logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

·Fachbeitrag ·Einkommensteuer

Kinderbetreuungskosten: Finanzverwaltung erläutert die neue Rechtslage

von StB Dipl.-Bw. Thorsten Normann, Olsberg

| Die gesetzlichen Regelungen zur steuerlichen Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten wurden durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 umfassend geändert. Nun hat die Finanzverwaltung ausführlich Stellung zur Abziehbarkeit bezogen (Bundesministerium der Finanzen [BMF], Schreiben vom 14.3.2012, Az: IV C 4 - S 2221/07/0012 :012). Der „Apotheker Berater“ stellt die neue Gesetzeslage ab 2012 vor und gibt wichtige Hinweise zur steuerlichen Geltendmachung von Kinderbetreuungskosten. |

Gesetzliche Neuregelung ab dem Veranlagungszeitraum 2012

Der Gesetzgeber hat den § 9c Einkommensteuergesetz (EStG) gestrichen und die Anspruchsvoraussetzungen im neu formulierten § 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG verankert: Kinderbetreuungskosten sind ab dem Veranlagungszeitraum 2012 nur noch einheitlich als Sonderausgaben und nicht mehr wie Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar. Damit entfällt die bisherige Unterscheidung zwischen erwerbsbedingten und nicht erwerbsbedingten Kinderbetreuungskosten. Ob die Eltern berufstätig sind, ist also nicht mehr von Bedeutung.

 

Dass die Kinderbetreuungskosten zukünftig nicht mehr wie Werbungskosten (oder Betriebsausgaben) zu klassifizieren sind, kann für den Steuerpflichtigen negative Auswirkungen haben. So werden die Ausgaben ab 2012 erst vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen und nicht - wie bisher - bereits bei der Einkunftsermittlung. Dies war dem Gesetzgeber bei der Neuregelung bewusst. Um die negativen Auswirkungen abzumildern, wurde § 2 Abs. 5a S. 2 EStG in das Gesetz eingefügt. Diese Regelung ermöglicht, dass Kinderbetreuungskosten weiterhin mindernd zu berücksichtigen sind, wenn außersteuerliche Vorschriften (zum Beispiel das Wohngeldgesetz) an die Begriffe „Einkünfte“, „Summe der Einkünfte“ oder „Gesamtbetrag der Einkünfte“ anknüpfen. Eine andere negative Konsequenz aus der geänderten Systematik wurde jedoch nicht beseitigt: Zukünftig können Kinderbetreuungskosten nicht mehr zu Verlustvorträgen führen bzw. diese erhöhen.

Was sind Kinderbetreuungskosten?

Kinderbetreuungskosten im Sinne des Einkommensteuergesetzes sind insbesondere Aufwendungen für

  • die Unterbringung in Kindergärten, Kindertagesstätten, Kinderheimen,
  • die Betreuung durch Tagesmütter, Kinderpfleger oder Erzieher,
  • eine Haushaltshilfe, soweit diese Kinder betreut, und
  • die Beaufsichtigung der häuslichen Schulaufgaben.

 

Keine Kinderbetreuungskosten sind hingegen Aufwendungen für die Unterrichtung der Kinder - zum Beispiel Schulgeld, Nachhilfe oder Fremdsprachenunterricht. Auch Kosten für die Vermittlung von besonderen Fähigkeiten oder für sportliche und andere Freizeitbeschäftigungen (zum Beispiel Musikunterricht, Computerkurse, Tennis- oder Reitunterricht) können nicht geltend gemacht werden. Aufwendungen für die Verpflegung von Kindern sind ebenfalls nicht zu berücksichtigen.

 

PRAXISHINWEIS | Wird ein einheitliches Entgelt sowohl für die Kinderbetreuung als auch für andere Leistungen gezahlt, ist gegebenenfalls eine Aufteilung (im Schätzwege) vorzunehmen. Von einer Aufteilung kann abgesehen werden, wenn die anderen Leistungen von untergeordneter Bedeutung sind.

Voraussetzungen der Abziehbarkeit

Liegen Kinderbetreuungskosten vor, müssen insbesondere die folgenden weiteren Voraussetzungen für einen Abzug als Sonderausgaben erfüllt sein:

 

  • Das Kind darf das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.
  • Es muss sich um ein Kind ersten Grades oder ein Pflegekind handeln.
  • Das Kind muss zum Haushalt des Steuerpflichtigen gehören.

 

Wie bisher können zwei Drittel der angefallenen Betreuungsaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. Auch der Höchstbetrag von 4.000 Euro je Kind und Kalenderjahr ist unverändert geblieben.

 

Für den Abzug von Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben kommt es bei verheirateten Eltern, die zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, nicht darauf an, welcher Elternteil die Aufwendungen geleistet hat oder ob sie von beiden getragen wurden. Bei nicht verheirateten, dauernd getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern ist nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs derjenige Elternteil zum Abzug von Kinderbetreuungskosten berechtigt, der die Aufwendungen getragen hat und zu dessen Haushalt das Kind gehört. Trifft dies auf beide Elternteile zu, kann jeder seine Aufwendungen grundsätzlich nur bis zur Höhe des hälftigen Abzugshöchstbetrags geltend machen. Eine einvernehmliche andere Aufteilung ist auf Antrag möglich (BFH, Urteil vom 25.11.2010, Az: III R 79/09, Abruf-Nr. 111067).

 

Beachte | Wenn von den zusammenlebenden, nicht miteinander verheirateten Eltern nur ein Elternteil den Kinderbetreuungsvertrag (zum Beispiel mit der Kindertagesstätte) abschließt und das Entgelt von seinem Konto zahlt, kann dieses weder vollständig noch anteilig dem anderen Elternteil zugerechnet werden.

Der Abzug von Kinderbetreuungskosten setzt grundsätzlich voraus, dass der Steuerpflichtige eine Rechnung über die Aufwendungen erhalten hat und die Zahlung auf das Konto des Leistungserbringers erfolgt ist. Anstatt einer Rechnung können auch schriftliche Arbeitsverträge, Beitragsbescheide (zum Beispiel bei Kindergärten) oder Quittungen als Nachweis dienen. Die Zahlung kann mittels Überweisung, Lastschrift oder Dauerauftrag erfolgen und sollte durch einen Kontoauszug belegt werden können. Barzahlungen werden nicht anerkannt.

Quelle: Ausgabe 06 / 2012 | Seite 18 | ID 33598170