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·Fachbeitrag ·Präventionsempfehlung

Der Präventionskurs als ärztliche Verordnung?

von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M. A. Thomas Colshorn, Bremen

| Für alle Anbieter von Präventionskursen wird es ab dem kommenden Jahr eine bedeutende Neuerung geben: Ab Januar 2017 sollen Ärzte ihren Patienten Präventionskurse empfehlen können. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 19. Mai 2016 beschlossen (siehe PP 08/2016, Seite 1 oben). Was genau der G-BA-Beschluss umfasst und was er für Sie als Physiotherapeuten bedeutet, fasst PP zusammen. |

Grundsatz des G-BA-Beschlusses

Der für Physiotherapeuten wichtigste Punkt des G-BA-Beschlusses dürfte die Entscheidung sein, dass Ärzte ab 1. Januar 2017 ihren Patienten Präventionskurse empfehlen können, wenn sie der Ansicht sind, dass eine solche Maßnahme „medizinisch angezeigt“ ist. Ziel der Maßnahme ist es, mehr Versicherte zum Besuch von Kursen zu motivieren und damit eine Verhaltensänderung im Sinne der Primärprävention zu bewirken. Der Begriff „Empfehlung“ impliziert aber auch, dass es sich nicht um eine Verordnung im Sinne eines Rezepts handelt, sondern nur um einen Vorschlag. Wie der Versicherte diese Empfehlung handhaben soll und ob er sie eventuell ausschlagen kann, darüber sagt der Beschluss zunächst einmal nichts.

Verfahren der Präventionsempfehlung

Wörtlich heißt es jetzt in den geänderten Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinien: „Sofern dies medizinisch angezeigt ist, stellt die Ärztin oder der Arzt eine Präventionsempfehlung (gemäß Anlage 2) für Leistungen zur verhaltensbezogenen Prävention nach § 20 Absatz 5 SGB V aus.“ Der Arzt entscheidet dabei, aus welchem der im „Leitfaden Prävention“ genannten Handlungsfelder das Angebot stammen soll (Bewegung, Ernährung, Stressmanagement, Suchtmittelkonsum; zum Leitfaden siehe auch PP 02/2016, Seite 13). Angesprochen werden sollen vor allem Versicherte, bei denen „der Präventionsbedarf und das Potenzial besonders groß sind“, so die Begründung in einem Text des G-BA. Dazu gehören z. B. beruflich und familiär besonders belastete Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund oder chronisch kranke Menschen.

Drei Gründe, warum Sie als Anbieter jetzt handeln sollten

Voraussichtlich ist ab dem kommenden Jahr mit einer erhöhten Nachfrage nach Kursen zu rechnen. Überlegen Sie sich als Physiotherapeut, ob und inwieweit sie sich an dieser Entwicklung beteiligen wollen. Gerade für Neueinsteiger bieten sich hier am zweiten Gesundheitsmarkt große Chancen. Den aktuellen Trends entsprechend, bewegt sich dieser Markt eindeutig in Richtung individualisierter Aktivangebote; darunter fallen auch Präventionskurse. Allerdings sollten Sie sich als Anbieter auch nicht zurücklehnen und darauf warten, dass ab 2017 die Kursinteressenten aus den Arztpraxen hereinströmen. Noch immer ist Eigeninitiative gefragt. Das hat vor allem drei Gründe.

 

1. Viele Ärzte kennen die neue Regelung oder die Heilmittel nicht

Die Kursempfehlung ist für Personen mit besonders hohem Präventionsbedarf gedacht. Ob ein solcher Bedarf vorliegt, entscheidet zunächst einmal der Arzt, nicht der Versicherte. Nicht alle Ärzte sind automatisch mit der neuen Regelung vertraut und wenden diese an. Darüber hinaus sind Ärzte zum Teil noch immer skeptisch, was Bewegungskurse betrifft oder wissen nicht, welche Inhalte und Übungen genau in Pilates oder Progressiver Muskelentspannung enthalten sind.

 

2. Viele Ärzte kennen Sie als Anbieter nicht

Klären Sie ab, welche Ärzte in der Umgebung überhaupt wissen, dass Sie Präventionskurse anbieten. Wenn Ihnen daran liegt, Ihre Kurssparte weiter auszubauen und von der neuen Regelung zu profitieren, sollten Sie ein kurzes Schreiben aufsetzen oder einen Flyer konzipieren, in dem Sie einerseits auf die neue Regelung hinweisen und andererseits Ihr Angebot vorstellen. Versenden Sie dieses Schreiben an die infrage kommenden Ärzte in Ihrer Umgebung.

 

PRAXISHINWEIS | Vereinbaren Sie besser noch einen persönlichen Termin mit den betreffenden Ärzten vor Ort. Das ist zwar zeitaufwendig und neben Ihrer alltäglichen Arbeit vielleicht schwierig umzusetzen, garantiert aber, dass Sie als Anbieter wirklich präsent sind und zusätzliche Kurse aufbauen können.

 

3. Viele Versicherte kennen die neue Regelung nicht

Drittens müssen Sie davon ausgehen, dass auch einem Großteil der Versicherten die neue Regelung nicht geläufig ist - vielen ist nicht einmal bekannt, dass die gesetzliche Krankenversicherung überhaupt Präventionskurse bezuschusst. Auch hier herrscht Aufklärungsbedarf.

 

PRAXISHINWEIS | Weisen Sie mit Flyern und/oder Aushängen in Ihrer Praxis auf Ihr Präventionsangebot hin und ermuntern Sie Ihre Patienten, den Arzt nach einer solchen Empfehlung zu fragen. Rein theoretisch ist das natürlich nicht notwendig, da Kunden den Kurs auch direkt bei Ihnen buchen könnten. Dennoch fühlen sich manche Patienten sicherer, wenn sie eine ärztliche Empfehlung und damit das O.K. vom Arzt bekommen, an einem Kurs teilzunehmen.

 

Zu erwartende Auswirkungen der Regelung sind positiv

Die kommende ärztliche Präventionsempfehlung misst der Prävention - und vor allem dem Aspekt der Bewegung - einen bedeutend größeren Stellenwert bei als bisher. Durch den G-BA-Beschluss dürften mehr Menschen an einer Präventionsmaßnahme teilnehmen und damit auch mehr Versicherte „in Bewegung“ gebracht werden. Zudem verlangt die Maßnahme, nach einem engeren und direkteren Kontakt zwischen Physiotherapeut und Arzt, was im Sinne einer besseren Patientenversorgung ebenfalls zu begrüßen ist.

 

PRAXISHINWEIS | Wie Sie sich auf die Präventionsempfehlung betriebswirtschaftlich einstellen, lesen Sie in PP 09/2016, Seite 5.

 
Quelle: Ausgabe 09 / 2016 | Seite 3 | ID 44224090