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Vermögensverwaltung

Ist die gewerbliche Prägung
von Vermögen sinnvoll?

von WP, StB, RA und FA Steuerrecht Dr. Rüdiger Fromm, Koblenz

Seit Jahren wird zur Reduzierung von potentiellen Erbschaftsteuerschulden empfohlen, geeignetes Privatvermögen zu gewerblichem Vermögen zu machen, indem man dies in eine eigens dazu errichtete gewerblich geprägte Personengesellschaft einbringt. Dieser Vorgang, der bis Ende 1998 den durch die Neufassung des § 7 Abs. 1 Satz 4 EStG (leider) beseitigten Charme einer oftmals deutlichen Einkommensteuerersparnis durch AfA-Generierung hatte, ist erbschaftsteuerlich nach wie vor interessant. Abhängig vom Einzelfall kann die gewerbliche Prägung sogar nötig sein, um Immobilienvermögen vor Investitionsstauungen zu bewahren. Zur Verdeutlichung folgender Musterfall:

Sachverhalt: S. soll von seiner Ehefrau E. erben

Der einkommenslose S. soll von seiner Ehefrau E. ein schuldenfreies Mehrfami­lienhaus erben, das 20 Jahre alt ist und einen jährlichen Nettorohmietertrag von 360.000 DM einbringt. Diese Mieteinnahmen werden das zu versteuernde Einkommen des S. ausmachen. S. und E. fragen ihren Berater nach den erbschaftsteuer­lichen Folgen und suchen nach einer günstigen Gestaltung.

Lösung

1. Das Haus gehört zum Privatvermögen der E.

Für den Fall, daß E. das zu vererbende Haus in ihrem Privatvermögen hält, ist die Erbschaftsteuer – hier ohne Berücksichtigung persön­licher Freibeträge – wie folgt zu berechnen:

Jahresnettorohmiete = 360.000 DM
x 12,5 =                                            4.500.000 DM
./. Altersabschlag (20 Jahre x 0,5 %): 10 %    ./.    450.000 DM
                                                    4.050.000 DM
darauf Erbschaftsteuer: 19 %                          769.500 DM

Die Erbschaftsteuer von 769.500 DM ist sofort fällig. Ersichtlich kann sie aber nicht aus den Erträgen, die das geerbte Grundstück hervorbringt, bedient werden. S. ist deshalb gezwungen, für die Erbschaftsteuerschuld einen Kredit aufzunehmen. Die Kreditaufnahme zugunsten einer Steuerfinanzierung kann ihrerseits steuerlich nicht geltend gemacht werden. Folge ist, daß die Zinsen aus dem zu versteuernden Einkommen bezahlt werden müssen. Das ergibt folgende Überlegungen zu Finanzierungskosten und -dauer:

Die Steuer kann allenfalls mit Hilfe eines mittelfristigen Kredits entrichtet werden, der etwa über acht Jahre läuft. Bei einem derzeitigen Zins­niveau von günstigstenfalls 5 Prozent und einer Tilgung von 10 Prozent tritt nach 8 Jahren Volltilgung des in Höhe der Erbschaftsteuerbelastung aufzunehmenden Kredits ein. Die Annuität beträgt somit 15 Prozent. Das sind – bezogen auf die zu finanzierende Erbschaftsteuer – jährlich 115.425 DM. Damit wird S., der an sich ein großzügiges Erbe antreten soll, davon letztlich – trotz der günstigsten Erbschaftsteuerklasse – nur wenig übrig behalten, was nachfolgende überschlägige Rechnung belegt:

Jahreseinkünfte aus
    Vermietung und Verpachtung                        360.000 DM
./. Einkommensteuer (im günstigen
    Splittingverfahren* einschließlich
    Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer)    ./.  153.000 DM
netto                                                 207.000 DM
./. Annuitätsbelastung                           ./.  115.425 DM
                                                       91.575 DM
monatlich verfügbar (gerundet)                          7.631 DM

* für Todes- und Todesfolgejahr

2. Das Haus gehört zum gewerblich geprägten Vermögen der E.

E. könnte das Haus gewerblich prägen, indem sie es in eine von ihr allein gebildete GmbH & Co. KG einbringt (vergleiche § 105 Abs. 2 HGB). Da es sich insoweit dann um Betriebsvermögen handelt, könnte S. sowohl von dem Betriebsvermögensfreibetrag nach § 13a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ErbStG als auch von dem Privilegierungs­abschlag für Betriebsvermögen nach § 13a Abs. 2 ErbStG profitieren. Damit würde sich folgende Erbschaftsteuer ergeben:

Jahresnettorohmiete = 360.000 DM
x 12,5 =                                            4.500.000 DM
./. Altersabschlag (20 Jahre x 0,5 %): 10 %    ./.    450.000 DM
                                                    4.050.000 DM
./. Betriebvermögensfreibetrag                 ./.    500.000 DM
                                                    3.550.000 DM
./. Bewertungsabschlag: 40 %                   ./.  1.420.000 DM
                                                    2.130.000 DM
darauf Erbschaftsteuer: 19 %                          404.700 DM

Hiermit ergibt sich für S. im Unterschied zum Privat-Haus eine wesentlich günstigere Steuerlast, die auch noch als Erbschaftsteuer auf Betriebsvermögen wegen § 28 Abs. 1 ErbStG zehn Jahre lang zinsfrei gestundet werden kann.

Würde S. die 404.700 DM finanzieren, müßte er nur eine Annuität von (15 % auf die Erbschaftsteuer =) 60.705 DM jährlich aufbringen.

Jahreseinkünfte aus
    Vermietung und Verpachtung                        360.000 DM
./. Einkommensteuer (im günstigen
    Splittingverfahren einschließlich
    Solidaritätszuschlag, ohne Kirchensteuer)    ./.  153.000 DM
 netto                                                207.000 DM
./. Finanzierungslasten                         ./.    60.705 DM
                                                      146.295 DM
monatlich verfügbar (gerundet)                         12.191 DM

Ergebnis: S. hätte monatlich knapp 12.200 DM zur Lebensführung übrig anstatt nur 7.631 DM. Die Einbringung in gewerblich geprägtes Betriebsvermögen führt also zu einem deutlichen Vorteil.

Abwandlung 1: Der verheiratete S. erbt von Drittem

Sachverhalt wie oben, S. und E. sind nicht miteinander verwandte Freunde. S. ist mit F. verheiratet.

Lösung

Der Vorteil bei der Umwandlung von Privat- in Betriebsvermögen wird sogar existentiell, wenn nicht – wie hier bisher berechnet – in der günstigsten Erbschaftsteuerklasse, sondern unter Dritten in der Steuerklasse III vererbt wird. Für eine Vererbung an S. bedeutet dies im vorliegenden Fall: Während die Vererbung des gewerblich geprägten Betriebsvermögens „Haus“ immerhin bei S. für die Dauer der Finanzierung zu einem Nettozufluß von rund 12.200 DM monatlich führen würde, sähe seine Belastung bei einem Empfang des privaten Grundstücks wesentlich schlechter aus:

Jahresnettorohmiete = 360.000 DM x 12,5             4.500.000 DM
./. Altersabschlag (20 Jahre x 0,5 %): 10 %    ./.    450.000 DM
                                                    4.050.000 DM
darauf Erbschaftsteuer: 35 %                        1.417.500 DM

Bei Aufnahme eines Kredits über diese Summe zu den Bedingungen wie oben ergäbe sich für die Dauer von 8 Jahren eine jährliche Finanzierungsbelastung von 212.625 DM. Selbst wenn der verheiratete S. dieses Vermögens in der günstigen Einkommensteuer­splitting­tabelle zu versteuern hätte, würde die jährliche Finanzierungslast den Nettoerhalt von 207.000 DM deutlich überschreiten.

Abwandlung 2: S. erbt von seiner Lebensgefährtin

Sachverhalt wie oben, S. und E. sind nichteheliche Lebenspartner.

Lösung

Diese finanzielle Belastung gilt erst recht, wenn S. von E. als seiner Lebensgefährtin erben soll. S. als Single kann keinen Splittingvorteil genießen. Seine Einkommensteuerlast würde sich bei dem zu versteuernden Einkommen aus dem Mietobjekt nach der Grund­tabelle auf knapp 177.000 DM erhöhen. Letztlich müßte er, um die Finanzierung bewältigen zu können, in Höhe von 35.000 DM jährlich Vermögenssubstanz verbrauchen oder eine entsprechend längere Finanzierungsdauer akzeptieren. Dies würde bei ihm zu einem totalen Einnahmeausfall führen. Die Folgen wären: S. könnte auf lange Sicht gesehen keinen Ertrag aus der Erbschaft ziehen, geschweige denn das Objekt im Wert erhalten. Selbst für Investitionen, die aller Lebenserfahrung nach früher oder später notwendig werden, würde ihm das Geld fehlen.

Quelle: Erbfolgebesteuerung - Ausgabe 09/1999, Seite 227

Quelle: Ausgabe 09 / 1999 | Seite 227 | ID 102003