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26.02.2008 | Verkaufsgespräch

Fehler in der Arzneimitteltherapie vermeiden

von Sebastian Schnabel, Medienbüro Medizin, Hamburg

Eine Untersuchung der ABDA hat ergeben, dass es in Deutschland jeden Tag zu etwa 7.000 unkorrekten Rezeptausfertigungen kommt. Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Auf dem Rezept ist das Medikament falsch geschrieben, die verordnete Packungsgröße gibt es nicht oder das Produkt ist vom Markt genommen. Fehler bei der Arzneimitteltherapie können auch durch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, falsche Anwendung der Produkte oder eine unangemessene Dosierung entstehen. Mit einer guten Beratung der Patienten lassen sich viele Probleme jedoch von vornherein vermeiden. 

„Look-Alike-Präparate“ erhöhen die Verwechslungsgefahr

Es können verschiedene Gründe dafür vorliegen, warum der Patient ein falsches Medikament erhält. Die größte Gefahrenquelle – eine unleserliche Handschrift – ist durch die gedruckten Rezepte heutzutage fast vollständig ausgeschlossen. Doch bei sogenannten Look-Alike-Präparaten ist die Verwechslungsgefahr immer noch groß – trotz aller Vorsichtsmaßnahmen: Es gibt diverse Präparate mit ähnlichen Namen. Gerade wenn Produkte aus demselben Haus kommen, sehen die Verpackungen wegen des einheitlichen Designs des Unternehmens gleich aus.  

 

Praxistipp: Prüfen Sie deshalb sehr genau, welches Produkt Sie herausgeben und ob es von der Wirkungsweise zu den übrigen Medikamenten auf dem Rezept passt. Ärzte sind nicht vor Fehlern gefeit. Fragen Sie im Zweifelsfall lieber noch einmal telefonisch in der Praxis nach, und sensibilisieren Sie auch den Patienten dafür, aufmerksam zu sein. Je mehr Personen mitkontrollieren, desto geringer ist die Chance, dass es zu Verwechslungen kommt. 

Luftbläschen sorgen für falsche Dosierung

Fehler bei der Dosierung müssen nicht durch eine zu hohe oder zu geringe Verschreibung entstehen. Viele Patienten vergessen einfach, in welchen Mengen sie die Medikamente einnehmen sollen. Schreiben Sie Ihren Kunden die Dosierung möglichst auf die Verpackung, wenn diese auf dem Rezept angegeben ist.  

 

Darüber hinaus kann es beim Schütteln – beispielsweise von Antibiotikasäften für Kinder – zu Blasenbildung bis hin zu einem relativ festen Schaum kommen. Auf dem verordneten Teelöffel morgens und abends befindet sich dann deutlich weniger Flüssigkeit, als es wegen der Luftbläschen scheint. Oder beim Teilen von Tabletten – besonders bei Patienten mit eingeschränkter Motorik – zerbrechen diese nicht in zwei gleichgroße Teile, sondern zerbröseln. Eine genaue Dosierung wird dadurch unmöglich. Machen Sie Patienten darauf aufmerksam, wie sie auch kleine Tabletten teilen können – etwa mit einem scharfen Küchenmesser. Oder bieten Sie motorisch eingeschränkten Kunden Ihre Hilfe beim Teilen der ersten Tablette an. So präsentieren Sie sich gleichzeitig als aufmerksamer Dienstleister. Haben sehbehinderte Patienten Probleme bei der Dosierung von Tropfen, die sie kaum erkennen und insofern schlecht abzählen können, können Sie überprüfen, ob es den Wirkstoff in einer anderen Darreichungsform gibt. 

Stammkundendaten unterstützen die Prävention

Achten Sie stets darauf, welche Medikamente auf dem Rezept stehen. Gerade bei Stammkunden kennen Sie die regelmäßig eingenommenen Präparate meist besser als der Patient selbst oder der Hausarzt. Eine Stammkundendatei, in der Sie die gekauften Präparate speichern, kann Fehlern in der Therapie vorbeugen. So fallen Doppelverschreibungen durch unterschiedliche Ärzte oder Medikamente mit Wechselwirkungen schnell auf. Viele Krankenkassen bieten mittlerweile Hausapothekenmodelle an, um solche Fehler zu minimieren. 

Korrekte Anwendung will gelernt sein

Manche Fehler entstehen erst bei der Applikation der Medikamente: Der Klassiker ist das oral angewandte Zäpfchen. Bei der Benutzung von Augentropfen berühren Patienten ihre Netzhaut mit der Pipette und verunreinigen so Tropfenspender und Medikament. Manche Geräte sind schwierig zu handhaben, wenn die Übung fehlt (beispielsweise Asthmasprays oder Kontrollgeräte zur Blutzuckermessung).  

 

Praxistipp: Hier kann eine Beratung durch den Apotheker Abhilfe schaffen. Laut ABDA kann sich so die Fehlerquote bei der Anwendung um 65 Prozent verringern lassen. Noch hilfreicher – wenn auch zeitaufwendiger – ist es, den Patienten die Benutzung des Geräts vormachen zu lassen und ihn auf Fehler hinzuweisen. Die „EDGAr“-Studie (Evaluation der Durchführung von Glucoseselbstkontrollen von Menschen mit Typ 2-Diabetes in Apotheken) zeigt, dass sich die Fehler bei der Blutzuckermessung durch diese Methode halbieren. 

Fazit

Viele Fehlerquellen in der Arzneimitteltherapie lassen sich durch Kommunikation minimieren oder sogar ganz ausschalten. Eine kurze Rückfrage beim Arzt oder eine eingängige Erklärung für den Patienten zur Anwendung eines Präparates sind von großem Wert. Gleichzeitig helfen Sie dadurch auch mit, die Kosten im Gesundheitssektor zu senken, wenn Sie etwa Doppelverschreibungen oder mögliche Wechselwirkungen aufdecken. Vor allem werden Ihre Kunden registrieren, dass Sie sich Zeit für Sie nehmen. Ein Patient, den Sie vor einem Fehler bewahrt haben, ist ein zufriedener Kunde – und zufriedene Kunden kommen wieder. 

Quelle: Ausgabe 03 / 2008 | Seite 3 | ID 117789