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  • · Fachbeitrag · Aus- und Weiterbildung

    Drei Gründe, warum Onlinefortbildungen in der Physiotherapie wenig nützen

    von Dipl.-Sportwissenschaftler Christian Kunert, Dortmund

    | Lange galt E-Learning in der Aus-, Fort- und Weiterbildung als Exot ‒ bis zur Coronapandemie: Schulen, Hochschulen und andere Bildungsträger stellten ihr Lehrangebot auf Onlineformate um. Was zunächst als Übergangslösung galt, hat sich mittlerweile am Markt etabliert. Das zeigt auch der weltweite Umsatz für E-Learning-Plattformen: Nach Angaben des Portals statista.de lag der Umsatz vor Corona noch bei 1,4 Mrd. US-Dollar und hat sich seither mehr als verdoppelt. Doch beim Transfer physiotherapeutischen Fachwissens hat E-Learning aus drei Gründen seine Grenzen. |

     

    1. Das Empfinden nonverbaler Kommunikation fehlt

    In der Coronapandemie waren Bildschirme mit 20 oder mehr Teilnehmern keine Seltenheit. Doch das Tagesgeschäft in bewegungsorientierten Tätigkeitsfeldern lebt davon, nonverbal zu kommunizieren. Therapeuten oder Trainer lesen in den Gesichtern der Patienten oder Kunden, wo sie gerade im Schmerzempfinden, im Übungsverständnis oder in der subjektiven Belastungsempfindung stehen. Diese Dimension geht in Onlineformaten völlig verloren.

     

    2. Der Transfer praktischer Informationen geht verloren bzw. findet nicht statt

    Ähnlich ist es mit dem Wissenstransfer praktischer Informationen. Das Übungserlebnis, das Miteinander und auch das gegenseitige Pushen gehen online verloren oder finden gar nicht erst statt. Und so waren während der Pandemie die didaktischen Lernergebnisse praktischer Inhalte in Onlineformaten ‒ wenn überhaupt ‒ nur Durchschnitt (PP 03/2025, Seite 16 ff.).

     

    3. Ein therapeutisches Setting ist online nicht darstellbar

    Ausbildung soll möglichst realistische Rahmenbedingungen schaffen. Im Praxisalltag werden Menschen überwiegend in Präsenz therapiert oder angeleitet. Daher wäre es fatal, praktische Inhalte online zu vermitteln. Denn am Patienten zu arbeiten oder einen Gruppenkurs zu leiten, lernt man nicht im Onlinelabor. Vielmehr sammelt man bereits in der Präsenzausbildung eigene Erfahrungen und lernt, wie es sich anfühlt, Menschen zu therapieren, sie in Bewegung zu bringen oder sie sinnvoll und qualifiziert anzuleiten und zu betreuen.

     

    FAZIT | Wenn man die Qualität in der Ausbildung zukünftiger Therapeuten und Kursleiter weiter hochhalten will, lässt sich Praxis nur in Präsenz vermitteln. Hybride Formate können dabei ein sinnvoller Ansatz sein, um theoretisches Basiswissen aufwandsreduziert und zeitschonend zu transferieren. Dieses Wissen dann praktisch anzuwenden, funktioniert aber auch zukünftig nur in Präsenz. Und so muss, wann immer es um die Gesundheit der Menschen geht, in Aus-, Fort- und Weiterbildung Qualität vor Bequemlichkeit gehen. Denn: Praxis lernt man nur durch Praxis.

     

     

    Zum Autor | Christian Kunert ist Dozent für Gesundheitsmanagement und Prävention an der IST Hochschule, Gesellschafter und Geschäftsführer der Akademie für Prävention & Fitness GmbH (akapraefit.de) sowie Inhaber von KunertGesundheit (kunertgesundheit.de) und Coach Kunert (coachkunert.de).

    Quelle: Ausgabe 10 / 2025 | Seite 7 | ID 50551611