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·Fachbeitrag ·Apothekenmarketing

Verwendung von Bildern auf der Facebook-Seite der Apotheke: Das sollten Sie beachten

von RA Alexander Beyer, Düsseldorf, www.bellinger.de 

| Bei der Präsentation von Bildern auf der Facebook-Seite der Apotheke wie auch im übrigen Web sind stets Urheberrechte zu beachten: Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass jedes Foto urheberrechtlich geschützt ist, selbst wenn es sich nur um einen Schnappschuss handelt. Fotos bzw. Bilder, die von Dritten erstellt wurden, dürfen nur mit deren ausdrücklicher Erlaubnis auf der eigenen Seite präsentiert werden. |

Schriftliche Erlaubnis des Urhebers

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass ein Bild nur dann urheberrechtlichen Schutz genießt, wenn es mit dem ©-Zeichen versehen ist. Das rührt daher, dass eine derartige Kennzeichnung in den USA bis 1989 zwingende Voraussetzung für den Urheberrechtsschutz war. Jedoch entsteht das Urheberrecht in fast allen Ländern (seit 1989 auch in den USA) automatisch mit der Schaffung des Werks und erlischt erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Ob das Bild mit einem ©-Zeichen gekennzeichnet ist oder nicht, spielt rechtlich somit überhaupt keine Rolle. Es ist lediglich als Hinweis auf das ohnehin bestehende Urheberrecht zu verstehen.

 

Fotos bzw. Bilder, die von Dritten erstellt wurden, dürfen daher grundsätzlich nur mit deren ausdrücklicher Erlaubnis auf der eigenen Seite präsentiert werden. Die Erlaubnis des Rechteinhabers kann Einschränkungen hinsichtlich Zweck, Umfang und Art der Nutzung enthalten (Lizenzbedingungen). So kann der Urheber beispielsweise nur die einmalige Nutzung auf einer bestimmten Seite oder aber eine vollumfängliche Veröffentlichungsbefugnis einräumen.

 

PRAXISHINWEIS | Um eine Erlaubnis später gegebenenfalls nachweisen zu können, sollte stets eine schriftliche Erlaubnis verlangt werden, die Zweck, Umfang und Art der Nutzung eindeutig erkennen lässt.

 

Um effektiv Produktwerbung betreiben zu können, haben Apotheken ein großes Interesse an der Präsentation von Produktbildern auf ihrer Facebook-Seite. Aber selbst wenn Hersteller oder Großhändler der Apotheke Kataloge mit Produktbildern überlassen, stellt das nicht automatisch eine Erlaubnis dar. Von einer Erlaubnis kann nur dann ausgegangen werden, wenn den Bildern ein eindeutiger Hinweis beiliegt, der ihre Verwendung erlaubt. Neben der Erlaubnis des Urhebers hat dieser nach § 13 Urheberrechtsgesetz (UrhG) das Recht darauf, namentlich (oder auf Wunsch mit Pseudonym) in unmittelbarem Zusammenhang mit seinem Werk genannt zu werden. Nur wenn er ausdrücklich auf dieses Recht verzichtet, braucht sein Name nicht genannt zu werden.

 

Hinweis | Eine andere Möglichkeit ist, die Produkte selbst zu fotografieren. Für die anschließende Veröffentlichung dieser Bilder ist keine Erlaubnis erforderlich.

Achtung bei der Verwendung von Bilderdatenbanken

Viele Unternehmen bedienen sich sogenannter „Stockbilderarchive“ („to have in stock“ = „auf Lager haben“). Dabei handelt es sich um Websites mit Bilderdatenbanken, in denen die Nutzer gezielt nach bestimmten Motiven suchen und diese gegen Zahlung einer relativ niedrigen Lizenzgebühr (ab 1 Euro pro Bild) herunterladen können. Das Praktische an derartigen Datenbanken ist, dass die Lizenzbedingungen nicht einzeln ausgehandelt, sondern im Vorhinein in Form von AGB festgelegt werden. Diese AGB besagen in der Regel, dass die Bilder nur für eigene Zwecke genutzt werden dürfen. Sie dürfen also nicht an Dritte weitergegeben werden.

 

Bei der Veröffentlichung derartiger Bilder auf der Facebook-Seite der Apotheke stellt sich nun folgende Problematik: Nach Ziffer 2.1 der allgemeinen Facebook-Nutzungsbedingungen erteilt jeder Nutzer Facebook automatisch eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizensierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jeglicher Bilder, die er auf oder im Zusammenhang mit Facebook postet. Dadurch verstößt jeder Facebooknutzer zwangsläufig gegen die Lizenzbedingungen der meisten Stockbilderarchive, wenn er ein entsprechendes Bild auf die Facebook-Seite hochlädt. Aufgrund dieses Verstoßes begeht er eine Urheberrechtsverletzung, die abmahnfähig ist. Seit Kurzem gibt es aber auch Anbieter (zum Beispiel clipdealer.com), die Stockbilder mit einer sogenannten Social-Media-Lizenz anbieten. Diese Lizenz gestattet Ihnen ausdrücklich, die dort erhältlichen Bilder auf Ihrer Facebook-Seite zu nutzen, ohne dass die Urheberquelle genannt werden muss.

Creative-Commons-Lizenzen

Seit einigen Jahren gibt es sogenannte Creative-Commons-Lizenzen (CC-Lizenzen). Dabei handelt es sich um Musterlizenzen, mit denen ein Urheber der Öffentlichkeit auf einfache Weise Nutzungsrechte an seinen Werken einräumen kann. Werke mit einer derartigen Lizenz dürfen stets kostenlos verwendet werden. Vor allem bislang unbekannte Urheber nutzen derartige CC-Lizenzen, um ihren Werken im Internet Aufmerksamkeit zu verschaffen. Erkennen kann man eine CC-Lizenz an dem CC-Symbol im Kreis. Ein Klick auf dieses Symbol führt zur Lizenzbeschreibung. Dem Urheber stehen vier Module zur Verfügung, mit denen er die Nutzungsbedingungen festlegen kann.

 

PRAXISHINWEIS | Bei der Verwendung von Bildern mit CC-Lizenzen auf der Facebook-Seite der Apotheke kann sich dasselbe Problem ergeben wie bei den Bildern aus Stockarchiven. Umfasst die Lizenz nicht die Erlaubnis zur Weitergabe an Dritte, so liegt aufgrund der Nutzungseinräumung an Facebook eine Urheberrechtsverletzung vor. Insofern ist der Umfang der CC-Lizenz genau zu beachten, bevor ein Bild auf die Facebook-Seite gestellt wird.

 

Einwilligung der auf dem Foto abgebildeten Person

Sollen auf der Facebook-Seite Fotos präsentiert werden, auf denen Personen - zum Beispiel Kunden oder Angestellte - zu sehen sind, so ist neben der Erlaubnis des Urhebers grundsätzlich die Einwilligung der abgebildeten Personen erforderlich. Deshalb sollte man bei Fotos von Angestellten am besten direkt eine schriftliche Vereinbarung treffen, dass der Arbeitgeber berechtigt ist, das Foto bei Facebook einzustellen - und zwar zeitlich unbefristet. Ansonsten wäre das Foto von dem Mitarbeiter mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses rückrufbar (Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 24.1.2012, Az. 19 SaGa 1480/11, Abruf-Nr. 121149).

 

Eine Einwilligung ist nicht erforderlich, wenn es sich um Personen handelt, die im Zusammenhang mit einem öffentlich relevanten Ereignis stehen. Auch wenn die abgelichtete Person erkennbar nur Beiwerk des Fotos oder Teilnehmer einer öffentlichen Versammlung ist, bedarf es keiner Einwilligung.

Urheberrechtsverletzung durch das „Teilen“ von Fotos

Ein besonderes Problem stellt das Teilen von Beiträgen fremder Websites dar, die Bilder enthalten. Beim Teilen aus der Linkquelle werden auch die im Artikel enthaltenen Bilder extrahiert. Stehen mehrere Bilder zur Verfügung, können Sie wählen, welches als Miniaturbild auf der Seite Ihrer Apotheke neben dem Textauszug abgebildet sein soll. (Es besteht auch die Möglichkeit, auf die Anzeige eines Miniaturbilds durch Setzen des Häkchens „kein Miniaturbild“ zu verzichten.) Technisch gesehen wird das Ursprungsbild verkleinert und als separates Bild an einer anderen Stelle gespeichert. Das stellt sowohl eine verbotene Vervielfältigung i.S. des § 16 Abs. 2 UrhG als auch eine öffentliche Zugänglichmachung i.S. des § 19a UrhG und somit einen Urheberrechtsverstoß dar. Das entschied auch der Bundesgerichtshof in seinem Urteil zur Google-Bildersuche (Urteil vom 29.4.2010, Az. I ZR 69/08, Abruf-Nr. 101615). Außerdem können Sie sich nicht darauf berufen, dass letztendlich Facebook die Vorschau erstellt. In diesem Fall ist Facebook lediglich das Werkzeug.

 

PRAXISHINWEIS | Ein derartiger Urheberrechtsverstoß ist selbst dann nicht ausgeschlossen, wenn der Webseitenbetreiber auf seiner Website eine Teilen-Schaltfläche von Facebook einblendet. Der Betreiber erklärt sich dadurch zwar damit einverstanden, dass das Vorschaubild und der Textauszug von Facebook-Nutzern übernommen werden. Es kann allerdings sein, dass er die Einwilligung bezüglich der Verwendung des Bilds gar nicht erteilen darf. Insbesondere Stock-Archive verbieten die Weitergabe der Bilder in ihren Lizenzbedingungen. Der eigentliche Urheber hätte dann Ansprüche sowohl gegen Sie als auch gegen den Betreiber der Website, der das Foto zu Unrecht weitergegeben hat.

 

Grundsätzlich auf Miniaturbilder verzichten?

Bedeutet dies, dass Sie grundsätzlich lieber auf die Anzeige eines Miniatur-bilds verzichten sollten? Ein Miniaturbild sorgt in der Regel dafür, dass der Beitrag mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Gerade für Sie als Betreiber einer gewerblichen Facebook-Seite für Ihre Apotheke ist dieser Vorteil nicht zu verachten. Im Endeffekt müssen Sie selbst entscheiden, ob Sie das Risiko in Kauf nehmen. Die meisten Urheberrechtsverstöße werden bisher durch die Google-Bildersuche aufgedeckt. Nach dem derzeitigen Stand der Technik kann Facebook aber nicht von Google durchsucht werden. Bislang ist in ganz Deutschland auch erst eine Abmahnung in einem derartigen Fall bekannt.

Quelle: Ausgabe 04 / 2014 | Seite 15 | ID 42568902