logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

01.12.2006 | Steuergestaltung

Steuerliche Überlegungen für 2006/2007

von Bankkaufmann und Diplom-Finanzwirt Theo Müller, Brilon

2006, 2007 und 2008 stehen im Zeichen weitreichender Steueränderungen. Der folgende Beitrag zeigt wichtige Gestaltungsspielräume auf, die bleiben um Steuern zu sparen. Die Hinweise können jedoch nur als Orientierungshilfe dienen und eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Besprechen Sie daher rechtzeitig vor dem Jahreswechsel mit Ihrem steuerlichen Berater Ihren konkreten Handlungsbedarf.  

Umsatzsteuererhöhung zum 1. Januar 2007

Zum 1. Januar 2007 wird der Regelsatz bei der Umsatzsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöht (der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent bleibt). Für die Frage der Anwendung des alten oder neuen Regelsteuersatzes ist der Zeitpunkt maßgebend, in dem der jeweilige Umsatz ausgeführt wird (bei Lieferungen = Verschaffung der Verfügungsmacht; bei Leistungen = Ausführung der Leistung bzw. Abnahme des Werks). Da sich die Umsatzsteuer im Privatbereich ohne Vorsteueranspruch als Definitivbelastung darstellt, sollten Sie überlegen, ob Lieferungen und sonstige Leistungen (sowie umsatzsteuerpflichtige Entnahmen aus dem Betriebsvermögen) noch in 2006 bewirkt werden können. 

 

Außerdem wird die Grenze für Kleinbetragsrechnungen ab dem 1. Januar 2007 von bisher 100 auf 150 Euro angehoben.  

Gestaltungsalternativen im Privatbereich

Im privaten Bereich bzw. bei nicht betrieblichen Einkunftsarten sollten Sie Folgendes beachten: 

 

Kindergeld nur noch bis 25 Jahre

Die Altersgrenze für das Kindergeld (jährlich 1.848 Euro; ab 4. Kind 2.148 Euro) oder alternativ der Kinderfreibetrag (jährlich bei zusammenveranlagten Eltern 5.808 Euro) soll nach einer komplizierten Übergangsregelung ab 2007 schrittweise von 27 auf 25 Jahre gesenkt werden. Kleiner Trost für Apotheker, deren Sprösslinge auch über das 25.Lebensjahr hinaus noch in einer Ausbildung sind: Sie dürfen dann die gezahlten Unterhaltsleistungen als außergewöhnliche Belastung mit bis zu 7.680 Euro im Jahr berücksichtigen. 

 

Einführung einer Reichensteuer ab dem Jahr 2007

Der Spitzensteuersatz wird unbefristet von derzeit 42 auf 45 Prozent für das über 250.000 Euro (bzw. über 500.000 Euro bei Verheirateten) hinausgehende zu versteuernde Einkommen angehoben. Von jedem Euro darüber müssen zusätzlich drei Prozent abgeführt werden. Davon ausgenommen sind allerdings Einkünfte aus Gewerbebetrieb, selbstständiger Arbeit sowie aus Land- und Forstwirtschaft. 

 

Vermietung und Verpachtung

Erhaltungsaufwendungen sind bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung grundsätzlich im Jahr ihrer Zahlung als Werbungskosten abzuziehen. Größere Instandhaltungen bei Gebäuden im Privatvermögen, die überwiegend Wohnzwecken dienen, können auf zwei bis fünf Jahre gleichmäßig verteilt werden. Dadurch kann die Steuerprogression durch die Glättung der Einkünfte über mehrere Jahre optimiert werden, was zu einer Steuerentlastung führen kann. 

 

Reduzierter Sparerfreibetrag

Ab dem nächsten Jahr wird der Sparerfreibetrag von bisher 1.370 auf 750 Euro für Alleinstehende bzw. von bisher 2.740 auf 1.500 Euro für zusammenveranlagte Ehegatten abgesenkt. Die Strategien, mit denen Sie hierauf steueroptimal reagieren können, sind in einem ausführ-lichen Beitrag in „Apotheker Berater“, Nr. 11/2006, S. 7 ff. erläutert. 

 

Kappung der Kirchensteuer

Bei hohen Einkünften – zum Beispiel bei der steuerpflichtigen Veräußerung von größerem Vermögen – ist eine Kirchensteuerkappung mit der Folge einer Kirchensteuererstattung möglich. Hierzu reicht ein formloser Antrag bei der Kirchenverwaltung aus.  

Gestaltungsalternativen im betrieblichen Bereich

Da die Reichensteuer nicht die betrieblichen Einkünfte betrifft, bleibt die Einkommensversteuerung über den Jahreswechsel 2006/2007 gleich. Es ergeben sich folgende Möglichkeiten, Steuern zu sparen: 

 

Anschaffungen und Reparaturen

Für Wirtschaftsgüter, die noch in diesem Jahr angeschafft werden sollen, besteht zusätzliches Abschreibungspotenzial. Dies gilt insbesondere für die Anschaffung von geringwertigen Wirtschaftsgütern (mit Anschaffungskosten bis zu 410 Euro zuzüglich Umsatzsteuer), da diese Wirtschaftsgüter in diesem Jahr gänzlich abgeschrieben werden können. Auch in diesem Jahr noch durchgeführte Reparaturen führen zu einem Steuer minderndem Aufwand.  

 

Bedenken Sie aber, dass eine echte Steuerersparnis durch vorgezogenen Aufwand nur dann entsteht, wenn der Gewinn 2006 weit über dem prognostizierten Ergebnis des Jahres 2007 liegt. In diesem Fall kann eine Gewinnglättung eintreten, die das Senken des progressionsabhängigen Steuertarifes nach sich zieht (je höher das Einkommen, desto höher der Steuersatz). Zudem ist zu beachten, dass durch die Verschiebung der Fälligkeit der Steuerlast erst im Veranlagungszeitraum 2007 ein kostenfreier Steuerstundungseffekt eintritt.  

 

Anhebung degressive Abschreibung

Für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 31. Dezember 2005 und vor dem 1. Januar 2008 angeschafft werden, ist die degressive Abschreibung (AfA) auf das Dreifache der linearen AfA, maximal 30 Prozent erhöht worden (bisher: das Doppelte, höchstens 20 Prozent). Für bereits vor dem 1. Januar 2006 angeschaffte Wirtschaftsgüter ist aber ein Wechsel zur erhöhten degressiven AfA ausgeschlossen. Sofern künftige Anschaffungen geplant sind, sollten diese in den Jahren 2006 oder 2007 durchgeführt werden, damit die höheren Abschreibungssätze genutzt werden können. 

 

Ansparrücklage

Für den geplanten Kauf von beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens können Sie eine den Gewinn mindernde Rücklage von bis zu 40 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten (maximal 154.000 Euro) bilden. Für Anschaffungen in 2007 und 2008 können Sie also durch eine Rücklage in 2006 Ihre Steuerlast senken und Liquidität für die geplanten Investitionen schaffen. Werden diese nicht wie geplant durchgeführt, muss die Rücklage am Ende des zweiten Jahres plus einem Gewinnzuschlag von zweimal 6 Prozent Gewinn erhöhend aufgelöst werden. Haben Sie bereits in 2004 eine Rücklage gebildet, so muss diese zum 31. Dezember 2006 Gewinn erhöhend aufgelöst werden, sofern keine tatsächliche Anschaffung erfolgt ist. 

 

Bildung von Rückstellungen

Rückstellungen erfolgen entweder zwecks vollständiger Erfassung nachträglicher Ausgaben oder zwecks Richtigstellung der gebuchten Erlöse (nachträgliche Erlösschmälerungen). Die bloße Möglichkeit reicht hierfür jedoch nicht. Vielmehr muss ernsthaft mit der Inanspruchnahme gerechnet werden, das heißt: Die ungewisse Verbindlichkeit muss mit einiger Wahrscheinlichkeit bereits bestehen oder noch entstehen und die künftigen zur Tilgung zu leistenden Ausgaben müssen wesentlich bereits im abgelaufenen oder im vorausgegangenen Wirtschaftsjahr – also in 2006 – verursacht sein.  

 

Mögliche Rückstellungen können gebildet werden für Kosten der Erstellung des Jahresabschlusses, für Gratifikationen, für unterlassene Instandhaltungen, die im folgenden Wirtschaftsjahr innerhalb von drei Monaten nachgeholt werden, für Aktenlagerung, für Pachterneuerung, für Prozesskosten, für nicht genommene Urlaubstage von Arbeitnehmern und für Bürgschaften.  

 

Die Rückstellung führt zu zusätzlichem Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung. Bei der Auflösung der Rückstellung wird ein Ertrag verbucht. Dieser Ertragsbuchung steht der tatsächliche Aufwand gegenüber, so dass sich eine Gewinnauswirkung nur in Höhe der Differenz der Rückstellungsbildung zum tatsächlichen Aufwand ergibt. 

 

Betriebs-Pkw

Bereits seit Anfang 2006 können Apotheker die häufig für sie günstige Ein-Prozent-Regelung bei der Schätzung des privaten Kfz-Anteils nur noch bei einer betrieblichen Nutzung von mehr als 50 Prozent berücksichtigen (zu Einzelheiten: „Apotheker Berater“ Nr. 3/2006, S. 11 ff.; Nr. 8/2006, S. 14; Nr. 10/2006, S. 17 f.). 

Quelle: Ausgabe 12 / 2006 | Seite 8 | ID 85182