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07.10.2008 |Finanzplanung

So bleiben Sie als Physiotherapeut liquide

von Michael Vetter, Wirtschaftsjournalist, Dortmund

Eine nicht ausreichende oder sogar fehlende Finanzplanung kann für Praxisinhaber zu existenzbedrohenden Problemen führen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmend restriktiveren Kreditvergaberichtlinien der Bankinstitute. Leider befassen sich jedoch Physiotherapeuten mit der Liquiditätslage ihrer Praxis meistens erst dann, wenn Ersatzinvestitionen plötzlich erhebliche finanzielle Mittel erfordern, die aufgrund unzureichender Planung kaum zeitnah aufgebracht werden können. Die folgenden Grundsätze sollen Ihnen helfen, Ihre Finanzen im Griff zu behalten. 

Liquiditätsplanung als Teil der Praxissteuerung

Gläubiger, vor allem also Banken, interessieren sich zunächst einmal für die Zahlungsfähigkeit ihrer Kreditnehmer. Um den zukünftigen Liquiditätsbedarf zu ermitteln, sollte deshalb monatlich ein entsprechender Liquiditätsplan aufgestellt werden. Vereinfacht gesagt werden darin die zu erwartenden Ausgaben den voraussichtlichen Einnahmen gegenübergestellt. Daraus wird rechtzeitig der mögliche Bedarf an zusätzlichen Finanzmitteln abgeleitet. 

Großzügige Kalkulation des Finanzierungsbedarfs durch einen entsprechend hohen Kontokorrentkredit

Bei kurzfristig erhöhten Personal- oder Investitionskosten wird häufig der bereits bestehende Kontokorrentkredit „überzogen“. Hierbei spielt die Bank meistens vor allem deshalb mit, weil sie mit jeder dieser sogenannten „geduldeten Überziehungen“ neben den ohnehin schon hohen Zinsen für den Kontokorrentkredit zusätzliche Überziehungszinsen von bis zu etwa sechs Prozent im Jahr kassiert.  

 

Weitaus besser und vor allem billiger ist dagegen die regelmäßige Überprüfung der jeweiligen offiziellen Kreditlinie in Verbindung mit einem Liquiditätsplan. Dies ermöglicht eine rechtzeitige und vor allem angemessene Erhöhung der Kreditlinie, sodass keine Überziehungszinsen gezahlt werden müssen. 

Berücksichtigung der „Goldenen Finanzierungsregel“

Die auch durch den Begriff der „Fristenkongruenz“ bekannte „goldene“ Finanzierungsregel sieht vor, dass Kreditlaufzeit und Nutzungsdauer einer Investition weitgehend übereinstimmen sollten. Häufig ist die Kreditlaufzeit jedoch weitaus länger, sodass für die Finanzierung bereits wieder eine Ersatzinvestition erforderlich wird, obwohl der bisherige Kredit noch nicht vollständig zurückgezahlt wurde. Kommt dann eine angespannte Liquiditätslage dazu, kann diese finanzielle Doppelbelastung schnell zu ernsthaften Problemen führen. 

Langfristige Finanzierungen absichern

Das nach wie vor relativ niedrige Zinsniveau sollte genutzt werden, um langfristige Finanzierungen kalkulierbar zu machen. Dazu gehört vor allem der Umstieg von bisher variablen Zinsvereinbarungen in Festzinssätze sowie die frühzeitige Absicherung durch Festzinssätze bei Darlehen, bei denen in den kommenden Jahren die Zinsbindung abläuft. Dies ist vor allem durch sogenannte „Vorausdarlehen“ möglich. Mit dieser Finanzierungsalternative können sich Physiotherapeuten (gegen einen Zinsaufschlag) bereits heute das derzeitige, noch relativ günstige Zinsniveau sichern, auch wenn ihr Darlehen erst in etwa zwei Jahren verlängert werden muss. Je nach Bank sind sogar längere Zeiträume als zwei Jahre möglich. Darüber hinaus sollte mit der Bank darüber verhandelt werden, auch später mögliche außerplanmäßige Tilgungen kostenlos zuzulassen. 

Professionelles Forderungsmanagement einführen

Soweit erforderlich sollte die Liquiditätslage der Praxis durch ein entsprechendes Forderungsmanagement stabilisiert werden. Ob dies durch ein externes Dienstleistungsunternehmen oder durch Sie selbst erfolgt, hängt vor allem von der Praxisgröße ab. 

Regelmäßige Ermittlung der Kapitaldienstgrenze

Die Kapitaldienstgrenze legt die Höhe des Einnahmenüberschusses fest, der zur Zahlung von Zins- und Tilgungsraten erforderlich ist. Praxisinhaber sollten die Kapitaldienstgrenze ebenso wie Banken regelmäßig selbst ermitteln und jeweils prüfen, ob sich an der Einnahmen- und Ausgabensituation Verbesserungen erzielen lassen. Ansatzpunkte dazu bieten vor allem die Privatentnahmen. 

 

Im Online-Service finden Sie eine Checkliste zur Ermittlung Ihrer Kapitaldienstgrenze. Hiermit können Sie ermitteln, in welcher maximalen Höhe Sie Fremdkapital aufnehmen können. 

Quelle: Ausgabe 10 / 2008 | Seite 18 | ID 122021