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  • ·Fachbeitrag ·Therapieangebot

    Rehasport als Angebot in der Physiopraxis: Definition und Qualifikationsvoraussetzungen

    von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M. A. Thomas Colshorn, Bremen

    | Der ein oder andere Praxisinhaber wird seinen Patienten sicherlich schon einmal Rehasport empfohlen haben. Oder Patienten haben sich ihrerseits erkundigt, ob es denn vielleicht einen Kurs für Rehasport in der Praxis gibt. Häufig verwechseln Patienten - und auch Therapeuten - Rehasport mit Präventionskursen. Der folgende PP-Beitrag erklärt den Unterschied und stellt die Qualifikationsvoraussetzungen für Physiotherapeuten vor, die Rehasport in ihrer Praxis anbieten wollen. |

    Abgrenzung: Prävention - Rehasport - Funktionstraining

    Bei Angeboten zur Prävention steht sinngemäß die Primärprävention (d. h. die Vorbeugung von Erkrankungen) im Vordergrund. Seit 01.01.2017 können Ärzte Präventionskurse empfehlen (siehe PP-Sonderausgabe „Umsatzplus durch Prävention, online unter pp.iww.de, Abruf-Nr. 44569818.)

     

    Der Schwerpunkt des Rehasports liegt auf der sportlichen Komponente, also Bewegung in Verbindung mit spielerischen und/oder sportlichen Elementen. Rehasport wird auf Rezept verschrieben. Inhaltlich ist der Rehasport vor allem auf Schwimmen, Gymnastik, Bewegungsspiele und Leichtathletik fokussiert und auf das Leistungsniveau der Teilnehmer abgestimmt. Ausgeschlossen sind Kampf- oder Risikosportarten, die mit einer erhöhten Verletzungsgefahr einhergehen.

     

    MERKE | Die grundlegenden Vorgaben und Inhalte des Rehasports sind in der „Rahmenvereinbarung über den Rehabilitationssport und das Funktionstraining“ der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) definiert (aktuelle Fassung vom 01.01.2011 online unter http://tinyurl.com/yckc6uon).

     

    Demnach ist der Rehasport explizit „für behinderte und von Behinderung bedrohte Menschen“ gedacht. Der Begriff „Behinderung“ umfasst in diesem Zusammenhang auch Personen mit chronischen Erkrankungen (z. B. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Multiple Sklerose). Ziel ist es, die körperliche Konstitution der Teilnehmer zu verbessern, Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten und eine soziale Teilhabe am Leben zu ermöglichen. Träger des Rehasports sind vorrangig die gesetzlichen Krankenversicherungen, die gesetzliche Rentenversicherung oder die Unfallversicherung.

     

    Vom Rehasport zu unterscheiden ist das Funktionstraining, das ebenfalls verschrieben werden kann. Im Unterschied zum Rehasport wird hier allerdings in der Gruppe mit physio- oder ergotherapeutischen Mitteln und weniger sportbetont gearbeitet.

    Qualifikation der Übungsleiter

    Rehasport wird für insgesamt sechs Schwerpunktbereiche angeboten: Orthopädie, Innere Medizin (mit Herzsport), Neurologie, geistige Behinderung, Psychiatrie und Sensorik. Physiotherapeuten können in den ersten drei Bereichen Kurse leiten oder anbieten, vorausgesetzt, sie verfügen über die notwendigen Zusatzqualifikationen. Ähnlich wie bei Präventionskursen sind je nach Bereich unterschiedliche qualitative Anforderungen zu erfüllen. Die Fortbildung zum Übungsleiter Rehasport ist modular aufgebaut und erfordert zuerst ein Grundlagenseminar, auf dem aufbauend Lizenzen für die einzelnen Fachgebiete (sogenannte Lizenzstufe II) absolviert werden können.

     

    • Anforderungen für nicht vorqualifizierte Personen
    Modul
    Umfang
    Inhalte

    Grundlagenseminar (Block 10)

    90 Unterrichts-einheiten (UE)

    Einführung in den Sport mit Behinderten (Trainingslehre, Organisation, Verwaltung, Medizin)

    Orthopädie

    90 UE

    Orthopädische Krankheitsbilder (z. B. Amputation, Gelenkschäden und -ersatz, Morbus Bechterew, Wirbelsäulen- und Krebserkrankungen)

    Innere Medizin (mit Herzsport)

    120 UE

    Innere Krankheitsbilder (z. B. Asthma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- und Gefäßerkrankungen)

    Neurologie

    90 UE

    Neurologische Krankheitsbilder (z. B. Epilepsie, MS, Parkinson, Querschnittslähmungen)

     

    Physiotherapeuten können die Qualifikation in einer verkürzten Fortbildung erwerben. Das Modul „Innere Medizin (mit Herzsport) ist dabei geteilt:

     

    • Grundlehrgang: 36 UE (statt 90 UE)
    • Lizenz Orthopädie und Neurologie: mind. 16 UE (statt 90 UE)
    • Lizenz Innere Medizin: mindestens 24 UE (statt 120 UE)
    • Lizenz Herzsport: mindestens 36 UE (statt 120 UE)

    Fortbildungskosten

    Am Markt finden sich zahlreiche Anbieter wie z. B. die Deutsche Fitnesslehrer Vereinigung e. V. (dflv e. V.). Wenden Sie sich am besten in Aus- und Fortbildungsfragen direkt an den Deutschen Behindertensportverband e. V. (DBS) oder die jeweiligen Landesverbände (Liste der Verbände online unter http://tinyurl.com/yclsqjd8). Häufig erhalten Verbandsmitglieder Preisnachlässe. Da die Preise z. T. erheblich schwanken (je nach Bundesland und je nachdem, ob Übernachtung und Verpflegung enthalten sind), sind an dieser Stelle nur ungefähre Angaben möglich: Z. B. kostet eine häufig angebotene Kombination aus Grundlehrgang und Orthopädie-Lizenz mit insgesamt 52 UE zwischen rd. 200 Euro (für Verbandsmitglieder) bis 600 Euro (Nichtmitglieder).

     

    • Folgebeitrag: Organisation, Vergütung und Zertifizierung

    Wie Sie als Physiotherapeut ein Rehasport-Angebot aufbauen, mit welcher Vergütung sie rechnen können und wie Sie sich als Anbieter zertifizieren lassen können, erfahren Sie in einem Folgebeitrag in PP.

     
    Quelle: Ausgabe 08 / 2017 | Seite 12 | ID 44795674