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  • ·Fachbeitrag ·Berufspolitik

    Digitalisierung und Direktzugang: breiter Konsens auf dem IFK-Jubiläumssymposium

    | Bei der Digitalisierung und beim Direktzugang besteht in der Physiotherapie dringender Handlungsbedarf. Darüber sind sich Politik und Wirtschaft einig. Das ist eines der Ergebnisse des Jubiläumssymposiums vom 12.06.2021 zum 40. Geburtstag des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) e. V. Wegen Corona fand das Symposium volldigital statt. |

     

    Digitalisierung ist Unterstützung, kein Ersatz

    Mehr Digitalisierung in der Physiotherapie könnte z. B. so aussehen: Der Therapeut befundet den Patienten in der Praxis und verordnet eine App, mit welcher der Patient unterstützend zu Hause trainieren kann. Über ein Video in der App kann der Patient kontrollieren, ob er die Übungen richtig ausführt. Der Therapeut sieht, wie oft der Patient über die App trainiert hat. Beim nächsten Behandlungstermin bewertet er die Situation neu. So das Szenario von Prof. Dr. David Matusiewicz, FOM Hochschule für Oekonomie & Management.

     

    Laura Wamprecht, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Flying Health und Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer finden dieses Modell sinnvoll. Allerdings müssten alle Akteure im Gesundheitswesen miteinander vernetzt anstatt nebeneinander agieren. Dafür brauchen die Physiotherapeuten Zugang zur elektronischen Patientenakte (vgl. Interview in PP 02/2020, Seite 6) und einen elektronischen Heilberufsausweis. Im Jahr 2026 wird dieser für Physiotherapeuten Pflicht. Nutzen können sie ihn schon ab Januar 2022, so Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik GmbH. Baustellen sieht die IFK-Vorsitzende Ute Repschläger jedoch darin, dass es zurzeit noch zu wenig sinnvolle digitale Anwendungen für Therapeuten gibt.

     

    Rückenwind aus der Politik für den Direktzugang

    Auch die Arbeitsbedingungen und die Vergütung der Physiotherapeuten müssen besser werden: Dr. Georg Kippels MdB (CDU), Mitglied des Bundestagsgesundheitsausschusses, erklärte, die Politik sei mit dem schleppenden Fortgang der Rahmenverhandlungen (PP 05/2021, Seite 3) unzufrieden. Bettina Müller MdB (SPD), ebenfalls Mitglied des Gesundheitsausschusses, nannte die Vergütungssituation der Therapeuten in Deutschland „nach wie vor erbärmlich“.

     

    Rückenwind aus Politik und Wirtschaft kommt vor allem beim Thema Direktzugang: Prof. Dr. Annette Probst, HAWK ‒ Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, forderte, Therapeuten müssten frei über Art und Frequenz der Therapie entscheiden dürfen. Marret Bohn MdL, Sprecherin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung (Bündnis 90/Die Grünen), fordert ein offenes Versorgungssystem, in dem Patienten direkt den Therapeuten aufsuchen können, anstatt wochenlang auf einen Termin beim Orthopäden zu warten. Bettina Müller sieht ohne Direktzugang langfristig die Patientenversorgung auf dem Land gefährdet. Die IFK-Vorsitzende Ute Repschläger bat die anwesenden politischen Vertreter, sich in der nächsten Legislaturperiode des Themas anzunehmen, um den Direktzugang perspektivisch zu ermöglichen.

    Quelle: Ausgabe 07 / 2021 | Seite 4 | ID 47477674