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·Fachbeitrag ·Steuergestaltung

Wichtige Jahresendmaßnahmen und ausgewählte Steuerstrategien 2015/2016

von Dipl.-Finanzwirt (FH) Christian Freischlader, Steuerberater, Dr. Schmidt und Partner, Koblenz/Dresden/München/Oberhausen

| Strategische Vorüberlegungen und Umsetzungen in 2015 können noch für dieses Jahr Steuerentlastungen begründen und damit eine frühzeitige Liquiditätsentlastung mit sich bringen. Die folgenden Empfehlungen stellen eine Auswahl typischer Gestaltungen dar und dienen als Orientierungshilfe. |

Einkünfteverlagerung

Außer bei der Bilanzierung gilt im deutschen Steuerrecht das sogenannte Zu- und Abflussprinzip. Dies bedeutet, dass Einnahmen und Ausgaben in dem Kalenderjahr steuerlich zu berücksichtigen sind, in dem der Steuerpflichtige sie erzielt bzw. tätigt. Gerade bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung können so die Überschüsse des Jahres 2015 durch Zahlungen noch in 2015 für notwendige Reparaturen etc. gemindert werden.

 

PRAXISHINWEIS | Sofern Erhaltungsaufwendungen für das vermietete Objekt erst in 2016 geplant sind, können durch Vereinbarungen und Abschlagszahlungen an den beauftragten Betrieb noch in 2015 Werbungskosten generiert und steuermindernd angesetzt werden.

 

Sonderabschreibung 2016

§ 7g Einkommensteuergesetz (EStG) sieht vor, dass Apotheker auf eine in 2016 zu tätigende Anschaffung zusätzlich zur normalen linearen Abschreibung eine Sonderabschreibung in Höhe von 20 Prozent der Anschaffungskosten steuerlich berücksichtigen können. Die 20 Prozent können direkt im Jahr der Anschaffung oder auch individuell verteilt über einen Fünf-Jahres-Zeitraum gewinnmindernd geltend gemacht werden. Daran sind allerdings gewisse Voraussetzungen geknüpft:

 

  • Zum einen muss es sich um ein bewegliches Wirtschaftsgut - also nicht um ein Grundstück oder Gebäude - handeln.

 

  • Darüber hinaus muss das in 2016 angeschaffte Wirtschaftsgut zu mindestens 90 Prozent der Apotheke dienen. Damit ist zum Beispiel die Neuanschaffung eines Kfz, das auch zu privaten Zwecken genutzt wird (Ein-Prozent-Regelung), nicht begünstigt.

 

  • Eine letzte Hürde ist die Beachtung der Unternehmensgröße. Und gerade hier bietet sich noch in 2015 Gestaltungspotenzial: Das Betriebsvermögen darf zum Schluss des Wirtschaftsjahrs, das der Anschaffung vorangeht, einen Wert von 235.000 Euro nicht überschreiten. Sollten Sie also ein kalenderjahrgleiches Wirtschaftsjahr mit Abschluss zum 31. Dezember 2015 haben, darf der Wert Ihres Betriebsvermögens diese Größe am 31. Dezember 2015 nicht überschreiten. Nur dann können in 2016 entsprechende Sonderabschreibungen vorgenommen werden.

Sonderausgaben Versorgungswerk

Nach § 10 Abs. 1 Nr. 2a EStG mindern die Einzahlungen in das Versorgungswerk die Steuer, da diese als Sonderausgaben steuerlich berücksichtigt werden können. In aller Regel wird Ihrerseits der sogenannte Regelpflichtbeitrag in das Versorgungswerk eingezahlt. Dieser beläuft sich in 2015 auf 1.131,35 Euro monatlich. Somit ergibt sich ein Jahresbeitrag in Höhe von 13.576,20 Euro. Die steuerlichen Vorschriften sehen eine Höchstgrenze der abzugsfähigen Sonderausgaben in diesem Bereich in 2015 von 22.172 Euro vor. Bei zusammenveranlagten Ehegatten verdoppelt sich dieser Betrag. Hier besteht also noch Potenzial, um zum einen Steuern zu sparen und zum anderen etwas für die Altersvorsorge zu tun. Die Einzahlungen werden jedoch nicht voll steuerwirksam in 2015, sondern lediglich zu 80 Prozent.

 

  • Beispiel

Apothekerin A nimmt im Dezember eine zusätzliche Einzahlung zum Versorgungswerk in Höhe von 8.596 Euro (= 22.172-13.576 Euro) vor. Die steuerliche Berücksichtigung dieses Zusatzbeitrags beläuft sich auf 80 Prozent, mithin also 6.876,80 Euro. Bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 35 Prozent beträgt die Steuerersparnis aus der zusätzlichen Einzahlung 2.406,88 Euro ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Netto nach Steuern hat A also einen Betrag von lediglich 6.189,12 Euro (= 8.596-2.406,88 Euro) aufgewendet und gleichzeitig ihre Altersversorgung gestärkt.

 

Spenden

Spenden mindern als Sonderausgaben nach § 10b EStG die Steuerlast. Es gilt das oben genannte Abflussprinzip. Abzugsfähig sind Spenden bis zur Höhe von insgesamt 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte oder vier Promille der Summe der gesamten Umsätze und im Kalenderjahr aufgewendeten Löhne und Gehälter des Unternehmers. Zur Vermeidung von Kosten bei den gemeinnützigen Organisationen für Spendenbescheinigungen bei Kleinspenden (bis 200 Euro) ermöglicht die Vorschrift des § 50 Abs. 2 Nr. 2 Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) eine Vereinfachungsregelung: Um die Spende steuerlich geltend zu machen, reicht unter bestimmten Voraussetzungen der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung eines Kreditinstituts aus.

 

PRAXISHINWEIS | Selbstständige sollten beachten, dass die Spenden nicht von den privaten Konten geleistet, sondern über das betriebliche Konto angewiesen werden. Dies hat eine Reduzierung der Gewerbesteuer zur Folge. § 9 Nr. 5 Gewerbesteuergesetz (GewStG) bestimmt, dass die aus den Mitteln des Gewerbebetriebs geleisteten Zuwendungen (Spenden und Mitgliedsbeiträge) bei der Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer mindernd berücksichtigt werden.

 

Veräußerung einer Immobilie - Schuldzinsenabzug

Schuldzinsen können als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abgezogen werden, wenn das Gebäude veräußert wird, der Erlös aber nicht ausreicht, um die bei der Anschaffung des Gebäudes aufgenommenen Darlehensverbindlichkeiten zu tilgen (sogenannter Grundsatz des Vorrangs der Schuldentilgung). Das hat der Bundesfinanzhof bereits mit Urteil vom 20. Juni 2012 (Az. IX R 67/10) entschieden. Das Bundesfinanzministerium (BMF) stellt außerdem klar, dass es für den Werbungskostenabzug nicht maßgeblich ist, ob die Veräußerung innerhalb der zehnjährigen Veräußerungsfrist erfolgte oder nicht (BMF, Schreiben vom 27.7.2015, Az. IV C 1 - S 2211/11/10001, Abruf-Nr. 145044). Dies soll allerdings nur für Objekte gelten, die nach dem 31. Dezember 1998 veräußert wurden.

 

PRAXISHINWEIS | Sollten Sie nach dem 31. Dezember 1998 ein Mietobjekt veräußert haben und der Verkaufspreis hat nicht zur Darlehenstilgung ausgereicht, so können Sie die anteiligen Schuldzinsen des Darlehens nun als nachträgliche Werbungskosten geltend machen. Dies war bisher umstritten und wurde in aller Regel von der Finanzverwaltung abgelehnt.

 

Weiterhin gültige Empfehlungen der Vorjahre

Den folgenden - in den Vorjahren gegebenen - Gestaltungsempfehlungen kann auch für den Jahreswechsel 2015/2016 gefolgt werden:

 

  • In AH 12/2012, Seite 15 ff. haben wir auf eine Gestaltung hinsichtlich der Vorauszahlungen der Krankenversicherungsbeiträge hingewiesen. Dies gilt weiterhin. So erreichen Sie 2015 eine Steuersenkung durch hohe abzugsfähige Beiträge zur Basiskrankenversicherung. Durch den Wegfall von Krankenversicherungsbeiträgen in den kommenden Jahren wird der Weg frei für den Abzug weiterer Sonderausgaben.

 

  • Die in AH 12/2013, Seite 16 ff. ausgeführten Steuerentlastungstipps gelten ebenfalls uneingeschränkt weiter, zum Beispiel:
    • Handwerkerleistungen können durch geschickte Steuerung der Bezahlung der Rechnung oder eine Anzahlung zur Steuerentlastung beitragen.
    • Um einen Investitionsabzugsbetrag für geplante Investitionen in 2016 bis 2018 vornehmen zu dürfen, darf das Betriebsvermögen der Apotheke zum 31. Dezember 2015 (bei kalenderjahrgleichem Wirtschaftsjahr) einen Wert von 235.000 Euro nicht überschreiten. Sollte das der Fall sein, kann eine Privatentnahme helfen, diesen Wert zu erreichen.

 

  • In AH 12/2014, Seite 10 ff. wurden Strategien vorgestellt, die es entsprechend in 2015 zu beachten gilt, zum Beispiel:
    • Hinsichtlich der Antragsveranlagung für Studierende ist es bei ablehnenden Entscheidungen der Finanzverwaltung empfehlenswert, Einspruch einzulegen und dabei die Aktenzeichen der Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht anzugeben: 2 BvL 23/14 und 2 BvL 24/14.
    • Auch Zahlungen von Jahresboni sind jetzt wieder ein Thema, bei dem Sie auf die hier gemachten Ausführungen zurückgreifen können.
Quelle: Ausgabe 12 / 2015 | Seite 18 | ID 43715186