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·Fachbeitrag ·Einkommensteuer

Steuerliche Gestaltungsmodelle zur Senkung der Kostenlast für ein Studium der Kinder

| Studiengebühren, Mensa und Miete - ein Studium ist teuer. Nachdem der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden hatte, dass Aufwendungen für das Erststudium als vorweggenommene Werbungskosten geltend gemacht werden können (Urteil vom 18.7.2011, Az: VI R 7/10, Abruf-Nr. 112823), hat der Gesetzgeber dem gleich wieder einen Riegel vorgeschoben. Doch Eltern, die das Studium ihrer Kinder fördern oder finanzieren, können den Fiskus trotzdem noch an diesen Kosten beteiligen. Der „Apotheker Berater“ erläutert die nach wie vor bestehenden Gestaltungsoptionen. |

Geringe Steuervorteile für direkte Unterstützungszahlungen

Werden Kinder jeden Monat mit einer bestimmten Geldsumme für Studiengebühren und sonstige Kosten unterstützt (sogenannter Ausbildungsunterhalt der Eltern), scheidet hierfür ein steuermindernder Abzug bei den Eltern grundsätzlich aus. Denn diese Ausgaben haben nichts mit der eigenen beruflichen Tätigkeit der Eltern zu tun. Sondern sie finanzieren als Einkommensverwendung nur den Lebensunterhalt ihrer Kinder. Auch eine Berücksichtigung der Studienkosten im Rahmen des sogenannten Sonderausgabenabzugs für Schulgeld nach § 10 Abs. 1 Nr. 9 des Einkommensteuergesetzes (EStG) ist nicht möglich, da nach dieser Vorschrift nur die schulische, nicht jedoch die Hochschul- bzw. Fachhochschulausbildung gefördert wird.

 

Die Eltern können jedoch den Ausbildungsfreibetrag nach § 33a Abs. 2 EStG von 924 Euro ansetzen, wenn ihr volljähriges Kind auswärtig am Studienort wohnt und die Eltern für ihr Kind noch das Kindergeld bzw. den Kinderfreibetrag erhalten. Auswärtige Unterbringung ist in diesem Zusammenhang jede Unterbringung außerhalb des elterlichen Haushalts. Entscheidend ist die räumliche und hauswirtschaftliche Ausgliederung aus dem Haushalt der Eltern. Einer ausdrücklichen Ermittlung der Kosten des Studiums bedarf es nicht, da es sich um einen pauschalen Freibetrag handelt. Der Ausbildungsfreibetrag bringt aber je nach dem Steuersatz der Eltern nur eine Steuerersparnis von ein paar Hundert Euro.

 

MERKE | Dieser Freibetrag wird außerdem um die eigenen Einkünfte und Bezüge des Kindes gekürzt, die zur Bestreitung seines Unterhalts oder seiner Berufsausbildung bestimmt oder geeignet sind, soweit sie (zurzeit) 1.848 Euro im Kalenderjahr übersteigen. Gekürzt wird auch um die vom Kind als Ausbildungshilfe bezogenen Zuschüsse (zum Beispiel BAföG) oder um ein Stipendium.

Ein Ausbildungsfreibetrag scheidet aus, wenn zum Beispiel die Voraussetzungen für die steuerliche Anerkennung als Kind nicht vorliegen. Das ist der Fall, wenn kein Kindergeld bzw. kein Kinderfreibetrag gewährt werden, da die Altersgrenze überschritten wird. In diesem Fall können die Eltern die Aufwendungen für die Ausbildung des Kindes als „außergewöhnliche Belastung in besonderen Fällen“ nach § 33a Abs. 1 EStG im Rahmen ihrer Einkommensteuererklärung mit maximal 8.004 Euro geltend machen. Der Gesetzgeber will mit der steuermindernden Berücksichtigung außergewöhnlicher Belastungen unzumutbare Härten bei der Einkommensteuer vermeiden.

 

Sobald das Kind jedoch Einkünfte und Bezüge von mehr als 624 Euro hat, reduziert sich dieser Maximalbetrag entsprechend. Ebenso wie beim Ausbildungsfreibetrag werden gegebenenfalls Ausbildungshilfen aus öffentlichen Mitteln (BAföG oder Stipendien) angerechnet. Ein Abzug scheidet ferner aus, wenn das Kind nicht nur geringes Vermögen - sogenanntes Schonvermögen - besitzt.

 

  • Beispiel

Der verheiratete Apotheker A hat drei auswärts studierende Kinder. Für das älteste Kind wird kein Kindergeld bzw. Kinderfreibetrag mehr gewährt, da die Altersgrenze (25 Jahre) überschritten ist. Jedes Kind bekommt im Monat eine Unterstützung von 750 Euro. Die Kinder haben kein nennenswertes Vermögen. Die steuerlichen Folgen für A sind:

Für die beiden jüngeren Kinder wird ihm neben dem Kindergeld/Kinderfreibetrag der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von jeweils 924 Euro gewährt. Ein weiterer Abzug der Unterstützungsleistungen ist insoweit nicht möglich.

Für das ältestes Kind entfällt die Gewährung des Ausbildungsfreibetrags, da kein Kindergeld/Kinderfreibetrag mehr gezahlt wird. Die Unterstützungszahlungen von insgesamt 9.000 Euro pro Jahr können jedoch bis zu 8.004 Euro als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden (§ 33a Abs. 1 EStG). Sobald das Kind Einkünfte und Bezüge von mehr als 624 Euro hat, reduziert sich dieser Betrag entsprechend.

Eigene Einkünfte und Bezüge des in Berufsausbildung/Studium befindlichen Kindes sind nur anzurechnen, soweit sie auf den Unterhalts- oder Ausbildungszeitraum entfallen. Ein genaue zeitliche Abgrenzung kann sich somit lohnen. Zudem können Lohnzuflüsse gegebenenfalls auf den Zeitraum nach der Ausbildung verlagert werden, damit keine Anrechnung erfolgt.

 

  • Beispiel

Student S befindet sich von Januar bis Juni im Studium und erhält in diesem Zeitraum einen Ausbildungsunterhalt von seinen Eltern. Von Mai bis Juni fertigt er seine Diplomarbeit an und arbeitet bereits in Teilzeit für seinen zukünftigen Arbeitgeber. Erfolgt die Lohnzahlung für Mai und Juni erst im Juli, so zählt dieser Arbeitslohn nach dem steuerlichen Zufluss-/Abflussprinzip nicht zu den schädlichen eigenen Einkünften des S, da sein Ausbildungszeitraum nicht betroffen ist.

PRAXISHINWEIS | Der Höchstbetrag für den Abzug von Unterhaltsaufwendungen nach § 33a Abs. 1 EStG und für den Ausbildungsfreibetrag nach § 33a Abs. 2 EStG sowie die anrechnungsfreien Beträge ermäßigen sich um je ein Zwölftel für jeden vollen Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für die Anwendung der betreffenden Vorschrift nicht vorgelegen haben. Erstreckt sich das Studium eines Kindes einschließlich der unterrichts- und vorlesungsfreien Zeit über das ganze Jahr, kann nach Auffassung des Fiskus jedoch davon ausgegangen werden, dass bei den Eltern in jedem Monat Aufwendungen anfallen.

Studiumsförderung und -finanzierung durch Steuergestaltung

Neben diesen eher bescheidenen Steuervorteilen gibt es für die Eltern andere steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten, um die Steuerbelastung des Familieneinkommens zu entlasten. Hier stellt sich oft die Frage, ob sich Einkünfte der Eltern auf das Kind verlagern lassen. Denn die Eltern haben in der Regel einen hohen Steuersatz, der Student dagegen kann Einkünfte erzielen und zahlt bis zum Grundfreibetrag von 8.004 Euro gar keine Steuern.

 

Mitarbeit des Kindes im elterlichen Betrieb gegen Bezahlung

Bei Freiberuflern und Gewerbetreibenden ist es keine Seltenheit, dass Sprösslinge (oder Ehepartner) im Betrieb mitarbeiten. Denn das Arbeitsentgelt bleibt einerseits in der Familie, andererseits schmälern solche Betriebsausgaben die Steuerschuld. Dem liegen folgende Überlegungen zu Grunde: Haben angestellte Kinder ansonsten nur geringe oder gar keine Einkünfte, kann das gesamte Gehalt steuerfrei bleiben. Kommen die Kinder in den steuerpflichtigen Bereich, so wirkt sich der Sonderausgabenabzug der Kinder für ihr Studium steuermindernd aus. Zudem kann noch der Werbungskosten-Pauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro genutzt werden.

 

PRAXISHINWEIS | Bei Verträgen zwischen engen Verwandten muss genau auf die Vertragsgestaltung und die tatsächliche Durchführung der im Vertrag getroffenen Vereinbarungen geachtet werden. Hinter dieser Art der Zusammenarbeit vermuten die Finanzbehörden gern „Scheingeschäfte“ oder einen steuerlichen Gestaltungsmissbrauch. Je ungenauer die Verträge sind, desto leichter fällt es den Finanzämtern, solche Arbeitsverhältnisse abzulehnen. Folge ist, dass gezahlte Vergütungen nicht als Betriebsausgaben anerkannt werden, da das Finanzamt diese Zahlungen als steuerlich irrelevante private Unterhaltsleistungen einstuft. Daher müssen die Verträge prinzipiell so ausgestaltet sein, als ob es sich um ein Vertragsverhältnis zwischen fremden Dritten handelt. Dies bedeutet entsprechend der Regelungen in R 4.8 der Einkommensteuerrichtlinien sowie H 4.8 der Einkommensteuerhinweise unter anderem:

  • Der Arbeitsvertrag muss schriftlich abgefasst sein und eine genaue Aufgabenbeschreibung beinhalten.
  • Es müssen gegebenenfalls Sozialabgaben einbehalten und abgeführt werden.
  • Die Gehaltszahlungen müssen regelmäßig auf ein gesondertes Konto des Angehörigen erfolgen.
  • Das Arbeitsverhältnis muss wirtschaftlich sinnvoll und nachvollziehbar sein.
  • Die getroffenen Vereinbarungen müssen einem Fremdvergleich standhalten. Dazu gehört unter anderem, dass die vereinbarte Lohnzahlung nicht zu hoch ist.

 

Übertragung von Kapitalvermögen

Für Eltern, die ihren Sparerfreibetrag bei Kapitalerträgen ausgeschöpft haben, bietet sich die Möglichkeit zum Steuern sparen, wenn sie weitere Kapitalerträge endgültig und vorbehaltlos auf ihre Kinder verlagern. Auf diese Weise lassen sich im Familienverbund zusätzlich die Steuerfreibeträge der Kinder nutzen. Zurzeit können so pro Jahr 8.841 Euro steuerfrei bleiben, wenn die Kinder keine anderen eigenen Einkünfte haben. Der Betrag von 8.841 Euro setzt sich wie folgt zusammen:

 

  • Berechnung

Sparerpauschbetrag

801 Euro

Sonderausgabenpauschbetrag

36 Euro

Grundfreibetrag

8.004 Euro

Steuerfreies Volumen insgesamt

8.841 Euro

  • Beispiel

Die Eltern A und B kalkulieren bislang mit einem Sparvolumen von 400.000 Euro und einer durchschnittlichen Verzinsung von vier Prozent. Das macht jährlich Kapitaleinnahmen von 16.000 Euro. In Höhe von rund 14.400 Euro greift der Fiskus mit 3.600 Euro (25 Prozent Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. zuzüglich Kirchensteuer) zu. Wird das Kapital nun auf ihre zwei Kinder übertragen, fallen keine Steuern an, da jedes Kind ein steuerfreies Volumen in Höhe von 8.841 Euro mitbringt.

Entlastend wirkt hierbei zusätzlich, dass sich die persönlichen Freibeträge aufgrund der Erbschaftsteuerreform erhöht haben. Und zwar bei jedem Kind von 205.000 Euro auf 400.000 Euro und bei jedem Enkel von 51.200 Euro auf 200.000 Euro. Übertragen A und B beispielsweise nun im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge an zwei Kinder jeweils 400.000 Euro und den Enkel 200.000 Euro, fallen hierauf anschließend nur noch eine stark verminderte Abgeltung- und überhaupt keine Schenkungsteuer mehr an.

Hinweis: Die erb- und schenkungsteuerlichen Freibeträge können nach dem Ablauf von zehn Jahren übrigens erneut für eine weitere Vermögensübertragung oder im Erbfall in Anspruch genommen werden.

Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung, die beim Finanzamt beantragt werden kann, wird im Übrigen erst gar keine Kapitalertragsteuer bzw. Zinsabschlagsteuer einbehalten.

 

Übertragung von Immobilienvermögen auf Kinder

Ebenso wie bei der Übertragung von Kapitalvermögen besteht die Möglichkeit, Immobilienvermögen - auch teilweise - auf die Kinder zu übertragen. Dies gilt insbesondere für Mietobjekte, die lastenfrei sind oder bei denen die Abschreibung bereits in Anspruch genommen wurde, sodass im Ergebnis die Kaltmiete voll zu versteuern ist. In diesen Fällen bleiben pro Kind Mieteinkünfte in Höhe des Grundfreibetrags (8.004 Euro) und des Sonderausgabenpauschbetrages (36 Euro) stets steuerfrei.

 

Vermietung der erworbenen Studentenbude an das Kind

Immobilienbesitzer sind finanziell oft besser dran, wenn sie ihr Eigenheim an Angehörige vermieten (Mietverhältnisse zwischen nahen Angehörigen). Vorausgesetzt, sie erzielen ein hohes Einkommen und sind nicht auf die Erlöse aus der Vermietung des Immobilienbesitzes angewiesen.

 

Durch eine verbilligte Vermietung der Studentenbude an das Kind können Verluste leicht realisiert werden, was beim Senken der eigenen Steuerlast hilft. Eine verbilligte Vermietung liegt vor, wenn die vereinbarte Miete im Vergleich zur ortsüblichen Marktmiete niedriger ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine Mietzahlung für die Studentenbude an fremde Dritte gespart wird, da die Mietzahlung im Familienverbund „kostenneutraln“ ist. Wie bei jeder verbilligten Miete an nahe Angehörige müssen auch hier die Ausgestaltung und tatsächliche Durchführung Ihrer Mietverträge einem Fremdvergleich standhalten werden (s.o.). Beachten Sie dabei aber folgende Besonderheit:

 

Seit dem 1. Januar 2012 müssen Sie bei der Vermietung einer Wohnung oder eines Hauses an einen Angehörigen mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete verlangen. Anderenfalls lässt das Finanzamt die Werbungskosten für diese vermietete Immobilie nur anteilig zum Abzug zu und der Steuervorteil entfällt. Haben Sie also bisher nur 56 Prozent (bisheriger Prozentsatz der Mindestmiete) der ortsüblichen Miete verlangt, muss die Miete ab Januar 2012 also um zehn Prozent erhöht werden (siehe auch Beitrag ab S. 13).

 

PRAXISHINWEIS | Die Steuergestaltung mit Kindern birgt Risiken, denn bei endgültigen Vermögensübertragungen gilt: weg ist weg. Damit wird es den Eltern erschwert, flexibel auf veränderte Situationen zu reagieren. Eine ausführliche Beratung ist daher stets empfehlenswert.

Abschließend eine kleine Checkliste, welche Überlegungen Sie in all diesen Fällen - am besten mit Ihrem Steuerberater - anstellen sollten:

  • Checkliste

Welche Form des Steuersparmodells „Familie“ ist in unserem Fall am besten geeignet?

Auf welche Fallstricke - etwa hinsichtlich Kindergeld / Kinderfreibetrag und damit zusammenhängende Vergünstigungen oder ggf. gesetzliche Krankenversicherung - müssen wir achten? Lohnt sich dann die Gestaltung noch?

Welche generellen Anforderungen gelten für die steuerliche Anerkennung (wie gesetzliche Voraussetzungen, Verträge mit nahen Angehörigen etc.)?

Welche besonderen Regeln sind bei der Übertragung von Kapital- oder Immobilienvermögen auf Kinder einzuhalten?

Weiterführende Hinweise

  • „Vermögen steuerlich optimal auf die Kinder übertragen“ in: „Apotheker Berater“ - AB - Nr. 11/2009, S. 9
  • „Steuergestaltung und Verwaltung der Kinder-Konten durch die Eltern“in: „Apotheker Berater“ - AB - Nr. 12/2009, S. 10
  • „Günstige Schenkung an Kinder gegen Rente“ in: „Apotheker Berater“ - AB - Nr. 3/2008, S. 20

Quelle: Ausgabe 02 / 2012 | Seite 8 | ID 31254900