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Kanzleimanagement

Vorbereitung der Praxisübertragung: Anstellung oder Aufnahme als Partner?

von RA Jürgen Gemmer, FASteuerrecht, Braunschweig

Ist der Entschluss zum Verkauf einerSteuerberatungspraxis erst einmal gefasst, dann muss man sich alsSteuerberater allerdings darüber im klaren sein, dass der eigeneAusstieg zu einem „guten Preis“ selten ohne längereVorbereitungszeit zu realisieren sein wird. Attraktive Konditionen wirdman erst erzielen können, wenn sich der potenzielle Erwerber ineiner Übergangsphase vom wirklichen Wert der Kanzleiüberzeugt hat.

Zudem wird der Erwerber häufig schon imeigenen Interesse darauf drängen, dass der Kanzleiinhaber nocheine Zeit lang als Berater zur Verfügung steht. Denn einsofortiger Ausstieg des Inhabers könnte in diesem besonderssensiblen Bereich leicht zum Verlust einiger lukrativer Mandateführen. Wir wollen diese Übergangsphase bis zumtatsächlichen Ausscheiden des Kanzleiinhabers daher einmalnäher beleuchten.

1. Die Ausgangslage

Die Übergangsphase ist mit einemgrundlegenden Problem belastet: Viele Zusammenschlüsse scheiternbereits innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre nach ihrerGründung. Erfahrungsgemäß liegen die Ursachen desScheiterns meistens im persönlichen Bereich, fachliche Dissonanzenhaben in der Praxis ein geringeres Gewicht.

Für die Gestaltung einer solchen Erprobungsphase bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  • Der neue Partner wird in die bereits bestehende Praxis als „Juniorpartner“ aufgenommen oder
  • er wird zunächst als angestellter Steuerberater beschäftigt.

Über Vor- und Nachteile dieser Gestaltungen im Rahmen derartiger Zusammenschlüsse soll dieser Beitrag aufklären.

2. Mögliche persönliche Probleme

Für die Übergangszeit müssen derbisherige Praxisinhaber und sein Nachfolger unbedingt zweiEigenschaften praktizieren: Geduld und Einfühlungsvermögen.

Der Seniorpartner muss sich in Geduld üben,weil er nicht davon ausgehen kann, dass sein potenzieller Nachfolgerdie Mandanten sofort nach seinem Eintritt in derselben Art und Weiseberaten und betreuen kann wie er selbst. Einfühlungsvermögenist deshalb geboten, weil dem Juniorpartner Schritt für Schrittdasselbe Maß an Entscheidungsfreiheit und Verantwortungübertragen werden sollte, wie es der Senior für sich selbstin Anspruch nimmt. Der Senior darf also von seinem Juniorpartnereinerseits nicht von Anfang an zuviel verlangen. Andererseits muss erihm schon ein hohes Maß an Betreuungs- undOrganisationsverantwortung übertragen. Denn nur so wird dieser indie Lage versetzt, seine Leistungsfähigkeit gegenüber Mandantund Personal unter Beweis zu stellen.

Geduld und Einfühlungsvermögen muss aberauch der Juniorpartner aufbringen. Häufig erscheint diesem dieZeit bis zur endgültigen Praxisübernahme zu lang. Dies sollteer sich jedoch dem Seniorpartner gegenüber nicht allzu sehranmerken lassen.

Dieses Spannungsfeld im persönlichen Bereichist die Hauptursache dafür, dass„Übergangssozietäten“ oft zum Scheiternverurteilt sind.

3. Wie lange sollte die „Übergangsphase“ dauern?

Hier gibt es keine festen Regeln. Die Dauer derÜbergangsphase sollte sich daher an ihrem Zweck orientieren, dieMandantschaft an den Juniorpartner zu gewöhnen. Andererseits darfdiese „Gewöhnungsphase“ nicht zu lange bemessen sein,denn ansonsten besteht die Gefahr, dass sich zwischen Senior und Juniorein Über-Unterordnungsverhältnis verfestigt. Empfehlenswertsind daher Zeiträume von ein bis maximal zwei Jahren.

4. Vor- und Nachteile der jeweiligen Regelungen

Die mit einer„Übergangssozietät“ verbundenen Zielvorgabenlassen sich nur bedingt  durch eine vorgeschalteteBeschäftigung eines angestellten Steuerberaters erreichen:

  • Ein Vorteil ist sicherlich in der vergleichsweise einfachen Vergütungsregelung zu sehen.
  • Auch können sich die Mandanten erst einmal an den„neuen“ Steuerberater gewöhnen, ohne gleich einen„Machtwechsel“ auf der Führungsebene befürchtenzu müssen.

Dem stehen aber auch einige Nachteile gegenüber:

  • Ein angestellter Steuerberater wird es in der Regel wesentlichschwerer haben, bei den Mandanten das Maß an Akzeptanz zuerreichen, das er als künftiger Praxisinhaber benötigt.
  • Hinzu kommt, dass der Zeitpunkt, zu dem die „Mandantenübertragen“ werden, nur hinausgeschoben wird. DasEinverständnis des Mandanten ist so oder so erforderlich (dieMusterformulierung einer solchen Einverständniserklärungfinden Sie in  „Kanzleiführung professionell 3/01, 33ff.) Im Falle einer Übergangssozietät ist es für denJuniorpartner hingegen zumindest unproblematisch, die während derÜbergangsphase neu hinzugewonnenen Mandate nach Ausscheiden desSeniors fortzuführen. Denn diese Mandate sind bereits der„Sozietät“ erteilt, so dass es keine Probleme mit derVerschwiegenheitspflicht gibt.

5. Weitere Vorteile sprechen zunächst für ein Anstellungsverhältnis

Bei der Entscheidungsfindung ist natürlichauch zu berücksichtigen, ob der potenzielle Erwerber bereitsvorher selbstständig tätig war oder ob er aus einemAnstellungsverhältnis kommt. Es gibt allerdings noch weitereGründe, die zunächst für ein Anstellungsverhältnissprechen:

  • Sollte die „Kennenlernphase“ nicht erfolgreichverlaufen, ist es aus Sicht des Veräußerers sicherlichunproblematischer – schon im Hinblick auf neu hinzugewonneneMandate –  sich wieder zu trennen.
  • Außerdem kann auch ein angestellter Steuerberater imBriefkopf aufgeführt werden, um die Akzeptanz bei den Mandanten zufördern und das Image der Kanzlei nach außen hin aufzuwerten.
  • Schließlich sollte man die Auswirkungen auf die Motivationdes „Neuen“ nicht unterschätzen, wenn ihm nach kurzerZeit bereits die Aufnahme als Partner in Aussicht gestellt wird.

6. Konkurrenzschutz ist wichtig

Ganz gleich, für welchen Weg sich der Seniorentscheidet, also Juniorpartner oder angestellter Steuerberater; injedem Fall muss in die vertraglichen Vereinbarungen eine so genannteKonkurrenzschutzklausel aufgenommen werden. Der Mandatsschutzlässt sich bei einem Juniorpartner wirtschaftlich besser gestaltenals über einen angestellten Steuerberater. Denn bei einemAngestellten finden für eine Konkurrenzschutzklausel die§§ 74 ff. HGB Anwendung. Dies hat zur Folge, dass sich derPraxisinhaber verpflichten muss, dem angestellten Steuerberater alsGegenleistung eine Karenzentschädigung zu zahlen, deren Höhefür jedes Jahr des Wettbewerbsverbots mindestens die Hälfteder zuletzt bezogenen vertraglichen Leistungen betragen muss. Diesesich aus dem Handelsgesetzbuch ergebenden Einschränkungen geltenbei einem Juniorpartner grundsätzlich nicht.

Allerdings ist auch hier darauf hinzuweisen, dassdie Formulierung von Abfindungsregelungen und Mandatsschutzklauselnauch gegenüber dem Juniorpartner eine äußertproblematische Angelegenheit ist. Es kann daher nur dringend empfohlenwerden, sich bei Abfassung von solchen Klauseln von einem imGesellschaftsrecht erfahrenen Rechtsanwalt beraten zu lassen. Zwarkostet eine solche Beratung auch ein entsprechendes Honorar. DiesesGeld ist nach meiner Auffassung aber besser investiert, als imNachhinein langwierige Prozesse mit kaum vorhersehbarem Ausgangführen zu müssen.

7. Fazit

Allgemein gültige Empfehlungen, wie die„Übergangsphase“ zu gestalten ist, kann man nichtgeben. Im Vordergrund sollten stets die individuellenPraxisverhältnisse und persönlichen Vorgaben der Beteiligtenstehen. Auf keinen Fall sollte man sich dazu verleiten lassen,vertragliche Vereinbarungen anhand von Musterverträgen unddergleichen ad hoc zu konzipieren. Stets bedarf es der individuellenAbstimmung. Die vorstehenden Ausführungen sollen daher lediglichals Anregung aufgefasst werden, eine individuelle Rechtsberatungkönnen sie nicht ersetzen. Abschließend möchten wirIhnen dennoch eine Musterformulierung an die Hand geben für denFall, dass sie sich für die Alternative „Anstellung einesSteuerberaters“ entscheiden. Dieser Mustervertrag istnatürlich im Einzelfall mit einem Rechtsanwalt auf Ihreindividuelle Situation anzupassen:

Muster eines Anstellungsvertrages

Anstellungsvertrag

zwischenHerrn/Frau.................        -im Folgenden „Praxisinhaber“ genannt -

und

Herrn/Frau.................                      - im Folgenden „Steuerberater“ genannt -

§ 1 Aufgaben, Pflichten

Der Steuerberater wird in der Praxis als Mitarbeiter tätig.

Sein Aufgabenbereich entspricht allen Aufgaben, die einem Steuerberater als berufstypische Aufgaben übertragen werden.

Der Steuerberater wird in Abstimmung mit dem Praxisinhaber tätig.

§ 2 Vertragsdauer und Kündigung

1. Der Vertrag beginnt am ............ und wird auf unbestimmte Zeit geschlossen.

2. Es wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart. Währenddieser Zeit kann das Anstellungsverhältnis beiderseits unterEinhaltung einer einmonatigen Frist zum Ende eines Kalendermonatsgekündigt werden.

3. Nach der Probezeit kann das Anstellungsverhältnis von beidenParteien mit einer Frist von sechs Monaten jeweils zum Schluss einesKalendervierteljahres gekündigt werden.

4. Das Recht zur Kündigung aus wichtigem Grund wird hierdurch nicht berührt.

§ 3 Vergütung

1. Als Vergütung für die Tätigkeit des Steuerberaters erhält Herr/Frau ..........

a. ein Jahresgehalt in Höhe von DM :.................. (in Worten: Deutsche Mark ....................) brutto;
b. eine Tantieme, die sich am Geschäftsergebnis des Praxisinhabersund anderer Erfolgskriterien orientiert. Bemessungsgrundlage undHöhe werden jeweils in ergänzenden Vereinbarungen fixiert.

2. Das Jahresgehalt wird nach Abzug der gesetzlichen Abgaben inzwölf gleichen Monatsraten jeweils am Ende eines Kalendermonatsausgezahlt. Mit Zahlung der Tätigkeitsvergütung sindsämtliche sonstigen Leistungen abgegolten. DieTantieme/Prämie wird nach Vorliegen des Jahresergebnisses mit demGehalt des Folgemonats ausgezahlt.

§ 4 Urlaub

1. Herr/Frau .............. hat Anspruch auf einen bezahlten Jahresurlaub von ...... Arbeitstagen.
2. Die Inanspruchnahme des Urlaubs erfolgt unter angemessenerBerücksichtigung der Belange der Praxis und rechtzeitigerAbstimmung mit dem Praxisinhaber.

§ 5 Wettbewerbsverbot

Der Steuerberater verpflichtet sich, während derDauer dieses Vertrages für kein anderes Steuerbüro oder in-oder ausländisches Konkurrenzunternehmen tätig zu sein. Erwird kein solches Unternehmen beraten, begleiten, unterstützenoder sonst in irgendeiner Form fördern.

Er verpflichtet sich insbesondere, keinerlei Unterlagen von oderüber die Praxis, insbesondere keinerlei Analysegrundlagen oderAnalyseschemata, Arbeitslisten, Checklisten, Formulare, Charts oderBerichte, juristisches oder sonstiges wissenschaftliches oder anderesMaterial während oder nach Beendigung desArbeitsverhältnisses anderweitig zu verwenden.

Der Steuerberater wird keinerlei Unterlagen über Klienten oder ausProjekten, Seminaren oder Vorträgen der Praxis behalten. Er wirdUnterlagen, die er im persönlichen Besitz hat und die aus derPraxis stammen, bei Beendigung des Arbeitsverhältnisseszurückgeben.

§ 6 Aufzeichnungen

Bei seinem Ausscheiden aus den Diensten des Praxisinhabersist Herr/Frau .............. verpflichtet, sämtlicheSchriftstücke, Korrespondenz, Aufzeichnungen, Entwürfe unddergleichen, die die Angelegenheiten des Praxisinhabers betreffen unddie sich noch in seinem Besitz befinden, unverzüglich an denPraxisinhaber zu übergeben. Er ist nicht berechtigt, an derartigenUnterlagen ein Zurückbehaltungsrecht auszuüben.

§ 7 Geheimhaltungsverpflichtung

Der Steuerberater verpflichtet sich, übersämtliche internen Verhältnisse der Praxis sowie derenMitarbeiter/innen strengstes Stillschweigen zu bewahren.

§ 8 Salvatorische Klausel

1. Änderungen und Ergänzungen des Vertragesbedürfen zu ihrer Wirksamkeit der Schriftform. Das gilt auchfür die Änderung der Bestimmung des vorstehenden Satzes.

2. Sollten einzelne Bestimmungen des Vertrages unwirksam sein oderwerden, so berührt dies nicht die Gültigkeit der übrigenBestimmungen. Anstelle der unwirksamen Bestimmung oder zurAusfüllung eventueller Lücken des Vertrages soll eineangemessene Regelung getroffen werden, die dem am nächsten kommt,was die Parteien nach ihrer wirtschaftlichen Zielsetzung gewollt haben.

Quelle: Kanzleiführung professionell - Ausgabe 06/2001, Seite 81

Quelle: Ausgabe 06 / 2001 | Seite 81 | ID 104301