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·Fachbeitrag ·Wettbewerbsrecht

Empfehlungen für OTC-Arzneimittel gegenüber Laien nur eingeschränkt zulässig

von RA Andreas Frohn, Köln, www.kanzlei-am-aerztehaus.de 

| Prominente dürfen nur unter bestimmten Bedingungen in der Arzneimittelwerbung eingesetzt werden. Die zu beurteilende Werbung mit Ursula Karven ist unzulässig (Oberlandesgericht Karlsruhe, Urteil vom 8.4.2015, Az. 6 U 66/13, Abruf-Nr. 144877). |

 

Sachverhalt

Ein Hersteller homöopathischer Arzneimittel bewarb seine Produkte in Anzeigen mit dem Konterfei von Ursula Karven. Zitiert wurde sie mit den Worten „Für die Balance zwischen Beruf und Familie bin ich selbst verantwortlich - auch für meine Gesundheit“. Darunter befand sich ihre Unterschrift ergänzt um den Hinweis: „Ursula Karven - Mutter, Schauspielerin und Unternehmerin“. Die Wettbewerbszentrale rügte diese Kampagne unter Hinweis auf einen Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) und hatte erstinstanzlich bereits vor dem Landgericht Karlsruhe obsiegt.

 

Entscheidungsgründe

Die Richter hatten die Werbung an § 11 HWG zu messen. Danach darf unter anderem keine den Arzneimittelverbrauch anregende Werbung mit Äußerungen Dritter, insbesondere mit Empfehlungsschreiben, gegenüber Laien stattfinden. Die Besonderheit des Falls war, dass Aussagen Prominenter zu Werbezwecken grundsätzlich dem Unternehmen selbst zugerechnet werden (dann würde keine Empfehlung eines „Dritten vorliegen“), Frau Karven andererseits ausdrücklich überhaupt keine Empfehlung ausgesprochen hatte.

 

Die Richter umschifften beide Klippen: Einerseits leihe Frau Karven dem Hersteller nicht nur ihr Gesicht, sondern vermittele durch ihre Unterschrift und die Gestaltung der Anzeige den Eindruck, sie selbst stehe inhaltlich hinter der Werbeaussage. Zudem rege sie allein aufgrund ihrer Bekanntheit als Schauspielerin und als Gesundheitsunternehmerin (Yoga) zum Arzneimittelverbrauch an. Wenn eine solche Persönlichkeit - die darüber hinaus aufgrund ihrer attraktiven Erscheinung eine Vorbildfunktion einnehme - für Arzneimittel werbe, so habe dies auf den angesprochenen Verkehrskreis (zu dem sich die Richter selbst zählen) eine große Anreizwirkung.

 

PRAXISHINWEIS | Die Entscheidung bestätigt die Vorinstanz und zeigt, wie einzelfallbezogen eine Werbung bewertet werden muss. Vorliegend scheint die Werbung mit Ursula Karven „zu viel des Guten“ gewesen zu sein - die Richter fühlten sich jedenfalls zu sehr zum Kauf motiviert. Grundsätzlich ist die Werbung mit Prominenten auch weiterhin zulässig; besondere Vorsicht sollte man dort walten lassen, wo der/die Prominente einen direkten Gesundheitsbezug aufweist.

Quelle: Ausgabe 08 / 2015 | Seite 15 | ID 43493961