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02.12.2008 |Steueränderungen

Abgeltungsteuer 2009: Neuer
Renditeschwung für Lebensversicherungen

von Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht Oliver Holzinger, Geschäftsführer des DVVS e.V., Nordkirchen, www.dvvs.eu

Das Alterseinkünftegesetz hat Freiberufler und Gewerbetreibende Ende 2004 zu einem Umdenken bei ihrer Altersvorsorge gezwungen. Aufgrund der gesetzlichen Änderungen konnte der steuerpflichtige Apotheker die Erträge aus den ab 2005 abgeschlossenen Kapitallebensversicherungen unter gewissen Voraussetzungen nicht mehr vollständig, sondern nur noch zur Hälfte steuerfrei vereinnahmen. Damit stehen diese Policen seitdem steuerlich auf einer Stufe mit vergleichbar konservativen Anlageformen. Die ab 2009 geltende Abgeltungsteuer dürfte Kapitallebensversicherungen aber jetzt wieder in neuer Blüte erscheinen lassen.  

Die neuen Regeln im Überblick

Für vor 2005 abgeschlossene Verträge bleiben die bisherigen Privilegien erhalten. Insbesondere erfolgt die Auszahlung weiterhin steuerfrei.  

 

Für nach 2004 abgeschlossene Kapitallebensversicherungen ändert sich ab dem kommenden Jahr dagegen einiges: Die Erträge aus den Policen zählen zu den Einkünften aus Kapitaleinnahmen. Als Kapitaleinnahme gilt die Differenz zwischen dem Auszahlungsbetrag und der bis dahin einbezahlten Beitragssumme. Im Zusammenhang mit der Abgeltungsteuer können sich folgende steuerliche Konstellationen ergeben: 

 

1. Werden die beiden Kriterien Mindestlaufzeit von 12 und Mindestalter von 60 Jahren bei Fälligkeit oder Kündigung der Police eingehalten, unterliegen die Einnahmen zur Hälfte der individuellen Progression im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung. Die auf den vollen Betrag bereits von der Bank einbehaltene Abgeltungsteuer von 25 Prozent wird dann angerechnet.

 

2. Kommt die hälftige Besteuerung nicht zum Ansatz, weil eine der beiden Voraussetzungen fehlt, hat der Steuereinbehalt von 25 Prozent auf den kompletten Überschuss abgeltende Wirkung. Das hat den Vorteil, dass sich große Auszahlungssummen nicht mehr erhöhend auf die Progression für das übrige Einkommen auswirken.

 

3. Verluste – etwa bei vorzeitiger Kündigung – sind mit anderen Kapitaleinnahmen verrechenbar. Wenn ApothekerInnen bei Versicherungen keine Depots unterhalten, kann dieser Ausgleich nicht sofort über das Institut erfolgen. Vielmehr müssen sie dies über das Finanzamt im Rahmen der Veranlagung nachholen, indem sie hier positive Kapitaleinnahmen von den Banken als Verrechnungsposten erklären. Insoweit gibt es dann die einbehaltene Abgeltungsteuer zurück. Sofern der halbierte Ansatz greift, zählen Verluste ebenfalls nur zu 50 Prozent.

 

Beachten Sie aber: Der Rückkauf eines Vertrages ist mit finanziellen Verlusten verbunden. Bei der Suche nach (günstigeren) Alternativen ist insofern neu, dass der Verkauf einer gebrauchten Police an gewerbliche Aufkäufer erstmals steuerpflichtig wird. Der realisierte Gewinn unterliegt dann in voller Höhe dem Pauschaltarif von 25 Prozent, selbst wenn es bei einer Kündigung zum gleichen Termin lediglich zur hälftigen Einnahmeerfassung kommen würde.  

Auswirkung auf die Rendite

Die Neuregelungen ab 2009 bedeuten in der Praxis, dass seit 2005 und künftig abgeschlossene Versicherungen unter der Abgeltungsteuer im Vergleich zu anderen Anlageformen durchaus gut wegkommen. Zurückzuführen ist dies zunächst darauf, dass sich – wie in der letzten Ausgabe dargelegt – die Situation für andere Produkte wie etwa Aktien, Investmentfonds oder Zertifikate deutlich verschlechtert. Insoweit rücken die Policen steuerlich wieder einen Schritt vor, und dies gleich aus mehreren Gründen: 

 

  • Die Lebensversicherung behält als einziges Produkt eine Besteuerungsgrundlage von 50 Prozent, während das Halbeinkünfteverfahren für Aktien entfällt.

 

  • Der Abgeltungssatz in Höhe von 25 Prozent ist attraktiv, da hohe Auszahlungssummen auf einen Schlag nicht mehr zu einem Progressionssprung bei der Einkommensteuer führen und die anderen Einkünfte nicht mehr belasten.

 

  • Während der gesamten Ansparphase fallen überhaupt keine Steuern an, während bei Investmentfonds die laufenden Erträge jährlich besteuert werden. Damit kann sich der Zinseszinseffekt bei den Policen besser entwickeln.

 

  • Die beim Verkauf einer gebrauchten Police anfallenden Verluste können mit anderen Kapitaleinnahmen verrechnet werden.

Entlastung durch die Pauschalsteuer

Diese Aussicht auf einen pauschalen Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent auf sämtliche Versicherungserträge – unabhängig von der Auszahlungssumme und der Höhe der eigenen Progression – macht Policen attraktiver, bei denen das 60. Lebensjahr bei Fälligkeit nicht erreicht werden kann oder soll. 

 

Beispiel

Der 40-jährige Apotheker A mit einem steuerpflichtigen Einkommen von 100.000 Euro zahlt monatlich einen Beitrag von 500 Euro in eine Kapitallebensversicherung ein, die nach zwölf Jahren fällig wird. Die steuerlichen Konsequenzen nach der aktuellen und künftigen Regelung sind:  

 

in Euro 

aktuell 

ab 2009 

Realistischer Auszahlungsbetrag 

100.000 

100.000 

– Summe der geleisteten Beiträge 

- 72.000 

- 72.000 

Kapitaleinnahmen 

28.000 

28.000 

davon steuerpflichtig 

28.000 

– 

+ übriges steuerpflichtiges Einkommen 

100.000 

100.000 

= zu versteuerndes Einkommen 

128.000 

100.000 

Einkommensteuer nach Grundtabelle 

45.846 

34.086 

Steuer auf Kapitaleinnahmen 25 % 

 

7.000 

Gesamtsteuer 

45.846 

41.086 

Vorteil durch die Abgeltungsteuer 

 

4.760 

Steuerbelastung in Prozent 

35,8 

32,1 

Ergebnis: Trotz gleichbleibendem Einkommen sinkt bei Auszahlung der Versicherung ab 2009 die Gesamtsteuerbelastung um 4.760 Euro. 

Vorteile durch Fondspolicen

Künftig dürften auch fondsgebundene Lebensversicherungen wieder stärker in den Blickwinkel rücken. Bei diesen Produkten wird die gesamte Steuerpflicht in die Zukunft verschoben und die nur halbierte Erfassung der Erträge genutzt. Dies führt selbst dann zu besseren Ergebnissen, wenn die Versicherung einen Teil der Prämien nicht zum Sparen verwendet. 

 

Beispiel

Apotheker B zahlt ab Januar 2009 monatlich jeweils 100 Euro in eine fondsgebundene Lebensversicherung und einen Aktienfonds ein. Nach 30 Jahren erhält er aus der fondsgebundenen Lebensversicherung 182.000 Euro und aus dem Aktienfonds 190.000 Euro. Die steuerlichen Auswirkungen sehen wie folgt aus:  

 

Anlageform 

Fondsgebundene-LV 

Aktienfonds 

Auszahlung 

182.000 

190.000 

Summe der Einzahlungen 

- 36.000 

- 36.000 

Kapitaleinnahmen 

146.000 

154.000 

davon steuerpflichtig 

73.000 

154.000 

Steuertarif 

persönlicher Steuersatz (Annahme 35 Prozent) 

Abgeltungssatz  

(25 Prozent) 

Steuerbetrag  

25.550 

38.500 

Nettoertrag 

120.450 

115.500 

Weitere geplante Gesetzesänderungen

Das oben geschilderte Versicherungsprivileg wird von einigen Kreditinstituten genutzt, um über Policen eine indirekte Vermögensverwaltung steuergünstig anzubieten. Bei „Sondermodellen“ soll es deshalb nach dem derzeitigen Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2009 zu einer laufenden Einnahmebesteuerung beim Versicherten kommen (Abstimmung im Bundesrat erst am 19. Dezember 2008): 

 

1. Vermögensverwaltende Auslandsversicherungsverträge

Wird bei den Verträgen eine gesonderte Verwaltung der Kapitalanlagen vereinbart und darf der Versicherte Einfluss auf die Anschaffung oder Veräußerung der verwalteten Vermögensgegenstände nehmen, gilt diese Police nicht mehr als steuerbegünstigt. Dies zielt insbesondere auf ausländische Angebote aus Liechtenstein ab, die Anleger auch über inländische Banken annehmen können.  

 

2. Minimalschutz hinsichtlich des biometrischen Risikos 

Bei bestimmten Policen wird zugunsten der Rendite weitestgehend auf die Absicherung des Todesschutzrisikos verzichtet. Damit erfüllt dieses Modell nicht mehr den eigentlichen Versicherungszweck, sondern wird vordergründig als Steuerspar-Modell verwendet. Durch eine zielgenaue Definition in § 20 Abs. 1 Nr. 6 Einkommensteuergesetz soll nun erreicht werden, dass solche unerwünschten „Versicherungsmäntel“ laufend besteuert werden. Im Ergebnis sollen hierbei die gesetzlichen Anforderungen gelten, die auch schon für vor 2005 abgeschlossene Verträge nötig waren, um die Steuerfreiheit nach zwölfjähriger Laufzeit zu erhalten. Das beinhaltet insbesondere eine ausreichende Risikoabsicherung. 

 

Beachten Sie: Die Verschärfung soll auch für bereits abgeschlossene Verträge gelten. Damit müssen Besitzer solcher Verträge damit rechnen, dass ihre Nettorendite über die Laufzeit hinweg geringer ausfällt und bei Fälligkeit die hälftige Besteuerung ausscheidet. Eine vorzeitige Kündigung ist keine Lösung, weil es besonders in den Anfangsjahren zu Verlusten kommt. 

 

3. Ausländische kapitalbildende Lebensversicherungen

Als weitere Maßnahme soll eine Lücke bei Erträgen aus ausländischen kapitalbildenden Lebensversicherungen geschlossen werden. Da hier die Einkommensteuer erst über die Veranlagung durch das Finanzamt festgesetzt wird, sind zwei neue Kontrollmaßnahmen geplant: 

 

  • ein Kapitalertragsteuerabzug, wenn der ausländische Versicherer eine inländische Niederlassung unterhält;

 

  • eine neue Meldepflicht für ausländische Versicherer hinsichtlich von Erträgen aus kapitalbildenden Lebensversicherungen, da diese keine Abgeltungsteuer einbehalten.
Quelle: Ausgabe 12 / 2008 | Seite 17 | ID 123164