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·Fachbeitrag ·Apothekenübertragung

Apothekennachfolge in der Familie steueroptimal gestalten

| Wenn ein Apotheker seine Apotheke an ein Familienmitglied übergibt, hat er größeren Gestaltungsspielraum als wenn eine fremde Person die Nachfolge antritt. Optionen sind z. B. eine Schenkung der Apotheke, ein deutlich reduzierter Kaufpreis oder eine Übergabe gegen lebenslange Rentenzahlungen. Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf die Schenkung bzw. den Verkauf der Apotheke. Hier greifen die steuerlichen Begünstigungen bei der Apothekenaufgabe. Damit können Sie die Apothekennachfolge in der Familie optimieren. |

Schenkung der Apotheke

Eine Schenkung löst in der Regel keine Steuer aus. Im Einkommensteuergesetz (EStG) regelt § 6 Abs. 3, dass die Übertragung einer Apotheke unter Fortführung der steuerlichen Buchwerte erfolgt. Ihr Kind würde also die steuerlichen Grundlagen Ihrer Apotheke einfach fortführen.

 

PRAXISHINWEIS | Damit die Schenkung der Apotheke steuerfrei bleibt, müssen Sie alle wesentlichen Betriebsgrundlagen übertragen. Bei der Apotheke in eigener Immobilie ist das ein Problem, wenn das Haus nicht mit übertragen werden soll. Das Gesetz erlaubt die Buchwertfortführung dann nur, wenn Sie mit Ihrem Kind eine Gesellschaft gründen und die Immobilie so weiter im steuerlichen Betriebsvermögen halten (sogenanntes Sonderbetriebsvermögen). Eine geringe Beteiligung an der Gesellschaft genügt schon, verbunden mit Mitarbeit in entsprechendem Maße. Über die Dauer dieser Gesellschaft gibt es bei der Finanzverwaltung und dem Bundesfinanzhof unterschiedliche Meinungen. Auf der sicheren Seite im Sinne der Finanzverwaltung sind Sie mit fünf Jahren.

 

Verkauf der Apotheke

Da eine Schenkung keine Steuer auslöst, erscheint sie auf den ersten Blick sympathisch. Besser wäre es aber, die Apotheke zu verkaufen. Dadurch können Sie die Vorteile der begünstigten Apothekenaufgabe im Familienverbund bestmöglich ausschöpfen. Wie das gelingt, zeigt Beispiel 2 aus AH 08/2016, Seite 18. Apotheker A hatte darin seine Apotheke für 390.000 Euro verkauft. Bei einem Restbuchwert des Inventars und Lagers von 110.000 Euro erzielte er einen Veräußerungsgewinn von 280.000 Euro. Dieser wurde ermäßigt besteuert.

 

Würde A seine Apotheke nun an seine Tochter verkaufen, ergäbe sich im Familienverbund neues Steuersparpotenzial. Denn beim Apothekenkauf gilt: Wer zahlt, schreibt ab. Die Tochter von A schafft sich bei einem fremdüblichen Verkauf neues Abschreibungsvolumen, das ihre zukünftigen Gewinne mindert.

 

  • Beispiel: Abschreibung bei Apothekenverkauf

Der Buchwert von Inventar und Vorräten entspricht mit 110.000 Euro dem Verkehrswert. Damit beläuft sich der Firmenwert der Apotheke bei einem Gesamtkaufpreis von 390.000 Euro auf 280.000 Euro. Das materielle Vermögen wird hier der Einfachheit halber insgesamt auf fünf Jahre Restnutzungsdauer abgeschrieben. Für den Firmenwert sieht das Einkommensteuergesetz 15 Jahre Nutzungsdauer vor. Die Tochter von A eröffnet daher folgende Abschreibungsreihen:

 

  • Jährliche Abschreibung im Verkaufsfall (in Euro)
Jahr 1
Jahr 2
Jahr 3
Jahr 4
∑ Jahr 5-15

Materielles Vermögen (ohne Vorräte) 30.000

-6.000

-6.000

-6.000

-6.000

-6.000

Firmenwert 280.000

-18.667

-18.667

-18.667

-18.667

-205.332

Abschreibung gesamt

-24.667

-24.667

-24.667

-24.667

-211.332

 

 

Der jährliche Steuersatz der Tochter hängt davon ab, welches Einkommen sie in ihrer Apotheke erwirtschaftet und was ggf. ihr Ehepartner verdient. Angenommen, die Tochter versteuert die letzten 25.000 Euro ihres Einkommens zum Steuersatz von 42 Prozent (Einkommensteuer inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer), erzielt sie aus Abschreibungen auf den Firmenwert von 280.000 Euro in Summe 42 Prozent, d. h. 117.600 Euro Steuerersparnis. Zum Vergleich: Im Schenkungsfall würde die Steuerersparnis geringer ausfallen.

 

  • Beispiel: Abschreibung bei Schenkung

Im Fall einer Schenkung hätte die Tochter nur die Buchwerte von A weiter abgeschrieben.

 

  • Jährliche Abschreibung bei Schenkung (in Euro)
Jahr 1
Jahr 2
Jahr 3
Jahr 4
Jahr 5

Übernommenes materielles Vermögen 30.000

-6.000

-6.000

-6.000

-6.000

-6.000

Abschreibung gesamt

-6.000

-6.000

-6.000

-6.000

-6.000

 

 

Unter denselben einkommensteuerlichen Bedingungen wie oben (Steuersatz = 42 Prozent) erzielt die Tochter von A bei 30.000 Euro Abschreibung eine Steuerersparnis i. H. von 12.600 Euro. Durch die Gestaltung können hier rund 105.000 Euro Steuervorteil erreicht werden. Dem ist die Steuerlast von A auf den Veräußerungsgewinn gegenüberzustellen. Sie beträgt maximal rund 22 Prozent (nach § 34 Abs. 3 EStG ermäßigter Steuersatz) von 280.000 Euro, also maximal rund 62.000 Euro. Im Familienverbund verbleiben demnach 43.000 Euro Steuerersparnis.

 

Den Kaufpreis kann A seiner Tochter zunächst als Darlehen stunden, soweit er das Geld nicht für die Steuerzahlung benötigt. Auf die Darlehensforderung kann er ggf. später verzichten. Eine Abstimmung der Gestaltung mit den schenkungsteuerlichen Rahmenbedingungen muss im Einzelfall erfolgen, damit der Einkommensteuerersparnis nicht eine böse Überraschung bei der Schenkungsteuer gegenübersteht.

Quelle: Ausgabe 10 / 2016 | Seite 18 | ID 44186735