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·Fachbeitrag ·Fördermittel für Apotheken

Allgemeine betriebswirtschaftliche Beratung wird bis fünf Jahre nach der Gründung bezuschusst

von Geschäftsführerin Marion Rohwedder, Grantconsult GmbH, Düsseldorf

| Wer eine Existenz gründet, hat viele Fragen. Themen wie Finanzierung, Rechnungswesen, Controlling, Betriebsorganisation und Kostenoptimierung sowie Marketing- und Vertriebsberatung zur Erschließung neuer Absatzmärkte stellen lediglich einen kleinen Ausschnitt des Neulands dar, das ein existenzgründender Apotheker betritt. Diese Themen lassen sich unter dem Begriff „Allgemeine betriebswirtschaftliche Beratung“ zusammenfassen. Die Beratungskosten werden über das Programm „Gründercoaching Deutschland“ mit - je nach Standort - 50 bis 75 Prozent bezuschusst. |

Die Voraussetzungen

Sie sind Existenzgründer mit Standort in Deutschland und der Gründungs- bzw. Übernahmetermin Ihrer Apotheke liegt nicht länger als fünf Jahre zurück. Als Existenzgründer i.S. der Richtlinien werden Unternehmer eingestuft, die

  • gerade ein Unternehmen gegründet haben,
  • ein junges Unternehmen (maximal fünf Jahre alt) festigen wollen,
  • sich an einem anderen Unternehmen in der Funktion eines Geschäftsführers beteiligt haben,
  • ein bestehendes Unternehmen im Sinne der Unternehmensnachfolge übernommen haben oder
  • ein Unternehmen vorläufig im Nebenerwerb führen möchten.

Die Konditionen

Generell liegt die Förderquote bei 50 Prozent in den alten Bundesländern und Berlin sowie 75 Prozent in den neuen Bundesländern und Lüneburg. Das Nettohonorar des Beraters darf die Summe von 6.000 Euro nicht übersteigen. Pro Tag darf der Berater nicht mehr als 800 Euro in Rechnung stellen. Sobald einer dieser Werte überschritten wird, stellt das ein absolutes K.o.-Kriterium für die Förderung dar. Sie bekämen dann aus bürokratischen Gründen keinen Zuschuss, selbst wenn die Inhalte des Coachings förderfähig wären. Deshalb ist es enorm wichtig, die formalen Anforderungen zu erfüllen und im Zweifel bei der den Antrag annehmenden Stelle gezielt nachzufragen.

Der Ablauf

Das Förder-Programm funktioniert so:

 

  • Sie stellen zunächst die Themen zusammen, bei denen Sie professionelle Unterstützung durch einen erfahrenen Coach benötigen:

 

    • Im Bereich der Finanzierung kann es zum Beispiel um die Entwicklung einer Finanzierungsstrategie, die Erarbeitung eines Überblicks von Finanzierungsmöglichkeiten, die Prüfung und Verbesserung der Eigenkapitalbasis oder die Erstellung einer Rentabilitätsberechnung für die Beantragung eines Kredits gehen.

 

    • Ebenfalls ein Dauerbrenner in der Gründungsberatung ist das Thema Marketing in all seinen Facetten.

 

    • Auch wenn Sie Fragen zur Personalplanung oder zur allgemeinen Organisation Ihrer Buchhaltung und Verwaltungsstrukturen haben, ist das Gründercoaching das probate Mittel, um mit Unterstützung vom Staat gezielte Beratungsleistungen günstig in Anspruch zu nehmen.

 

  • Sie nutzen die Möglichkeit, Berater mit speziellen Qualifikationen und besonderem Expertenwissen aus dem Bereich Gesundheit und Sozialwesen auszuwählen: Sie greifen auf die Datenbank der KfW-Bankengruppe zu (https://beraterboerse.kfw.de) und wählen einen Coach aus, der Ihren Anforderungen entspricht. Derzeit sind dort knapp 18.000 Berater gelistet, die Sie nach Beratungsthema, Postleitzahlengebiet und anderen individuellen Kriterien wie Beratungserfahrung, Alter und Branchenschwerpunkten filtern können.

 

  • PRAXISHINWEIS | Die Berater müssen bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen, um in die Datenbank aufgenommen zu werden. Auf diese Weise möchte die KfW-Bank dafür Sorge tragen, dass Existenzgründer mit professionellen Beratern zusammenarbeiten. Trotzdem sollten Sie vor Vertragsschluss zumindest ein persönliches Gespräch mit dem Coach führen, um herauszufinden, ob Sie sich eine Zusammenarbeit überhaupt vorstellen können. Dabei ist es durchaus üblich, mehr als einen Coach zu kontaktieren. Nur so können Sie feststellen, ob die versprochenen Kompetenzen auch tatsächlich vorhanden sind und die persönliche Ebene passt. Seriöse Coaches bieten in aller Regel kostenlose Erstgespräche an und nutzen diese ihrerseits dazu, die Tragfähigkeit Ihrer Geschäftsidee zu prüfen und die Aussichten auf einen positiven Verlauf eines Coachings einzuschätzen.

     

 

  • Haben Sie sich für einen Coach entschieden, legen Sie gemeinsam die Themen des Coachings fest. Jetzt stellen Sie den Förderantrag, in dem Sie die vereinbarten Themen und den gewählten Coach angeben müssen (www.iww.de/sl396). Den Antrag können Sie online im Internet ausfüllen, müssen ihn jedoch persönlich bei dem zuständigen Regionalpartner einreichen (www.iww.de/sl397). Dieses persönliche Orientierungsgespräch ist unumgänglich. Der Regionalpartner nimmt Ihren Antrag an und leitet ihn an die KfW-Bankengruppe weiter. Diese wird sich innerhalb weniger Werktage bei Ihnen zurückmelden und Ihnen mitteilen, wann Ihr Coaching beginnen darf und bis zu welchem Zeitpunkt der Coachingprozess abgeschlossen sein muss.

 

  • Jetzt schließen Sie den Vertrag mit Ihrem gewählten Coach. Das ist der Startschuss für Ihr individuell maßgeschneidertes Gründercoaching.

 

  • Beispiel

Ein Apotheker aus Stuttgart möchte drei Jahre nach der Gründung Investitionen in die Ausstattung seiner Apotheke vornehmen. Außerdem möchte er eine neue Marketingstrategie entwickeln. Zur Vorbereitung der Unterlagen für das Bankgespräch benötigt er Unterstützung und sucht einen Berater aus der KfW-Beraterbörse aus. Gleichzeitig knüpft er Kontakt zu einem zweiten Berater, der das Thema Marketing abdeckt. Mit dem Finanzcoach wird ein Coaching von 4 Tagen abgestimmt, wobei ein Tagessatz bei 800 Euro liegt. Das Netto-Beraterhonorar beläuft sich auf 3.200 Euro. Die Förderquote liegt bei 50 Prozent. Das heißt, dass der Apotheker einen Zuschuss in Höhe von 1.600 Euro erhält. Die andere Hälfte der Nettokosten in Höhe von 1.600 Euro sowie die anfallende Umsatzsteuer in Höhe von 608 Euro muss der Apotheker bezahlen. Die Umsatzsteuer erhält er im Zuge seiner Umsatzsteuervoranmeldung wieder zurück. Unter dem Strich kostet ihn die Finanzberatung 1.600 Euro netto.

 

Nach Kreditzusage der Bank nimmt er erneut Kontakt zum Marketingberater auf und vereinbart ein weiteres Coaching mit einem Umfang von 3,5 Tagen bei einem Tagessatz von 800 Euro. Das Netto-Beraterhonorar liegt bei 2.800 Euro. Der Zuschuss in Höhe von 50 Prozent macht eine Kostensenkung von 1.400 Euro aus. Der Apotheker bezahlt also 50 Prozent der Nettokosten (1.400 Euro) sowie die auf den gesamten Nettobetrag entfallende Umsatzsteuer in Höhe von 532 Euro, die er mit seiner Umsatzsteuervoranmeldung wieder zurückerhält. Die Marketingberatung kostet den Apotheker 1.400 Euro.

 

Damit ist das gesamte Budget komplett ausgeschöpft. Wenn der Apotheker weiteren Beratungsbedarf hat, kann dieser nicht mehr über das Programm „Gründercoaching Deutschland“ bezuschusst werden. Allerdings gibt es andere Beratungszuschüsse, die Unternehmen für allgemeine wirtschaftliche Beratungsleistungen in Anspruch nehmen können (s. dazu auch den Beitrag „Fördermöglichkeiten nach der Gründungsphase“ in AH 01/2014, Seite 18).

 

 

PRAXISHINWEISE |  

Es gibt zwei Möglichkeiten der Abrechnung mit dem Berater. Die erste Möglichkeit ist, dass Sie den kompletten Rechnungsbetrag des Beraters inklusive Umsatzsteuer bezahlen und die Unterlagen nach Abschluss des Coachings bei der KfW-Beraterbank einreichen, um den Zuschuss anzufordern. Die zweite Möglichkeit ist die sogenannte Abtretung. Hierbei vereinbaren Sie mit Ihrem Coach, dass Sie lediglich Ihren Eigenanteil sowie den kompletten Umsatzsteuerbetrag bezahlen und er sich den Zuschuss von der KfW-Bank holt. Sprechen Sie im Vorfeld über die Zahlungsmodalitäten und treffen Sie schriftliche Vereinbarungen in Form eines Coachingvertrags.

 

Machen Sie sich mit dem Programm vertraut. Die KfW-Bank bietet auf ihrer Internetseite umfassende und gut verständliche Erläuterungen zum Beratungsprogramm an. Hier stehen viele Beispiele, Beratungsanlässe, Tipps und Hinweise, die Ihnen bei der Wahl des Coaches und bei der optimalen Ausnutzung der Beratungsthemen helfen (www.iww.de/sl398).

 

Weiterführender Hinweis

Quelle: Ausgabe 03 / 2014 | Seite 18 | ID 40057020