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·Nachricht ·Kolumne

In Sachen Digitalisierung gut aufgestellt ‒ wirklich?

von StB Jens Henke, Berlin

| Die STAX-Zahlen für 2018 sind da. Nur 4.200 von über 17.000 angefragten Kanzleien haben teilgenommen. Die jeweiligen Höchstwerte: 80 % geben an, eine Buchführung mit digitalen Belegen zu erstellen. 89 % nutzen den Abruf von Bankkontodaten. 56 % nutzen Schnittstellen zu Vorsystemen der Mandanten. 81 % nutzen die Schnittstelle zur Finanzverwaltung (Vollmachtsdatenbank, vorausgefüllte Steuererklärung). Die Unterschiede zwischen Einzelkanzleien und Sozietäten sind teilweise erheblich. Mit Blick auf diese Zahlen behaupte ich, dass wir dennoch Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren. Warum? |

 

Momentan drängen immer mehr Drittanbieter mit (teil)automatisierten Lösungen für die Erstellung von Buchhaltungen, Einnahme-Überschuss-Rechnungen und Steuererklärungen auf den Markt. Diese Leistungen stellen in der Regel das typische Mandat von Einzelkanzleien und Sozietäten und machen bis zu ca. 4 5 % ‒ 50 % des Jahresumsatzes aus. Durch die im September 2019 in Kraft getretene Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 werden Online-Transaktionen noch weiter gefördert und Drittanbietern wird, sofern sie die regulatorischen Anforderungen erfüllen, der Zugriff auf Zahlungsverkehrsdaten erleichtert. Neue Geschäftsmodelle werden befördert.

 

Kern der Automatisierung ist die Belegerkennung. Entscheidender ist jedoch die digitale Analyse von Bankkontoinformationen. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass manche Banken es ganz toll fänden, wenn Sie der Bank die Arbeit abnehmen würden und Ihre Umsätze kategorisieren würden. Sie helfen damit selbstlernenden Systemen bei der Analyse und Kategorisierung der Daten. Nur wer die Daten besitzt, kann solche Systeme betreiben und mit ihrer Hilfe Aufgaben automatisieren oder neue Geschäftsmodelle anbieten.

 

Steuerberater hätten durch den Vertrauensvorsprung beim Mandanten ideale Voraussetzungen, neue, sichere und die Vertraulichkeit wahrende Dienstleistungen anzubieten. Unser vom Berufsgeheimnis geprägter Berufsstand dürfte sicherlich umsichtiger mit Daten umgehen, als gewerbliche Geschäftszweige. Wenn aber FinTechs auf den für Entwicklung und Betrieb selbstlernender Systeme relevanten Daten sitzen, müssen sich die Steuerberater die Daten dort nicht nur zukaufen, sondern geraten in eine dauerhafte Abhängigkeit von Institutionen außerhalb des Berufsstandes (Henke, KP 19, 114: Die Zukunft des Steuerberaters in der Plattformenökonomie)?

 

  • Auf den Punkt gebracht

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Wer an der Quelle sitzt, hat einen enormen Startvorteil, bis er von der Quelle verdrängt wird. Unsere Aufgabe ist es also, die Technologien im Bereich der Datenanalytik und der Zahlungsinformation für unseren Berufsstand zu sichern und zu nutzen. Mit der Gründung der DATEV eG haben wir das ja schon einmal gezeigt, dass unser Berufsstand zukunftsorientiert denkt und handelt. Wenn wir diesen technologischen Sprung schaffen, dann sind wir in Sachen Digitalisierung gut aufgestellt.

 
Quelle: Ausgabe 11 / 2019 | Seite 192 | ID 45988195