
Dehnen wirkt – und nicht nur körperlich
Genau genommen, sind Dehnen und Stretching ein und dasselbe. Stretching klingt allerdings dynamischer und besser, als das angestaubte Dehnen. Von antiken Dehntechniken wie dem Yoga ausgehend, hat sich das Stretching bis heute in der Gesundheits- und Fitnessszene gehalten, wenn es auch immer mal wieder mehr oder weniger starken Neuerungen unterworfen war: Nach dem sehr dynamischen sogenannten ballistischen Dehnen der 1950er-Jahre, kam in den 70ern das statisch-passive Dehnen in Mode, wurde später von ausgefeilteren Methoden, wie dem PNF-Stretching abgelöst, und hat sich auch über den neuen Aufstieg von Yoga und Pilates hinweg bis heute erhalten. Aus gutem Grund, wie wir gleich sehen werden.
Bei einer Umfrage würden die meisten wohl darauf verweisen, dass Stretching die Beweglichkeit erhält. Das stimmt auch, allerdings ist auch hier das Kleingedruckte von Bedeutung: Es kommt nämlich darauf an, wann man sich wie dehnt. Lange Zeit hielt sich der Glaube, Dehnen vor dem Sport reduziere das Verletzungsrisiko. Das ist schon seit Langem widerlegt, genauso wie die Annahme, Stretching nach dem Sport beuge Muskelkater vor. Wer es ausprobiert wird merken: Nein, tut es nicht. Aus rein biomechanischer Sicht gibt es bei gesunden Personen mit einer normalen Beweglichkeit auch keinen zwingenden Grund. Aber Dehnen hat darüber hinaus noch weitere Wirkungen – auch psychische.
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