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01.12.2006 | Verträge mit Angehörigen – Teil 3

Mit welcher Gestaltung fahren Sie beim Ehegatten-Arbeitsverhältnis am besten?

Nachdem „Praxisführung professionell“ in Ausgabe 11/2006 die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung von Ehegatten-Arbeitsverhältnissen erläutert hat, lesen Sie nachfolgend, welches Steuersparpotenzial in den Gestaltungsmöglichkeiten steckt.  

 

Bei einem Ehegatten-Arbeitsverhältnis haben Sie drei Gestaltungsmöglichkeiten, die zu unterschiedlicher Entlastung bei der Einkommensteuer führen. Daneben können Sie auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag sparen. Allen nachfolgend beschriebenen Steuerspar-Modellen wird der gleiche Ausgangsfall zugrunde gelegt: 

 

Ausgangsfall: Praxisgewinn liegt bei 42.500 Euro

Physiotherapeut Hans Hoffmann beschäftigt seit dem 1. Juli 2006 seine Ehefrau. Da sie sich bislang um die Erziehung der beiden Kinder (6 und 9 Jahre alt) gekümmert hat, war die gelernte Industrie-Kauffrau in den vergangenen Jahren nicht berufstätig. In der Praxis hat sie bisher nur sehr unregelmäßig ihren Ehemann bei den Büroarbeiten unterstützt.  

 

Seit 1. Juli hat sie – bevorzugt vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind – Aufgaben in der Praxis übernommen: Rechnungsverkehr, Vorbereitung der Unterlagen für die Abrechnungsstelle, Buchführung für das Steuerbüro, Unterstützung bei Terminabsprachen usw.  

 

Der voraussichtliche Gewinn der Praxis wird für 2006 etwa 42.500 Euro betragen. Aus dem geerbten Einfamilienhaus, das Frau Hoffmann vermietet hat, wird der Überschuss 2.300 Euro betragen. Die Sonderausgaben (Renten-, Kranken- und Unfallversicherung) betragen insgesamt 6.100 Euro. 

Variante 1: Ehepartner wird in Voll- oder Teilzeit beschäftigt

Bei einem Voll- / Teilzeitjob erhält Ihr Ehegatte einen Arbeitnehmer-Pauschbetrag von jährlich 920 Euro (§ 9a Nr.1 Einkommensteuergesetz [EstG]). Bei der gemeinsamen Einkommensteuer-Festsetzung wird sein Arbeitslohn deshalb nur mit einem um 920 Euro gekürzten Betrag berücksichtigt. Allerdings ist das Gehalt Ihres Ehegatten dann auch sozialversicherungspflichtig. Die Beiträge teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der gesamte Arbeitgeberanteil gehört neben dem Bruttogehalt zu den Betriebsausgaben Ihrer Praxis.  

 

Die auf den Ehegatten entfallenden Beiträge gehören zu den als Vorsorgeaufwendungen zu berücksichtigenden steuerlichen Sonderausgaben. Bei der komplizierten Berechnung der Ihnen zustehenden Höchstbeträge können sich unter Umständen die Arbeitgeber-Anteile mindernd auswirken. 

 

Beispielberechnung: Der Praxisgewinn sinkt auf 36.636 Euro

Physiotherapeut Hoffmann zahlt seiner Ehefrau ein monatliches Gehalt von brutto 810 Euro. Das sind für die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2006 insgesamt 4.860 Euro. Die Beiträge zur Sozialversicherung betragen:  

 

Rentenversicherung 

19,5 % 

 

947,70 Euro 

Krankenversicherung 

13,6 % 

660,96 Euro 

Arbeitslosenversicherung 

6,5 % 

315,90 Euro 

Pflegeversicherung 

1,7 % 

82,62 Euro 

zusammen 

41,3 % 

2.007,18 Euro 

Arbeitgeberanteil davon 1/2 

20,65 % 

ca. 

1.004,00 Euro 

Ehegattengehalt 

 

4.860,00 Euro 

Abzugsfähige Betriebsausgaben 

 

5.864,00 Euro 

 

Praxisgewinn ohne Ehegattengehalt (Ausgangsfall)  

= 

42.500 Euro 

./. Betriebsausgaben 

 

5.864 Euro 

Praxisgewinn mit Ehegattengehalt 

= 

36.636 Euro 

 

Frau Hoffmann muss 3.940 Euro (4.860 Euro minus 920 Euro Arbeitnehmer-Pauschbetrag) in der gemeinsamen Einkommensteuer-Festsetzung als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit versteuern. Ausgezahlt werden ihr 3.812,67 Euro (4.860 Euro abzüglich Sozialversicherungsbeiträge von 1.003,59 Euro sowie einen Beitragszuschlag für den Arbeitnehmer von 43,74 Euro [0,9 Prozent von 4.860 Euro]).  

 

Lohnsteuern sind bei Steuerklasse III nicht einzubehalten. In der gemeinsamen Einkommensteuer-Festsetzung würde die einbehaltene Lohnsteuer ohnehin wie eine Steuervorauszahlung verrechnet werden. 

 

Durch die Beitragszahlungen an die Deutsche Rentenversicherung (früher BfA) erwirbt Ihr Ehegatte bei der Variante 1 einen eigenständigen Rentenanspruch. Die Zahlung der Krankenkassen-Beiträge für den Ehegatten könnte auch eine Minderung der bisherigen Beiträge für die Familie zur Folge haben.  

Variante 2: Steuerersparnis auch mit einem Mini-Job

Sie können Ihren Ehepartner alternativ als „geringfügig Beschäftigten“ (Mini-Jobber) in Ihrer Praxis anstellen. Voraussetzung ist, dass der Arbeitslohn für Ihren Ehegatten monatlich 400 Euro nicht übersteigt. Auf die Anzahl der Arbeitsstunden pro Woche kommt es dabei nicht an. Allerdings: Einen angemessenen Stundenlohn sollten Sie schon zugrunde legen, wenn Sie von vornherein Schwierigkeiten mit dem Finanzamt vermeiden wollen.  

 

Als Arbeitgeber müssen Sie für den Mini-Job 30 Prozent pauschal zahlen (Krankenkasse 13 Prozent, Rentenversicherung 15 Prozent, Lohnsteuer 2 Prozent). Diese Aufwendungen sind Betriebsausgaben und mindern den steuerlichen Gewinn. In die gemeinsame Einkommensteuer-Berechnung werden weder das pauschal versteuerte Mini-Job-Gehalt noch die pauschal berechneten Steuern einbezogen. 

 

Beispielberechnung: Der Praxisgewinn sinkt auf 39.380 Euro

Physiotherapeut Hoffmann hätte seine Ehefrau auch ab 1. Juli 2006 in einem Mini-Job anstellen können. Bei Reduzierung der übertragenen Aufgaben hätte er ihr ein monatliches Gehalt von 400 Euro netto und ohne Abzüge auszahlen können. Daneben müsste die Praxis als Arbeitgeber noch pauschale Sozialversicherungsbeiträge zusätzlich abführen: 

 

Gehalt für Frau Hoffmann 6 x 400 Euro 

2.400 Euro 

Pauschale für Sozialversicherung und Steuer 30 % 

720 Euro 

Abzugsfähige Betriebsausgaben 

3.120 Euro 

 

Praxisgewinn ohne Ehegattengehalt (Ausgangsfall)  

= 

42.500 Euro 

./. Betriebsausgaben 

 

3.120 Euro 

Praxisgewinn mit Ehegattengehalt 

= 

39.380 Euro 

 

In die gemeinsame Einkommensteuer-Festsetzung der Hoffmanns würde das pauschal versteuerte Ehegattengehalt nicht einbezogen. 

Ihr Ehegatte, der im Rahmen eines Mini-Jobs beschäftigt wird, hat auch die Möglichkeit, die pauschalen Arbeitgeber-Beiträge zur Rentenversicherung aus der eigenen Tasche auf derzeit 19,5 Prozent aufzustocken. Er muss dann die Differenz von 4,5 Prozent (19,5 Prozent abzüglich 15,0 Prozent) selbst entrichten. Dieser Beitrag muss von Ihnen zusätzlich von seinem Gehalt einbehalten und an den Sozialversicherungsträger abgeführt werden. Durch die Aufstockung erwirbt der Ehegatte ein Anrecht auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Er kann damit preiswert Wartezeiten erfüllen oder Ansprüche wie auf Leistungen der Rehabilitation erwerben. 

Variante 3: Beschäftigung im Midi-Job (Gleitzone)

Wenn Sie Ihrem Ehepartner für seine Mitarbeit in der Praxis auch ein Gehalt von mehr als monatlich 400 Euro, aber nicht mehr als 800 Euro (Gleitzonen-Bereich) zahlen, werden die Gesamtsozialversicherungsbeiträge nicht nach dem tatsächlichen Gehalt, sondern mit Hilfe einer Gleitzonenformel nach einem fiktiven Arbeitslohn berechnet. Im Jahr 2006 beträgt der Faktor F = 0,7160. Beachten Sie die Änderung des Faktors F für das Jahr 2007 (siehe Seite 3 in dieser Ausgabe). 

 

Berechnung des fiktiven Arbeitslohns nach Gleitzonenformel

  • F x 400 + (2 – F) x (Arbeitseinkommen – 400)
  • 0,7160 x 400 Euro + 1,284 x 100 Euro = 414,80 Euro

Der Vorteil dieser Berechnungsmethode besteht darin, dass für den Ehegatten ein rechnerisch geringerer Anteil für die Sozialversicherung einbehalten wird. Dadurch erhöht sich der Auszahlungsbetrag; die möglichen Auszahlungen aus der gesetzlichen Versicherung werden aber auch nur auf Basis der niedrigeren Beiträge berechnet.  

Eine entsprechende steuerliche Regelung besteht leider nicht. Ehegattengehälter, die in die Gleitzone fallen, unterliegen deshalb dem Lohnsteuerabzug nach allgemeinen Regelungen. Für den Ehegatten muss deshalb eine Lohnsteuerkarte vorliegen. 

 

Beispielberechnung: Der Praxisgewinn sinkt auf 38.880 Euro

Frau Hoffmann hätte auch ein monatliches Gehalt von 500 Euro erhalten können. Sie hätte dann wieder ihre Lohnsteuerkarte mit der Steuerklasse III vorlegen müssen. 

 

Für die Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge wird ein fiktives Gehalt von 414,80 Euro zugrunde gelegt. Hieraus ergeben sich Sozialversicherungsbeiträge von insgesamt 175,05 Euro, die in Höhe von 103,25 Euro von der Praxis und mit 71,80 Euro von Frau Hoffmann zu tragen sind. Damit ergeben sich 

 

Ehegattengehalt 500 Euro x 6 Monate 

 

3.000 Euro 

Sozialversicherung 103,25 Euro x 6 Monate  

620 Euro 

Abzugsfähige Betriebsausgaben 

3.620 Euro 

 

Praxisgewinn ohne Ehegattengehalt (Ausgangsfall) 

42.500 Euro 

./. Betriebsausgaben 

– 

3.620 Euro 

Praxisgewinn mit Ehegattengehalt 

= 

38.880 Euro 

 

Für Frau Hoffmann werden als Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit in der gemeinsamen Einkommensteuer-Festsetzung 2.080 Euro (500 Euro x 6 Monate abzüglich Arbeitnehmer-Freibetrag von 920 Euro) angesetzt. 

Vergleichsbetrachtung des Ehegatten-Arbeitsverhältnisses

Durch ein Ehegatten-Arbeitsverhältnis erreichen Sie in allen drei Varianten gegenüber dem Ausgangsfall eine Steuerersparnis. Wie hoch die ausfallen kann, zeigt Ihnen für den Ausgangsfall die zusammenfassende Tabelle mit den entsprechenden Steuerberechnungen auf der nachfolgenden Seite. Aus Vereinfachungsgründen sind die Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag nicht einbezogen worden. 

 

Für die Beschäftigungs-Varianten für ein Ehegatten-Arbeitsverhältnis ergeben sich im Vergleich zum Ausgangsfall von Seite 9: 

 

  • Variante 1: 786 Euro Steuerersparnis
  • Variante 2: 824 Euro Steuerersparnis
  • Variante 3: 520 Euro Steuerersparnis

 

Die Steuerersparnis fällt in der Variante 2 bei einem Mini-Job am höchsten aus: auf ein Jahr hochgerechnet immerhin 1.648 Euro. Unterschätzen Sie aber nicht den Vorteil eines sozialversicherungspflichtigen Arbeits-Verhältnisses nach Variante 1 – selbst wenn der dadurch allein erworbene Rentenanspruch nicht gerade üppig ausfallen würde. 

 

Vergleichsbetrachtung: Ausgangsfall mit den Varianten 1 bis 3

 

ohne Ehegattengehalt 

mit  

Ehegattengehalt 

 

 

Ausgangsfall 

Variante 1 

Gehalt  

810 Euro 

Variante 2 

Mini-Job (400 Euro) 

Variante 3 

Gleitzone 

500 Euro  

Praxisgewinn 

42.500 Euro 

36.636 Euro 

39.380 Euro 

38.880 Euro 

Ehegattengehalt 

–- 

+ 3.940 Euro 

–- 

+ 2.080 Euro 

Einkünfte aus V+V 

+ 2.300 Euro 

+ 2.300 Euro 

+ 2.300 Euro 

+ 2.300 Euro 

Summe der Einkünfte 

= 44.800 Euro 

= 42.876 Euro 

= 41.680 Euro 

= 43.260 Euro 

Sonderausgaben gesamt 

6.100 Euro 

6.100 Euro 

6.100 Euro 

6.100 Euro 

  • Freiw. RV
  • GKV
  • Unfallvers.

3.400 Euro 

2.500 Euro 

200 Euro 

Sozialversicherung des Ehegatten (AN-Anteil) 

–- 

+ 1.047 Euro 

–- 

+ 430 Euro 

Summe 

= 6.100 Euro 

= 7.147 Euro 

= 6.100 Euro 

= 6.530 Euro 

Pauschale (Sonderausg.) 

+ 72 Euro 

+ 72 Euro 

+ 72 Euro 

+ 72 Euro 

Abzugsfähige Sonderausgaben  

6.172 Euro 

7.219 Euro 

6.172 Euro 

6.602 Euro 

Zu versteuerndes Einkommen 

38.628 Euro 

35.657 Euro 

35.508 Euro 

36.658 Euro 

Einkommensteuer,  

laut Splitting-Tabelle 

5.334 Euro 

4.548 Euro 

4.510 Euro 

4.814 Euro 

Steuerersparnis (Vergleich zum Ausgangsfall) 

–- 

786 Euro 

824 Euro 

520 Euro 

Quelle: Ausgabe 12 / 2006 | Seite 9 | ID 89982