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·Fachbeitrag ·Versicherungen

Versicherungen von A bis Z: So werden Prämien und Leistungen derzeit steuerlich behandelt

| Die steuerliche Behandlung von Prämien und Leistungen bei Versicherungsverträgen hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach geändert. Dieser Beitrag erläutert die aktuellen Grundsätze, damit Sie keine Steuerspar-Chancen verpassen. |

Steuerliche Behandlung der Prämien

Es gibt drei Möglichkeiten, die Prämien steuermindernd geltend zu machen:

 

1. Werbungskosten

Hängen die abgesicherten Risiken mit dem Beruf oder der Erzielung von steuerpflichtigen Einnahmen zusammen, können sie als Werbungskosten abgezogen werden. So können Arbeitnehmer Beiträge zur Berufshaftpflicht-, Rechtsschutz- oder Unfallversicherung als Werbungskosten geltend machen. Bei Verträgen, die auch private Risiken absichern, sollten sich Arbeitnehmer den beruflichen Anteil der Prämie bestätigen lassen; ohne Nachweis werden in der Regel 50 Prozent akzeptiert.

 

Die auf das heimische Arbeitszimmer entfallenden Beiträge zur Hausrat-, Feuer- oder Wohngebäudeversicherung sind bei der jeweiligen Einkunftsart anteilig als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzbar, wenn das heimische Büro steuerlich anerkannt ist (Voraussetzungen dafür sind: Mittelpunkt der Berufstätigkeit und es steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung).

 

Bei Vermietern mindern die Beiträge für die Gebäude-, Bauherrenhaftpflicht- und Mietausfallversicherung sowie bei möblierter Vermietung für die Hausratversicherung die Einkünfte aus Vermietung.

 

2. Betriebsausgaben

Beiträge für Policen, die Betriebsrisiken abdecken, sind Betriebsausgaben. Dazu gehören die Berufshaftpflicht, die Versicherung eines Betriebs-Pkw, Sachversicherungen gegen Feuer, Hagel und Diebstahl, Rechtsschutzversicherungen sowie auch eine freiwillige Unfallversicherung bei der Berufsgenossenschaft. Auch Beiträge des Arbeitgebers zur Absicherung der Arbeitnehmer und zu deren Altersversorgung sind Betriebsausgaben.

 

3. Sonderausgaben

Versicherungsbeiträge werden bei den Sonderausgaben wie folgt berücksichtigt:

 

  • Besonders begünstigte Aufwendungen: Besonders begünstigt sind seit 2005 neben den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung, berufsständischen Versorgung und landwirtschaftlichen Alterskasse die Beiträge für eine private kapitalgedeckte Altersversorgung („Rürup-Rente“) unter folgenden Voraussetzungen:
    • Die Beiträge wurden zugunsten eines zertifizierten Vertrags geleistet.
    • Es handelt sich um eine lebenslange Leibrente.
    • Die Rente beginnt frühestens ab dem 60. Lebensjahr (bei einem Vertragsschluss ab 2012: ab dem 62. Lebensjahr).
    • Der Anspruch ist nicht veräußerbar, nicht vererbbar, nicht übertragbar, nicht beleihbar und nicht kapitalisierbar.
    • Bei Vertragsschluss seit 2010 müssen Sparer gegenüber dem Anbieter in die Datenübermittlung an die Finanzverwaltung eingewilligt haben, spätestens bis zum Ablauf des zweiten Jahres, das auf das Beitragsjahr folgt.

 

  • Begünstigt sind die Aufwendungen auch, wenn die Berufsunfähigkeit, die verminderte Erwerbsfähigkeit sowie Hinterbliebene (Ehegatte, Kinder) abgesichert werden. Bedingung: Diese Ansprüche werden im Rahmen einer begünstigten Vorsorge zusätzlich gewährt und es werden hierfür maximal 50 Prozent der Beiträge verwendet.

 

  • Hinweis | Der maximal ansetzbare Gesamtbetrag beträgt 20.000 Euro, bei gemeinsam veranlagten Verheirateten 40.000 Euro. Davon sind im Jahr 2011 72 Prozent steuerlich ansetzbar. Bis 2025 steigt dieser Anteil jährlich um 2 Prozentpunkte auf 100 Prozent.

 

  • Kranken- und Pflegeversicherungen: Die Beiträge für gesetzlich und privat Kranken- und Pflegepflichtversicherte werden seit 2010 in voller Höhe berücksichtigt, soweit diese ein Leistungsniveau absichern, das im Wesentlichen der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht. Die Ermittlung des nicht abziehbaren Teils der Krankenkassenbeiträge erfolgt durch einheitliche prozentuale Abschläge auf die gezahlte Prämie, es sei denn der nicht abziehbare Beitragsanteil ist bereits gesondert ausgewiesen.

 

  • Sonstige Sonderausgaben: Die übrigen Vorsorgeaufwendungen werden gesondert ermittelt. Darunter fallen die Arbeitslosen-, private Haftpflicht-, Unfall-, Lebens-, Erwerbsunfähigkeits- und Berufsunfähigkeitsversicherung sowie die Anteile der Kranken- und Pflegeversicherung, soweit diese generell nicht berücksichtigt werden (Mehrleistungen/Wahltarife/Krankengeld). Handelt es sich um eine Kapitallebensversicherung, sind nur Zahlungen für vor 2005 abgeschlossene Policen begünstigt - und diese auch nur mit 88 Prozent. Für die sonstigen Aufwendungen führt das Finanzamt eine Günstigerprüfung durch. Danach werden auch die Aufwendungen bis zueiner Höchstsumme aller Versicherungsleistungen von maximal 1.900 bzw. bei Selbstständigen von 2.800 Euro hinzugerechnet. Werden diese Schwellenwerte bereits mit der Kranken- und Pflegeversicherung überschritten, lassen sie sich nicht mehr als Sonderausgaben geltend machen.

 

MERKE | Bei zusammen veranlagten Ehegatten wird zunächst für jeden Partner der ihm zustehende Höchstbetrag bestimmt. Die Summe ergibt den gemeinsamen Höchstbetrag. Übersteigen die von den Ehegatten geleisteten Beiträge für die Basisabsicherung zusammen den gemeinsamen Höchstbetrag, sind die Beiträge für die Basisabsicherung als Sonderausgaben zu berücksichtigen. Ein zusätzlicher Abzug von sonstigen Vorsorgebeiträgen ist daneben allerdings nicht möglich.

Steuerliche Behandlung der Versicherungsleistungen

Zahlt der Versicherer aufgrund eines versicherten Schadens, ist dies im Privatbereich nicht zu versteuern. Die Leistung mindert aber die Werbungskosten/Betriebsausgaben, wenn der Schaden im beruflichen/betrieblichen Bereich entstanden ist, etwa bei einem Unfall auf einer Dienstfahrt. Fließen Gelder aus betrieblichen Policen, sind sie als Betriebseinnahmen zu verbuchen. Wird die Mietausfallversicherung in Anspruch genommen, handelt es sich um steuerpflichtige Einnahmen bei den Vermietungseinkünften. Erstattet die Versicherung Handwerkerleistungen, mindert das die geförderten Aufwendungen im Rahmen von haushaltsnahen Dienstleistungen.

 

Die Steuerregeln für Lebensversicherungen

Bei Lebensversicherungen sind die bis 2004 und die ab 2005 geschlossenen Verträge steuerlich zu unterscheiden (für fondsgebundene Versicherungen gelten die gleichen Regeln wie für herkömmliche Lebensversicherungen):

 

  • Altpolicen(Abschluss bis 2004) sind unter den alten Bedingungen weiter steuerfrei (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Einkommensteuergesetz [EStG] alte Fassung). Bei schädlicher Verwendung unterliegen die (außer-)rechnungsmäßigen Zinsen bei Kündigung, Verkauf oder Fälligkeit der Abgeltungsteuer von 25 Prozent.

 

  • Neupolicen (Abschluss ab 2005) unterliegen bei Fälligkeit, Verkauf oder Kündigung mit der Differenz zwischen Auszahlung und Summe der Prämien dem Abgeltungssatz von 25 Prozent, unabhängig von der eigenen Progression und der Höhe der Kapitaleinnahmen. Kommt es hingegen - etwa bei vorzeitiger Kündigung - zu einem Verlust, ist dieser nur im Rahmen des § 20 EStG mit positiven Kapitaleinnahmen verrechenbar. Alternativ unterliegt die positive Differenz zwischen Auszahlung und Prämiensumme mit 50 Prozent dem individuellen Einkommensteuersatz, sofern bei Kündigung oder Fälligkeit die Kriterien Mindestlaufzeit 12 Jahre und Alter ab 60 (Vertragsschluss ab 2012: Alter 62) eingehalten werden.

 

Besondere Regeln für Leibrenten und „Rürup-Policen“

Für Leibrenten und für „Rürup-Policen“ gelten Besonderheiten:

 

  • Leibrenten aus privaten Versicherungen werden weiter mit dem Ertragsanteil besteuert, der sich nach dem Lebensalter bei Erstbezug richtet.

 

  • Auszahlungen aus den seit 2005 begünstigten Altersvorsorgeversicherungen („Rürup-Rente“) werden wie gesetzliche Renten besteuert, während der Übergangsphase nur teilweise und ab 2040 in voller Höhe.

 

Weiterführender Hinweis

  • Eine umfangreiche Checkliste zu den steuerlichen Auswirkungen bei den verschiedenen Personen- und Sachversicherungen finden Sie auf ab.iww.de unter „Downloads“ in der Rubrik „Arbeitshilfen und Checklisten“.
Quelle: Ausgabe 05 / 2012 | Seite 18 | ID 32607550