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25.06.2008 | StBGebV

Transparenz durch Dienstleistungskataloge?

von RA Christoph Gahle, Köln

Viele Mandanten beklagen die mangelnde Transparenz von Leistung und Honorar. Kanzleiberater raten daher zu einem Dienstleistungskatalog oder zu Leistungspaketen mit einheitlichen Pauschalpreisen, sodass der Mandant von Anfang an weiß, welche Kosten auf ihn zukommen. Es ist jedoch fraglich, ob der Steuerberater so der Angst des Mandanten begegnen kann. Neben der Vereinbarkeit mit der Steuerberatergebührenverordnung (StBGebV) und dem Berufsrecht wird daher in diesem Beitrag auch der Marketingwert derartiger Strategien beleuchtet. 

1. Ausgangslage

Wird der Steuerberater im Rahmen des ersten Kontakts nach den Kosten der begehrten Leistungen befragt, begnügt er sich häufig mit dem Hinweis auf seinen sich aus der StBGebV ergebenden gesetzlichen Gebührenanspruch.  

 

Auf der Grundlage dieser Information kann der Mandant jedoch keine vernünftige Konsumentenentscheidung treffen. Das gilt selbst dann, wenn der Steuerberater dem Mandanten den Zusammenhang zwischen den einzelnen Kriterien des § 11 StBGebV und dem Gegenstandswert an einem abstrakten Beispiel erläutert oder mit ihm eine Zeitgebühr vereinbart. Denn der Mandant weiß nicht, welche konkreten Leistungen sich aus dem von ihm erteilten Auftrag ergeben und ob dessen Erledigung schwierig oder umfangreich ist. Regelmäßig wird er nicht einmal den subjektiven Nutzen der Tätigkeit des Steuerberaters einschätzen können, geschweige denn, ob dieser in einem angemessenen Verhältnis zum Honorar steht. Das führt nicht selten zu Unbehagen bei dem Mandanten sowie zu Verärgerung und Misstrauen, wenn er später eine unerwartet hohe Rechnung bekommt. 

2. Vereinbarkeit mit § 14 StBGebV

Aus der gesamten Bandbreite steuerberatender Tätigkeiten sind damit nur vergleichsweise wenige Bereiche von Gesetzes wegen überhaupt einer Pauschalvergütungsvereinbarung zugänglich; denn nicht jede Dienstleistung ist pauschalierungsfähig.  

 

Gemäß § 14 StBGebV kann nur für wiederkehrende Tätigkeiten eine Pauschalvergütung vereinbart werden. Ob eine Tätigkeit „laufend“ auszuführen ist, bemisst sich nach den Umständen des Einzelfalls. Hierunter fallen zunächst alle Leistungen, die ein wöchentliches oder monatliches Tätigwerden erfordern. Aus dem Umkehrschluss zu Abs. 2 ergibt sich darüber hinaus, dass auch nur einmal jährlich anfallende Arbeiten von § 14 StBGebV erfasst werden.  

 

Damit kommen Pauschalvergütungsvereinbarungen grundsätzlich nur für folgende Tätigkeitsbereiche des Steuerberaters in Betracht: 

 

  • Buchführung
  • Lohnabrechnung
  • LSt- und USt-Anmeldung
  • Bilanzierung/Gewinnermittlung
  • Jahressteuererklärung
  • Steuerbescheidprüfung
  • Beratung/Besprechung als laufend auszuführende Tätigkeit

 

Eine Erweiterung der Angebotspalette kann auch nicht über den Umweg einer Honorarvereinbarung nach § 4 StBGebV erreicht werden. Denn § 4 StBGebV ermöglicht nur die Vereinbarung einer höheren Gebühr, gibt aber nicht die Berechtigung, andere Vorschriften des Gesetzes, die nichts mit der Gebührenhöhe zu tun haben, auszuhöhlen. 

3. Berufsrechtliche und wettbewerbsrechtliche Schranken

Das Gesetz verbietet Preisdumping. Daher muss die Vergütung auch bei Pauschalangeboten in einem angemessenen Verhältnis zur Leistung des Steuerberaters stehen (§ 14 Abs. 3 StBGebV). Die angemessene Gebühr kann zwar in besonders gelagerten Fällen auch unterhalb der gesetzlich vorgesehenen Mindestsätze bzw. Mindestbeträge liegen. In der Regel wird eine solche Vereinbarung jedoch berufswidrig sein und einen sanktionsfähigen Wettbewerbsverstoß darstellen. Der Steuerberater ist daher gezwungen, mit den ihm bei Mandatsannahme vorliegenden Informationen eine realistische Einschätzung der ohne eine Vereinbarung zu erwartenden Einzelvergütungen vorzunehmen. 

 

Durch diesen Umstand wird die inhaltliche Gestaltungsfreiheit von Dienstleistungskatalogen und Leistungspaketen mit gleichen Preisen für alle Mandanten deutlich eingeschränkt.  

4. Betriebswirtschaftliche Überlegungen

Pauschalvergütungsvereinbarungen reduzieren den Abrechnungsaufwand und schaffen fest kalkulierbare und im besten Fall langfristige Einnahmen für den Steuerberater und haben hierdurch einen konkreten betriebswirtschaftlichen Nutzen. Diesen positiven Elementen steht jedoch als Nachteil die Bindungswirkung gegenüber. Denn die Pauschalvergütung muss für eine Laufzeit von über einem Jahr geschlossen werden und ist nicht allein deswegen abänderbar, weil sich der Steuerberater zu Beginn des Mandats geirrt und den Arbeitsaufwand und die Schwierigkeit der zu erledigenden Angelegenheit zu gering eingeschätzt hat.  

 

Damit trägt der Steuerberater das Kalkulationsrisiko, da eine vorzeitige Abänderung der Pauschalvergütungsvereinbarung grundsätzlich nicht möglich ist. 

5. Marketingwert

Honorartransparenz ist ein notwendiger Bestandteil einer mandantenfreundlichen Steuerberatungskanzlei und damit ein wichtiges Marketinginstrument. Allerdings sprechen gute Gründe gegen die Aufnahme allgemeingültiger Gebühren in Dienstleistungskataloge und Leistungspakete: 

 

  • Zum Einen erhält der Mandant durch derartige Angebote den Eindruck, er erwerbe ein „Produkt von der Stange“. Ziel des Steuerberaters muss es jedoch sein, den Mandanten davon zu überzeugen, dass er hochwertiges Spezialwissen abruft und die Bearbeitung seiner Angelegenheit kein Massengeschäft, sondern eine maßgeschneiderte Individuallösung darstellt.

 

  • Zum Anderen ziehen allgemeingültige Pauschalangebote nicht selten Problemmandanten an, die stets auf der Suche nach dem besten „Schnäppchen“ sind. An einer langfristigen Zusammenarbeit und an der Übertragung weiterer lukrativer Angelegenheiten sind sie nicht interessiert.

 

  • Schließlich geht es aus akquisetechnischer Sicht bei der Honorartrans-parenz nicht um die Benennung allgemeingültiger starrer Preise zu Mandatsbeginn. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, dem Mandanten die einzelnen Leistungsinhalte zu verdeutlichen und mit ihm gemeinsam eine individuelle und angemessene Vergütung zu ermitteln.

6. Fazit

Die Entwicklung von bedarfsorientierten hochwertigen Dienstleistungskatalogen und Leistungspaketen ist ohne Zweifel notwendig, um den Herausforderungen des modernen Marktes gerecht zu werden und sich von Konkurrenten abzugrenzen. Die Bepreisung jeder Teilleistung sollte allerdings auf der Grundlage nachvollziehbarer Berechnungen und unter Berücksichtigung der Vorschriften der StGebV individuell ausgehandelt werden.  

 

Harte aber faire Preisverhandlungen auf der Grundlage einer konkreten Fallgestaltung gehören zum Geschäft und schaffen Vertrauen. Der Mandant wird sich sogar mit einer groben Kostenschätzung zufrieden geben, wenn sich der Steuerberater die Zeit nimmt, ihm zu erklären, warum in seiner Angelegenheit keine exakten Preisangaben möglich sind.  

 

Bietet sich für einzelne Teilleistungen aus dem „Rundum-Sorglos-Paket“ eine Pauschalvergütung an, so steht einer solchen Vereinbarung selbstverständlich nichts im Wege. Von der Werbung mit Pauschalpaketpreisen für Jedermann sollte der Steuerberater hingegen Abstand nehmen. Sie bergen ein hohes rechtliches und wirtschaftliches Risiko und haben so gut wie keinen Marketingwert.  

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2008 | Seite 98 | ID 119889