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·Fachbeitrag ·Abgrenzung von gewerblichen und freiberuflichen Einkünften

Freiberufliche Tätigkeit einer Wirtschaftsprüfer-KG

von RD a. D. Michael Marfels, Bramsche

Eine Wirtschaftsprüfer-KG ist nur dann freiberuflich i. S. des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG tätig, wenn sämtliche Gesellschafter die Merkmale eines freien Berufs erfüllen. Ist an dieser Personengesellschaft eine Kapitalgesellschaft mitunternehmerisch beteiligt, führt dies auch dann zur Gewerblichkeit ihrer Einkünfte, wenn die Kapitalgesellschaft selbst durch ihre Organe ihrer Art nach freiberuflich tätig ist (FG Hamburg 7.1.16, 6 K 147/15, rkr., Abruf-Nr. 146740).

 

Sachverhalt

Die Klägerin ist eine von der Kammer anerkannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, deren persönlich haftender Gesellschafter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ist. Kommanditistin ist eine GmbH, die ebenfalls als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft anerkannt ist. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erklärte Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit, während das FA im Feststellungsbescheid gewerbliche Einkünfte feststellte und den GewSt-Messbetrag festsetzte. Das FG wies die hiergegen gerichtete Klage als unbegründet zurück, da die Gesellschaft gewerbliche Einkünfte erzielt habe.

Entscheidungsgründe

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erfüllt unstreitig die für die Annahme eines Gewerbebetriebs erforderlichen positiven Voraussetzungen i. S. des § 15 Abs. 2 EStG, ohne ausschließlich einen freien Beruf i. S. des § 18 EStG auszuüben. Als Personengesellschaft ist sie nach der Rechtsprechung des BFH nur dann freiberuflich i. S. von § 18 EStG tätig, wenn sämtliche Gesellschafter die Merkmale eines freien Berufs erfüllen. Die Voraussetzungen der Freiberuflichkeit können nicht von der Personengesellschaft selbst, sondern nur von natürlichen Personen als deren Gesellschafter erfüllt werden, die jeweils die persönliche Berufsqualifikation haben und entsprechend berufsbezogen tätig sein müssen.

 

Keine Freiberuflichkeit bei Beteiligung eines Berufsfremden

Übt ein Gesellschafter keinen freien Beruf aus, so gilt nach § 15 Abs. 3 Nr. 1 i. V. mit § 15 Abs. 1 S. 1 EStG die gesamte, mit Einkünfteerzielungsabsicht unternommene Tätigkeit der Personengesellschaft als Gewerbebetrieb. Der gemäß § 18 Abs. 4 S. 2 EStG entsprechend anwendbare § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG muss personenbezogen (subjektiv) ausgelegt werden, weil im Rahmen des § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG die persönliche Arbeitsleistung des Berufsträgers entscheidend und der Kapitaleinsatz nur von untergeordneter Bedeutung ist. Erfüllt auch nur einer der Gesellschafter diese Voraussetzungen nicht, so erzielen alle Gesellschafter Einkünfte aus Gewerbebetrieb nach § 15 Abs. 1 Nr. 2 EStG.

 

Eine Aufteilung der Einkünfte in freiberufliche und - für den Berufsfremden - in solche aus Gewerbebetrieb scheidet nach der Rechtsprechung des BFH aus.

 

Auch mitunternehmerische Beteiligung einer Kapitalgesellschaft führt zur Gewerblichkeit

Der Beteiligung eines Berufsfremden gleichgestellt ist die mitunternehmerische Beteiligung einer Kapitalgesellschaft. Dabei ist die Qualifikation der anderen Gesellschafter unerheblich. Eine Kapitalgesellschaft - hier die GmbH - erzielt in vollem Umfang gewerbliche Einkünfte (§ 8 Abs. 2 KStG). Sie kann also keine freiberuflichen Einkünfte beziehen, selbst wenn sie durch ihre Organe, insbesondere durch ihre(n) Geschäftsführer, der Art nach ausschließlich freiberuflich tätig ist und sowohl diese als auch sämtliche Gesellschafter die persönliche Qualifikation für eine freiberufliche Tätigkeit besitzen. Eine GmbH ist deshalb bei der Qualifikation der Tätigkeit einer Personengesellschaft als „berufsfremde Person“ zu werten.

 

Durchgriff auf Gesellschafter der Kapitalgesellschaft ist nicht möglich

Weder bei der Besteuerung der GmbH als solcher noch bei der Beurteilung der Tätigkeit einer Personengesellschaft, an der die GmbH mitunternehmerisch beteiligt ist, kann auf deren Gesellschafter durchgegriffen werden.

 

Abfärbewirkung bei mitunternehmerisch beteiligtem Berufsfremden

Da die Kommanditistin - die GmbH - gewerbliche Einkünfte erzielte, erzielte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft insgesamt gewerbliche Einkünfte. Voraussetzung dieser Abfärbewirkung nach § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 2, Abs. 3 Nr. 1 EStG ist jedoch, dass der Berufsfremde ebenfalls die Stellung eines Mitunternehmers innehat. Die GmbH ist Mitunternehmerin, da sie als Kommanditistin mit ihrer Einlage haftet und am laufenden Gewinn sowie an den stillen Reserven beteiligt ist. Sie trägt also das Mitunternehmerrisiko. Infolge ihrer Stimmrechte und Kontrollmöglichkeiten entfaltet sie die Mitunternehmerinitiative.

Fazit und Praxishinweis

Da eine Kapitalgesellschaft keine freiberuflichen Einkünfte erzielen bzw. sie selbst nicht freiberuflich tätig sein kann, ist sie bei mitunternehmerischer Beteiligung an einer freiberuflich tätigen Personengesellschaft als Berufsfremde anzusehen. Das führt dazu, dass die gesamte Tätigkeit der an und für sich freiberuflich tätigen Personengesellschaft gemäß § 15 Abs. 3 Nr. 1 EStG gewerblich wird.

 

PRAXISHINWEIS | Das FG-Urteil entspricht in vollem Umfang der Rechtsprechung des BFH. Es ist deshalb darauf zu achten, dass die Beteiligung einer Kapitalgesellschaft nicht als mitunternehmerische Beteiligung ausgestaltet wird. Möglich ist nur die (nichtunternehmerische) typische stille Beteiligung einer Kapitalgesellschaft.

 

Weiterführender Hinweis

  • „Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungs-GmbH & Co. KG erzielt gewerbliche Einkünfte“, in KP 13, 96
Quelle: Ausgabe 09 / 2017 | Seite 157 | ID 44743575