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·Fachbeitrag ·Prävention

Keine Angst vor der Zentralen Prüfstelle für Prävention

von Physiotherapeut/Sportwissenschaftler M.A., Thomas Colshorn, Bremen

| Präventionskurse sind für viele Physiotherapeuten mittlerweile als festes Angebot in ihrer Praxis verankert. Für potenzielle Anbieter allerdings stellt die Zertifizierung durch die Zentrale Prüfstelle für Prävention immer wieder eine Hürde dar. Häufig scheuen sie den damit verbundenen Aufwand, der in den vergangenen Jahren und mit Einführung der Prüfstelle erheblich zugenommen hat. Der Beitrag gibt insbesondere Einsteigern einen Überblick über die Prüfstelle und das Prozedere einer Zertifizierung. |

Was ist die Zentrale Prüfstelle?

Die Zentrale Prüfstelle für Prävention ist eine Kooperationsgemeinschaft der gesetzlichen Krankenkassen und wird von der Gesellschaft für Gesundheit mbH mit Sitz in Essen betrieben. Sie ist seit dem 1. Januar 2014 bundesweit für die Prüfung und Anerkennung von Präventionsangeboten im Sinne einer Qualitätskontrolle zuständig. Eine Zertifizierung ist kostenlos und gilt drei Jahre, anschließend muss das Kursangebot - ebenfalls kostenlos - rezertifiziert werden. Die Datenbank der Prüfstelle fungiert dabei als Schnittstelle zwischen Ihnen als Anbieter, den Krankenkassen und den Kunden, die auf der Suche nach zertifizierten Trainern oder Kursangeboten sind. Versicherte haben für die Suche die Möglichkeit, über die Suchfunktion auf der Startseite der Prüfstelle nach Angeboten in ihrer Umgebung zu suchen. Zugleich werden Sie als Therapeut mit einem Eintrag in der Datenbank automatisch auch als Anbieter bei den lokalen Krankenkassen gelistet, sodass diese ihre Versicherten bei Anfragen konkret an Sie verweisen können.

 

MERKE | Für eine Anerkennung als Angebot der Primärprävention nach § 20 SGB V ist eine Zertifizierung und damit ein Eintrag in die Datenbank der Prüfstelle unverzichtbar. Nur einige wenige Kassen (AOK sowie einzelne BKKen) greifen nicht auf diese Datenbank zu, da sie ausschließlich eigene Präventionskurse anbieten. Vor Einrichtung der Prüfstelle waren die Ersatzkassen weitgehend selber für eine Anerkennung und Zertifizierung zuständig; Angebote für die Betriebskrankenkassen waren in der sogenannten easy!-Datenbank zusammengefasst.

 

Welche Angebote kann ich zertifizieren lassen?

Grundsätzlich gibt der „Leitfaden Prävention“ vor, was für Angebote zertifizierungsfähig sind. Insgesamt werden dabei sechs verschiedene Präventionsprinzipien unterschieden, die - je nach Schwerpunkt - unterschiedliche Grundqualifikationen erfordern. Physiotherapeuten sind demnach für folgende Prinzipien qualifiziert:

 

  • Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität (zum Beispiel Rückenschule, Nordic Walking, Pilates, Aquagymnastik)

 

  • Vorbeugung und Reduzierung spezieller gesundheitlicher Risiken durch geeignete verhaltens- und gesundheitsorientierte Bewegungsprogramme (zum Beispiel Rückenschule, Nordic Walking, Pilates, Aquagymnastik)

 

  • Förderung von Entspannung (Palliativ-regeneratives Stressmanagement) (zum Beispiel Yoga, Qigong, Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung)

 

Der Unterschied zwischen den beiden erstgenannten Prinzipien besteht in der Definition der Zielgruppe: Das erste Prinzip richtet sich vor allem an Personen mit grundsätzlichem Bewegungsmangel, die wieder an eine sportliche Betätigung herangeführt werden sollen. Das zweite Prinzip zielt auf Teilnehmer ab, die alltags- oder berufsbedingt einer bestimmten Risikogruppe zuzurechnen sind (zum Beispiel Kraftfahrer oder Altenpfleger). Da es sich um Angebote der Prävention handelt, wird vorausgesetzt, dass nicht bereits eine akute Erkrankung vorliegt.

Wie läuft eine Zertifizierung ab?

Die Anmeldung als Trainer sowie das Beantragen von Kurszertifizierungen laufen vollständig online über die Website der Prüfstelle ab (www.zentrale-pruefstelle-praevention.de). Dazu ist zunächst eine Registrierung mit Angabe der persönlichen Daten sowie eines Benutzernamens und eines Passwortes erforderlich. Anschließend können beliebig viele Kurse angemeldet werden. Erforderlich sind dafür immer

 

  • ein Nachweis der Grundqualifikation (Ernennungsurkunde, Examenszeugnis)
  • ein Nachweis der Zusatzqualifikation (zum Beispiel Lizenz als Pilates-Trainer)
  • Stundenbilder (zeitliche und inhaltliche Auflistung jeder einzelnen Kursstunde)
  • Teilnehmermaterialien (zum Beispiel Handout mit Übungsbeschreibungen)

 

Sind diese Unterlagen nicht gemäß den Anforderungen des „Leitfaden Prävention“ vorhanden, erfolgt keine Zertifizierung. Erfahrungsgemäß gibt es häufig Probleme bei der Aufstellung der Stundenbilder. Bis vor einigen Jahren reichte dafür eine relativ grobe Zusammenfassung der Kursinhalte aus, mit je drei bis vier stichpunktartigen Angaben zu den einzelnen Stunden. Mittlerweile sind sehr viel detailliertere Stundenbilder vorgesehen, inklusive der Angaben zur Dauer in Minuten, zum Ziel und zur Organisationsform sowie zu eventuell benötigten Zusatzgeräten. Eine derartige Auflistung für einen acht- oder zehnwöchigen Kurs zu erstellen, nimmt viel Zeit in Anspruch. Dennoch sollten Sie sich davon nicht abschrecken lassen! Hat man die Stundenbilder erst einmal beisammen, kann man sie bei der Neuzertifizierung erneut einreichen. Eventuell müssen sie angepasst werden, aber solange das Grundgerüst steht, ist der größte Teil der Arbeit erledigt. Entsprechende Vordrucke stehen auf der Seite der Prüfstelle zum Download bereit.

 

PRAXISHINWEIS | Bei einigen Fortbildungsanbietern beinhaltet der Besuch der Fortbildung gleichzeitig fertig ausgearbeitete Stundenbilder, die automatisch von der Prüfstelle akzeptiert werden. Dies ist zum Beispiel bei allen Rückenschullehrer-Lizenzen nach den Richtlinien der Konföderation der deutschen Rückenschulen (KddR) der Fall.

 

Darüber hinaus fordert die Prüfstelle bestimmte Angaben zu Zielgruppe, Präventionsprinzip, Dauer, Kursbeitrag und Raumausstattung (optional). Diese Angaben werden direkt auf der Website eingetragen. Sind diese Angaben fehlerhaft oder ungenügend, erfolgt ebenfalls keine Zertifizierung. Die Prüfstelle benachrichtigt per E-Mail über die fehlende oder mangelhafte Information, sodass man relativ leicht nachbessern kann.

Was muss ich bei meinen Kursangeboten beachten?

Um als förderungswürdige Maßnahme im Sinne der Primärprävention anerkannt zu werden, muss ein Bewegungs- oder Entspannungsangebot bestimmte Anforderungen erfüllen. Zeitlich sollte sich ein Kurs über mindestens acht, maximal aber zwölf Wochen oder Termine erstrecken, wobei eine Einheit wiederum mindestens 45 Minuten und maximal 90 Minuten dauern darf. Die Gruppengröße ist auf höchstens 15 Teilnehmer beschränkt. In Einzelfällen können Kompaktangebote zur Zertifizierung eingereicht werden, die den zeitlichen Umfang zum Beispiel auf ein Wochenende reduzieren.

 

  • Grundsätzlich nicht gefördert werden Maßnahmen, die ...
  • kein zeitlich abgegrenztes, sondern ein Dauerangebot darstellen,
  • eine Mitgliedschaft erfordern (zum Beispiel Fitnessstudio, Verein),
  • an bestimmte Geräte eines Herstellers gebunden sind,
  • sich an Kinder richten, die jünger als sechs Jahre sind,
  • nicht weltanschaulich neutral sind oder
  • auf eine Sportart begrenzt sind (Nordic Walking, Yoga, Pilates, Qigong und Taijiquan zählen dabei nicht als Sportart).
 

Fortsetzung folgt! Im zweiten Teil dieser Reihe folgen Informationen zu häufigen Problemen beim Zertifizierungsprozess sowie Hilfen und weitere Tipps für eine erfolgreiche Zertifizierung.

 

Weiterführende Hinweise

  • Zentrale Prüfstelle Prävention wird gut angenommen (PP 03/2014, Seite 1)
Quelle: Ausgabe 01 / 2016 | Seite 3 | ID 43761282